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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Ohne Bepreisung von CO2 kein Klimaschutz

08.01.2020

Frage: Der CO2-Ausstoß in Deutschland ist deutlich zurückgegangen. Sind die Warnungen von Klimaschützern übertrieben?

Latif: Nein, Deutschland ist zwar ein wichtiges Land. Es verantwortet aber nur zwei Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes. Wenn die beiden größten Verursacher von Treibhausgasen – nämlich die USA und vor allem China – nicht anfangen, ihren Ausstoß drastisch zu senken, kann man ambitionierten Klimaschutz vergessen. Der Studie zufolge hat Deutschland bis einschließlich 2019 gegenüber dem Jahr 1990 35 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen. Die Autoren sagen aber auch, dass die Bundesregierung– und das ist kein Geheimnis – dazu beigetragen hat, die Energiewende auszubremsen. Die Folgen stehen uns noch ins Haus. 2019 gab es kaum Zubau an Windstromanlagen an Land. Der endgültige Atomausstieg steht noch bevor. Im Verkehrs- und Gebäudebereich steigen die Emissionen immer noch. Energie ist viel mehr als Strom, auch die Bereiche Wärme und Verkehr gehören dazu. Wenn man Energie insgesamt betrachtet, also nicht nur Strom, haben die Erneuerbaren nur einen Anteil von 15 Prozent. Beim Strom liegt ihr Anteil bei über 40 Prozent.

Frage: Der Ausbau der Windkraft stockt. Der Rückgang des CO2-Ausstoßes kam der Studie zufolge aber vor allem durch den Zuwachs an erneuerbaren Energien. Wird der Ausstoß dennoch weiter zurückgehen?

Latif: Das hängt auch davon ab, wie sich der CO2-Preis über den europäischen Emissionshandel entwickelt. Der Handel mit den Zertifikaten gilt für den Energiebereich und die Industrieunternehmen in der EU. Der CO2-Preis lag 2017 noch bei fünf Euro pro Tonne. 2019 lag er aber dauerhaft bei über 20 Euro pro Tonne. Dadurch war die Kohle wenig rentabel. Wenn der Preis für CO2 weiter steigt, könnte Deutschland sogar das Ziel bis Ende 2020 noch erreichen, gegenüber 1990 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen. Wichtig wäre, dass die Bundesregierung die Windkraft nicht komplett gegen die Wand fährt.

Frage: Lassen sich aus dem Ergebnis der Studie Handlungsempfehlungen für die Politik ableiten?

Latif: Auf jeden Fall. Erstens zeigt es noch mal: Ein CO2-Preis ist das A und O. Solange der CO2-Preis im Rahmen des europäischen Emissionshandels niedrig war, ist nichts passiert. Aber jetzt, wo der CO2-Preis dauerhaft über 20 Euro pro Tonne gelegen hat, sind die Emissionen deutlich gesunken. Es ist gut, dass die Bundesregierung den nationalen CO2-Preis höher angesetzt hat als zunächst geplant. Wichtig ist, dass der Preis weiter steigt. Ohne CO2-Bepreisung kein Klimaschutz. Zweitens brauchen wir für die Entwicklung neuer Technologien, wie Elektroautos oder Wasserstofftechnologie, einen enormen Zuwachs an erneuerbarer Energie. Aber da stockt es gerade. Wenn Deutschland die Energiewende wirklich hinbekommen will, dann müssen die erneuerbaren Energien viel stärker ausgebaut werden.

Mojib Latif  (65) ist Klimaforscher am Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome.
Annette Dönisch Korrespondentenbüro Berlin
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