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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Ohne Privathonorare leidet das Gesundheitssystem“

30.04.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T09:32:29Z 280 158

Interview:
„Ohne Privathonorare leidet das Gesundheitssystem“

Frage: Herr Dr. Knemeyer, Sie sind Vorstand bei der einzigen privaten Krankenversicherung mit Sitz in der Region. Nach einem Regierungswechsel bei der Bundestagswahl könnte eine Bürgerversicherung für alle kommen. Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung endet damit in einem Einheitssystem. Sind Sie in Sorge?

Knemeyer: Es ist zunächst einmal wie vor jeder Bundestagswahl – das Gesundheitssystem gerät aus ideologischer Sicht in die politische Diskussion. Wir versuchen, mit sachlichen Argumenten deutlich zu machen, dass die Bürgerversicherung sowohl den privat Versicherten, aber auch den gesetzlich Versicherten schaden wird.

Frage: Was ist da Ihr Hauptargument, auch aus regionaler Sicht?

Knemeyer: Bürgerversicherung hört sich zunächst gut an. Man muss sich aber auch klarmachen, was sie konkret bedeuten würde. Viele Menschen haben keine Vorstellung, wie viel Geld dem Gesundheitssystem verloren geht, wenn keine privaten Honorare mehr an Krankenhäuser, Praxen und Ärzte fließen. Für die Oldenburger Region wären das allein im ambulanten Bereich etwa 30 Millionen Euro pro Jahr. Wenn dieser Betrag fehlt, leidet die gesamte Versorgungsstruktur – auch die, die für die Behandlung von gesetzlich Versicherten genutzt wird.

Frage: Viele sehen eine Bürgerversicherung aber als solidarisch an. Gibt es da überhaupt ein Gegenargument?

Knemeyer: Das heutige duale System gewährleistet eindeutig ein besseres Versorgungsniveau für breite Bevölkerungsschichten, als wenn es ein rein staatliches Zwangssystem für alle gäbe. Eine Bürgerversicherung schafft Wettbewerb und Wahlfreiheiten ab und bietet für die demografische Herausforderung keine Lösung. Eine Finanzierung im Umlagesystem steht langfristig auf wackeligen Füßen. Wenn der Staat sparen muss, verringern sich dramatisch die Gesundheitsleistungen einer Bürgerversicherung. Man muss nur einen Blick ins Ausland zu unseren Nachbarländern werfen.

Frage: Was meinen Sie damit?

Knemeyer: Überall dort, wo die Krankenversicherung in einem Einheitssystem organisiert ist, werden die Leistungen stärker rationiert. So entsteht echte Zwei-Klassen-Medizin: In diesen Ländern haben nur Menschen, die es sich leisten können, Zugang zu Spitzenmedizin – außerhalb der Einheitsversorgung. Das kann politisch nicht gewollt sein und ist zum Glück bei uns in Deutschland noch anders.

Frage: Wie bedeutsam ist die Alte Oldenburger Krankenversicherung eigentlich für ihren Sitz Vechta?

Knemeyer: Wir bieten eine ständig steigende Zahl von guten, qualifizierten Arbeitsplätzen, zurzeit sind es über 200. Die Stadt Vechta begrüßt den Aufbau eines Kompetenzzentrums für private Krankenversicherung, weil damit die Steuereinnahmen in die Region fließen.