• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Warum Cewe seinen Mitarbeitern Aktien schenkt

02.02.2018
Frage: Herr Friege, Sie stehen seit Mitte des Jahres 2017 an der Spitze von Cewe. Üblicherweise verändert man als neuer Chef einige Dinge. Ändern Sie auch etwas an der Mitarbeiter-Beteiligung am Unternehmen?
Friege : Für meine Vorstandskollegen und mich ist die über Jahrzehnte kontinuierlich weiter entwickelte Unternehmenskultur bei Cewe wirklich wichtig. Dazu gehört auch, dass wir an der Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmen – natürlich – nichts ändern wollen. Im Gegenteil: Wir denken darüber nach, wie wir die Beteiligung ausbauen können, damit sie attraktiv bleibt.
Frage: Wie funktioniert das konkret?
Friege: Wir bieten den Mitarbeitern seit vielen Jahren die Möglichkeit, Aktien von Cewe zu beziehen. Bei den früheren Programmen hatte der Mitarbeiter noch einen Eigenanteil zu leisten, der über die Jahre immer kleiner wurde. Zudem waren die alten Programme insgesamt im Umfang deutlich kleiner. Jetzt kann man sogar acht Aktien beziehen – und zwar vollständig gratis. Alle Steuern und Kosten werden vom Unternehmen übernommen, auch die Verwahrung in einem Depot wird zentral von Cewe organisiert. Wir haben also versucht, alle Hürden für eine Beteiligung abzubauen.
Frage: Was ist das Ziel?

Seit Juni 2017an Cewe-Spitze

Dr. Christian Friege (51) ist promovierter Diplom-Kaufmann. Er startete seine Karriere bei Bertelsmann, sammelte internationale Erfahrung in New York (Doubleday) und London (Buchclubs) und kam über Debitel und Lichtblick im Jahr 2015 zur Cewe Stiftung & Co. KGaA. Im Juni 2017 wurde er in Oldenburg Vorstandsvorsitzender.

