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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Er will die Deutsche Sprache retten

10.10.2017

 Der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer, spricht anlässlich des 20-jährigen Vereinsbestehens mit der NWZ über Denglisch.

Frage: Wir beide haben jetzt ein Meeting, talken und hoffen auf Ihre Statements.
Walter Krämer: Da kommt mir schon die Galle hoch. Dieses Imponiergehabe vieler Zeitgenossen geht mir gewaltig auf die Nerven!
Frage: War das vor 20 Jahren der Grund, warum Sie den Verein Deutsche Sprache (VDS) gegründet haben?

Zum Verein und zur Person

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) ist ein Sprachverein mit Sitz in Dortmund. Er wurde am 12. November 1997 gegründet. Der Verein zählt 36.000 Mitglieder in über 100 Ländern. Er kürt den „Sprachpanscher des Jahres“. Vorsitzender des Vereins ist seit der Gründung der Wirtschaftswissenschaftler Walter Krämer.

Krämer (68) veröffentlichte unter anderem das „Lexikon der populären Irrtümer“. Er lebt bei Hannover.

Krämer: Ich kam damals von einem längeren Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurück, und dachte nicht nur auf dem Flughafen: Wir sind hier gar nicht in Deutschland, sondern in Chicago gelandet! Ich fühlte mich überhaupt nicht daheim, alles war Englisch beschriftet, alle Hinweisschilder, die ganze Werbung, im Radio lief englische Musik. Ich habe mich fremd gefühlt.
Frage: Dann haben Sie im November 1997 den Verein Deutsche Sprache gegründet. Sehen Sie die vergangenen 20 Jahre als Erfolgsgeschichte?
Krämer: Auf jeden Fall! Wir sind als einer von wenigen deutschen Vereinen kräftig gewachsen und haben weltweit über 30 000 Mitglieder.
Frage: Was hat Ihr Verein bisher denn bewirkt?
Krämer: Nur ein Beispiel: Ganz zu Beginn hatten wir eine Aktion gegen die deutsche Telekom. Die hatten ihre Rechnungen plötzlich weitgehend in englischer Sprache verfasst, da gab es Free-Calls, City-Calls, Global-Calls und Ähnliches. Wir haben uns als Vereinsmitglieder geeinigt, dass wir die Rechnungen nicht bezahlen, denn Rechnungen, die nicht in deutscher Sprache gestellt sind, sind nicht fällig. Und siehe da: In kurzer Zeit lernte die Telekom die deutsche Sprache.
Frage: Manche rücken Ihren Verein in die rechtsradikale Ecke. Ihr Ansinnen sei fremdenfeindlich…
Krämer: Da halte ich es mit dem von mir hochverehrten Konrad Adenauer: Das ignoriere ich noch nicht einmal! Übrigens sind über die Hälfte unserer Mitglieder Nicht-Deutsche. Wir haben ganze Mitgliederscharen in Afrika, und allein in Togo, einer ehemaligen deutschen Kolonie, haben wir 1000 Mitglieder. Das sind in der Regel Deutschlehrer. Die kämpfen da verzweifelt um ihren Arbeitsplatz, denn seit die Deutschen ihre Sprache nicht mehr ernst nehmen, ist die Sprache auch im Ausland auf dem absteigenden Ast.
Frage: Ihr VDS kämpft gegen Denglisch, gegen die Vermischung der deutschen Sprache mit Englisch. Wie sehen Sie momentan unserer Sprache?
Krämer: Es hat sich was bewegt, zumindest in den Qualitätsmedien, darunter in den „Tagesthemen“ und im „Heute-Journal“. Die sprechen da wirklich ein perfektes Deutsch, da findet man kein Denglisch. Aber die Anfänger, das Fußvolk, die Wichtigtuer, die mischen noch kräftig Englisch in ihre Texte. Die glauben dann, dass sie fortschrittlich sind – sind sie aber nicht.
Frage: Sie geben die Hoffnung nicht auf?
Krämer: Die deutsche Sprache wird doch immer noch von sehr guten Leuten sehr gut verwendet, schon allein bei vielen Schriftstellern. Anders leider die Universitäten, da kann man nur von einem Desaster sprechen. Manche glauben, den Studies was Gutes zu tun und halten ohne Grund an einer deutschen Hochschule als deutsche Professoren Vorlesungen in englischer Sprache! Das finde ich pervers, das ist eine Unsitte, die um sich greift. Speziell die wissenschaftlichen Kollegen aus der zweiten Reihe meinen, wenn sie Amerikaner nachäffen, kämen sie in die Erste Liga. Aber das ist vor allem Angeberei. Spitzenkräfte meiden Denglisch. Der einzige deutsche Wirtschafts-Nobelpreisträger, Norbert Selten, war bis zu seinem Tod VDS-Mitglied.
Frage: Sie wollen die deutsche Sprache im Grundgesetz festgeschrieben haben?
Krämer: Das ist unser großes Ziel. Aber dummerweise hat sich das auch eine Partei auf ihre Fahnen geschrieben, die von anderen Parteien scheel angeguckt wird. Wenn die etwas vorschlagen, und sei es noch so vernünftig, ist der Rest der Bande reflexhaft dagegen. Aber es gibt viele Abgeordnete in allen Parteien, die noch selbst denken und das Projekt trotzdem unterstützen, an erster Stelle der scheidende Parlamentspräsident Norbert Lammert von der CDU.
Frage: Was Sie ärgert, ist der grassierende Versuch, eine sprachliche Geschlechtslosigkeit zu erzeugen  . . .
Krämer: Ja, da ist teilweise eine Art von Sprachpolizei unterwegs. Nirgends auf der Welt äußert sich das Streben nach Geschlechtslosigkeit so hässlich und so teuer wie im deutschen Sprachgebiet. An österreichischen Unis werden Arbeiten zurückgewiesen, die nicht definitiv geschlechtsneutral sind! Ich dagegen lasse zum Beispiel als Lehrender demonstrativ Arbeiten zurückgehen, die das Binnen-I pflegen, etwa in „StudentInnen“.
Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des VDS?
Krämer: Flapsig gesagt war unser Ziel einmal die Selbstauflösung wegen Wegfalls der Existenzberechtigung. Der Weg dahin ist aber noch sehr weit, während meiner Lebenszeit werden wir dieses Ziel wohl nicht erreichen.
Frage: Sie haben viele prominente Mitglieder, darunter Gunter Sachs (inzwischen verstorben), Dieter Hallervorden, Bastian Sick…
Krämer: …und Fußballtrainer Otmar Hitzfeld nicht zu vergessen! Er ist spontan ganz am Anfang beigetreten und hat gleich auf Lebenszeit den Beitrag bezahlt!
Frage: Flutscht Ihnen auch mal ein englischer Ausdruck raus?
Krämer: Haufenweise. Ich laufe ja nicht mit dem Lexikon unterm Arm herum.
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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