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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Olympia: „Kein Krieg hat aufgehört, weil die Spiele stattfanden“

31.01.2018
Frage: Herr Professor Wassong, wie sah der olympische Frieden in der Antike aus?

Wassong: Zu den Olympischen Spielen wurde immer die sogenannte Ekecheiria ausgelobt, ein „Weg-Frieden“.

Es sollte sichergestellt werden, dass die Athleten, die Zuschauer, aber auch die Wettkampfrichter einen sicheren Weg von ihrer Heimatstadt nach Olympia und zurück hatten. Dieser „Weg-Friede“ wurde für vier Monate ausgelobt, zwei Monate vor den Wettkämpfen und zwei Monate danach. Den Beginn verkündeten damals Boten, die in die gesamte griechisch beherrschte Welt reisten.

Frage: Das heißt, kriegerische Auseinandersetzungen waren in der Antike für die Dauer der Spiele untersagt?

Wassong: Nein, das ist ein ganz grundlegendes Missverständnis. Keine militärische Auseinandersetzungen hat aufgehört, weil die Spiele ausgetragen wurden. Da genügt ein Blick auf den Peloponnesischen Krieg und die vielen lokalen Konflikte. Ekecheiria bedeutete keinen Stopp von Kriegen, es war lediglich verboten, die Region von Elis, in der der Austragungsort Olympia liegt, mit Waffen zu betreten. Bei einem Vergehen drohten Strafen.

Frage: Hatte die Übereinkunft keine allgemein befriedende Wirkung?

Wassong: Es ist durch die große Anzahl von bis zu 40 000 Athleten und durch das internationale Interesse an dem antiken Event schon davon auszugehen, dass eine Friedenssogwirkung zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele zu spüren war. Das Sportfest wäre wohl auch nicht so populär gewesen und hätte auch nicht so lange gehalten, immerhin rund 1000 Jahre.

Frage: Der Gründer der neuzeitlichen Spiele, Pierre de Coubertin, ließ die Tradition mit ähnlichem Ansinnen wieder aufleben.

Wassong: Ja, aber der französische Baron wollte es weiter fassen und keine reine Kopie der Antike. Coubertin hatte sehr enge Kontakte zu Vertretern der aufkommenden Weltfriedensbewegung, die sich Ende des 19. Jahrhunderts institutionalisierte. Er war begeistert von einer Idee, die auf dem Weltfriedenskongress 1891 in Rom vorgestellt wurde: Studenten sollte vergleichbar mit dem heutigen Erasmus-Programm in andere Länder geschickt werden, damit sie dort die kulturellen und nationalen Besonderheiten kennen und achten lernten. Der Gedanke dahinter war, dass Vorurteile über andere Nationen oftmals Triebfeder für kriegerische Auseinandersetzungen waren.

Frage: Ist die Idee des olympischen Friedens heute noch lebendig?

Wassong: Das ist sehr schwierig zu bewerten. Es gibt aber auf einer rein symbolischen Ebene immer wieder Anzeichen dafür, dass die Olympischen Spiele zumindest einen Impuls setzen können. Aktuell zeigen die Annäherungen von Süd- und Nordkorea, dass ein Sportereignis Völker verbinden kann.

Frage: Vielleicht ist das aber auch nur ein Einzelfall.

Wassong: Die verbindende Symbolik zeigt sich auch in der Atmosphäre im olympischen Dorf, wo drei Wochen lang die Menschen aus allen Teilen der Welt zusammen leben. Sie sind nicht nur bei gemeinsamen Übungen zusammen, sondern auch beispielsweise in einer riesigen Mensa. Als schön empfinde ich auch, dass die Nationen bei der Eröffnungsfeier zwar getrennt hinter ihren Fahnen einlaufen, aber die Trennung seit 1956 in Melbourne bei der Schlussfeier aufgehoben ist und alle Athleten und Trainer durchmischt das Stadion betreten.

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