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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Ohne Glauben ist Ostern leer“

15.04.2017
Frage: Frau Käßmann, Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“ Gilt dieser Satz auch in unserer von Gewalt und Verunsicherung geprägten Zeit?

Botschafterin fürs Reformationsjahr

Die evangelische Theologin Margot Käßmann (58) war von 1999 bis 2010 Hannovers Landesbischöfin und von 2009 bis 2010 auch Ratschefin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 2012 ist sie Reformationsbotschafterin der EKD.

Käßmann: Dieser Satz der Hoffnung gilt auch heute. Zu Ostern wird gerade nicht geleugnet, dass es den Karfreitag gegeben hat. Das ist mir als Christin wichtig. Die zentrale Botschaft lautet: In all dem Leid, das der Karfreitag symbolisiert, hat der Tod nicht das letzte Wort! Das Christentum ist keine Religion, die so tut, als gäbe es den Himmel auf Erden. Aber wir sagen: Es gibt eine Spur des Himmels auf der Erde.
Frage: Ostern wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert. Wie wichtig ist Ihnen persönlich der Glaube an ein Leben nach dem Tod?
Käßmann: Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist für mich Teil meines Glaubens. Ich weiß nicht, wie dieses Leben aussieht, aber ich glaube, dass es eines gibt. Wir erleben, dass es ein Band über die Grenze des Todes hinweg gibt, wenn wir uns an Menschen erinnern, die wir geliebt haben.
Frage: Welche Botschaft kann von Ostern ausgehen, wenn ein Mensch nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt?
Käßmann: Ostern ist für mich kein Fest von Küken, Eiern und Schoko-Hasen. Es geht um die ernsten Fragen des Lebens, darum, wie ich mein Leben leben will, so dass ich am Ende sagen kann, ich habe bewusst und verantwortungsvoll gelebt. Der Grund für Ostern liegt im christlichen Glauben. Ohne Glauben ist Ostern inhaltsleer.
Frage: Doch immer weniger Menschen können mit der christlichen Tradition wirklich etwas anfangen, der Kommerz steht im Mittelpunkt. Was stellen Sie dem entgegen?
Käßmann: Das gilt zunächst vor allem für Deutschland, für Westeuropa. In Äthiopien und Tansania wachsen die lutherischen Gemeinden stark. Gerade in Situationen, in denen Menschen in Bedrängnis sind, kann die Osterfreude besonders groß sein. Auch bei uns ist es gut und wichtig, wenn die Menschen darüber nachdenken, was ihr Leben bedeutet. Die Tradition des Osterlachens und der Osterfreude ist etwas, was unser Land dringend braucht. Das ist kein vom Band eingespieltes Lachen einer Sitcom, sondern ein Lebenslachen. Es weiß davon, dass wir von Gott gehalten werden und dass das Leben mehr ist als Konsum und Kommerz!
Frage: Viele Menschen suchen lieber das Vergnügen. Halten Sie das Tanzverbot am Karfreitag noch für zeitgemäß?
Käßmann: Das Tanzverbot ist Zeichen des Respekts vor den Christen in diesem Land, vor denjenigen, die Ostern und den Karfreitag ernst nehmen. Am Karfreitag geht es um Sterben, Leiden und Tod. Wenn eine Gesellschaft es nicht aushält, einen Tag im Jahr mal nicht zu tanzen, dann ist sie arm dran.
Frage: In diesem Jahr wird das große Reformationsjubiläum gefeiert. Welche Impulse können denn davon ausgehen?
Käßmann: Wir senden einen wichtigen Impuls, indem wir sehr international feiern. Es werden Schüler aus der ganzen Welt zu uns kommen, aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Wir werden beispielsweise die evangelischen Schulen in aller Welt vernetzen. Zehn Millionen Kinder im Kongo gehen auf eine evangelische Schule! Der Bildungs-Imperativ der Reformation hat bis heute eine ungeheure Auswirkung. Dabei war Luthers Botschaft nicht, dass die Leistung über das eigene Lebenswerk entscheidet, sondern die Lebenszusage, die Gott einem jeden von uns gegeben hat. Das kann eine große Entlastung schaffen für diejenigen, die unter dem permanenten Erfolgs- und Leistungsdruck in unserer Gesellschaft leiden. Das Jubiläum regt auch zum Nachdenken darüber an, wie wir die Kirche heute erneuern können. Das ist eine ganz zentrale Frage.
Frage: Dabei wünschen sich viele Christen eine Überwindung der Spaltung in Katholiken und Protestanten. Was ist von der Euphorie des großen Versöhnungsgottesdienstes übrig geblieben? Erwarten Sie noch wirkliche Fortschritte auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl?
Käßmann: Wir ernten gerade die Früchte der ökumenischen Bewegung. Wir feiern in diesem Jahr nicht konfessionalistisch, sondern ökumenisch. Zum andern heißt Einheit der Kirche nicht Einheitskirche, das wäre ja genauso langweilig wie eine Einheitspartei. Allerdings wünsche ich mir, dass wir eines Tages gemeinsam Abendmahl feiern können, auch wenn wir verschiedene Kirchen bleiben.
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