Friege: Letztlich geht es uns darum, möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass es erstrebenswert ist, Aktionär des eigenen Unternehmens zu sein! Da geht es zum Beispiel um den Aufbau eines kleinen Vermögens, auch als zusätzliche Vorsorge für den Ruhestand. Zudem sind Bindung und Loyalität zum Unternehmen erklärte Ziele. Und noch eines ist dem Aufsichtsrat und uns als Vorstand ganz wichtig: die Vision, dass wir eines Tages einen – wie auch immer gearteten – Verein der Mitarbeiter-Aktionäre haben. Der könnte auf unserer jährlichen Hauptversammlung abstimmen und das hätte schon ein besonderes Gewicht, ganz unabhängig davon, dass ja ohnehin jeder Belegschaftsaktionär Rede- und Stimmrecht hat.
Frage: Was ist Bedingung für den Gratis-Bezug von acht Aktien pro Jahr?
Friege: Im Prinzip nur, dass man die Anteile bis zum Eintritt in den Ruhestand hält.
Frage: Seit wann gibt es Beteiligungsprogramme bei Cewe und wie viele Mitarbeiter/innen haben sich jetzt beteiligt?
Friege: Wir bieten diese Programme seit 2005 an. 2017 haben 81 Prozent der berechtigten Mitarbeiter die Möglichkeit zum Aktienbezug genutzt.
Frage: Das heißt, mindestens 81 Prozent sind jetzt am Unternehmen beteiligt?
Friege: Ich bin sicher, dass 81 Prozent ihre Aktien noch halten. Es kann aber weitere Mitarbeiter geben, die sich außerhalb des Programms Cewe-Aktien gekauft haben. Nur: Das wissen wir nicht.
Frage: 81 Prozent – so hoch war die Quote noch nie?
Friege: So ist es. Im ersten Jahr, 2005, waren es nur sechs Prozent. Das Programm ist dann aber ja auch immer attraktiver gestaltet geworden. Acht Gratis-Aktien in 2017 – somit geht es bei Kursen von aktuell um 90 Euro immerhin um einen Wert von 720 Euro.
Frage: 81 Prozent der berechtigten Mitarbeiter, wie viele sind das?
Friege : Genau 2891. Insgesamt haben wir etwa 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon übrigens etwa 1000 hier in Oldenburg.
Frage: Wie viel kam denn zusammen, wenn man von Anfang an, seit 2005, mitgemacht hat?
Friege: Dann hätte man heute (Anmerkung d. Red.: am Tag des Interviews) einen Kurswert von 20 885 Euro. Selbstinvestiert hätte man 2293 Euro. Hinzu gekommen wären in den zwölf Jahren, durch unser Programm, Dividenden und Kursgewinne, weitere gut 18 500 Euro. Dies zeigt, was zusammenkommen kann. Und unsere Mitarbeiter sind ja oft langjährig im Haus, nicht selten 30 oder 40 Jahre.
Frage: Die Cewe-Aktie ist dann wohl auch mal Kantinengespräch?
Friege : Da bin ich mir sicher. Und dazu trägt natürlich bei, dass die Aktie sich ganz ordentlich entwickelt hat.
Frage: Spüren Sie denn als Chef tatsächlich einen Effekt durch diese Mitarbeiterbeteiligung? Wird mehr mitgedacht?
Friege: Ich wünsche mir natürlich, dass immer diskutiert wird: Was ist für unsere Kunden und damit für mich als Mitarbeiter und Aktionär erstrebenswert? Ich glaube mit Blick auf unsere sehr gute Unternehmenskultur nicht, dass wir das Aktienprogramm benötigen, um dieses Denken erst hervorzubringen. Ich meine, dass wir dieses Aktienprogramm eher brauchen, um auch in der Hauptversammlung das Gewicht, das die Mitarbeiter für den Erfolg des Unternehmens haben, sichtbar, transparent und eben auch effektiv werden zu lassen. Perspektivisch ergibt sich – über alle beteiligten Mitarbeiter zusammen – ein beachtliches Stimmrecht. Man stelle sich einmal vor, ein Verein von CEWE-Mitarbeiteraktionären hätte schon 2005, als sehr aktive Fonds das Unternehmen bedrängten, im großen Stil das Wort ergriffen. Das wäre doch super gewesen! Und außerdem schütten wir ja auch einen Teil der Dividende an die Mitarbeiter aus. Auch das ist gut.
Frage: Die Beteiligungsmöglichkeit ist auch ein Argument, um für Bewerber attraktiv zu sein, oder?
Friege : Am Ende ist dafür sicherlich ein Gesamtpaket entscheidend, also: Wie arbeiten wir miteinander? Ein wichtiger Punkt von mehreren ist dabei: Wie ist unsere Einstellung zur Mitarbeiterbeteiligung? Und das ist dann ein nicht zu unterschätzendes Element, das für Cewe spricht.
Frage: Sind Sie eigentlich auch selbst Cewe-Aktionär?
Friege: Ja, natürlich, aber nicht über das Beteiligungsprogramm, über das wir hier sprechen und über das ich selbst mitentschieden habe. Ich war schon Aktionär, bevor ich nach Oldenburg kam. Das Unternehmen ist ein attraktives Investment – übrigens nicht zuletzt auch wegen des Cewe Fotobuches.
Frage: Cewe ist die Ausnahme. Es gibt in Weser-Ems – und in ganz Deutschland – nur wenige Unternehmen mit einer Mitarbeiterbeteiligung. Was ist Ihre Botschaft an die künftige Bundesregierung?
Friege : Ich würde mir wünschen, dass die Rahmenbedingungen, die der Staat für solche Beteiligungsprogramme setzt, einfacher werden. Bisher ist das ein bürokratisches Monster, besonders, wenn man auch seine internationalen Mitarbeiter beteiligen möchte, was wir ja erstmals getan haben. Und es ist doch so: Was Deutschland in den nächsten Jahren voranbringen wird, das ist die Innovationskraft, letztlich das intellektuelle Kapital in den Unternehmen. Der sicherste Weg, sich an dem Wohlstandszuwachs daraus zu beteiligen, sind Aktien. Und nur so lässt sich auch die Altersvorsorge-Problematik – über die staatliche Grundversorgung hinaus – lösen.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

Weitere Nachrichten:

Cewe Color | Bundesregierung

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.