• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Opfer und Leiden der Polen spielen zu geringe Rolle

02.09.2019
Frage: 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs soll in Berlin ein Denkmal entstehen für die sechs Millionen polnischen Opfer. Sie gehören mit zu den Initiatoren. Was spricht für eine weitere Gedenkstätte?

Thierse: Wir haben die Initiative ergriffen, weil wir der Überzeugung sind, dass die Opfer und Leiden der Polen in der deutschen Erinnerungskultur eine viel zu geringe Rolle spielen. Wir gedenken richtigerweise des Holocausts und der Opfer der Kriege wie der Flüchtlinge und Vertriebenen. Wir pflegen die deutsch-französische Freundschaft, zu der auch die Erinnerung an die französischen Opfer gehört. Aber gegenüber Polen gibt es einen eigentümlichen blinden Fleck. Das darf und soll nicht so bleiben, um der guten deutsch-polnischen Beziehungen und um der europäischen Zukunft willen.

Frage: Kritiker warnen, dass man nicht für jede Nationalität ein Denkmal schaffen müsse…

Thierse: Polen war das erste Opfer des faschistischen Expansionskrieges. Polen hat fünf Jahre unter der deutschen Besatzung gelitten. Es gab sechs Millionen polnische Opfer. Wir wollen sehr genau daran erinnern, dass Polen das erste Ziel und Opfer des deutschen Terrors und der Nazi-Ideologie geworden war.

Frage: Die polnische Regierung fordert Reparationen in hoher Milliardenhöhe von Deutschland. Halten Sie die Ansprüche berechtigt?

Thierse: Juristisch ist das geklärt. Das wurde in der Nachkriegszeit und auch durch verschiedene Verträge wie dem deutsch-polnischen Vertrag nach 1989 mit dem freien Polen geregelt. Die Reparationsforderungen erinnern uns an eine moralische Last, die wir gegenüber Polen zu tragen haben und die uns zu einer Verantwortung in Gegenwart und Zukunft gegenüber Polen verpflichtet.

Frage: Europa lebt mehr als fünf Jahrzehnte in Frieden. Ist die Gefahr eines Krieges gebannt?

Thierse: Nein, niemals. Wir können uns nie sicher sein vor einem Rückfall in Barbarei und Nationalismus. Es geht darum, die heutigen Generationen an ihre Verantwortung heute und morgen zu erinnern.

Wolfgang Thierse  (SPD, 75) – geboren im heute polnischen Breslau, nach der Vertreibung aufgewachsen in Thüringen – war von 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.