Holdrio: Otto wird diesen Sonntag 70 – fällt Dir dazu spontan ein Witz ein?
WeiseHoldrio again! Einer? Der zum Beispiel: Kommt ein Ostfriese in den Briefmarkenladen, sagt: „Eine 40-Pfennig-Marke. Aber machen Sie bitte den Preis ab, soll ein Geschenk sein.“
Du bist halb so alt wie Otto. Konntest Du mit seinem Humor immer etwas anfangen?
WeiseOtto ist für mich der Vater des deutschen Humors und steht in einer Reihe mit Heinz Erhardt oder Loriot. Wobei Otto eher der „Blödelbarde“ ist. Diese Bezeichnung ist etwas aus der Mode, aber beschreibt ihn ganz gut.
Was war Deine erste Otto-CD?
WeiseDie habe ich 1993 mit zehn Jahren bekommen: „Otto – Das Allerbeste“. Die Texte kann ich heute noch mitsprechen.
Und die Filme?
WeiseDie habe ich natürlich rauf und runter geschaut: „Otto – der Film“, „Otto – Der Außerfriesische“, „Otto – Der neue Film“. Ich mochte dieses alberne, die Unsinnigkeit der Texte, die Sprachspiele, die Körperhaftigkeit und den Wortwitz. Damals habe ich über mehrdeutige Witze gelacht, die ich zu dem Zeitpunkt gar nicht verstanden habe, aber es war einfach witzig.
Hast Du eine Lieblingsnummer von ihm?
WeiseEine? Ich liebe seine vertonten Hänsel-und-Gretel- Lieder! Oder „Der menschliche Körper“: „Leber an Großhirn, Leber an Großhirn, wo bleibt denn der Alkohol, ich krieg ja überhaupt nichts zu tun hieeer!?“ (lacht) Oder „Skatgymnastik“: „Und ärgern, ärgern, ärgern….“.
Kann man mit Susi Sorglos und dem Fön auch heute noch eine Halle zum Brüllen bringen? Oder hat sich der Humor in den vergangenen vier Jahrzehnten gravierend verändert?
WeiseSein Humor hält sich über Generationen. Ich habe Freunde, die gehen mittlerweile mit ihren Eltern und Kindern zu Otto. Über die unsinnigen Texte haben schon wir als Kinder gelacht. Jetzt lachen Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam. Welcher Komiker schafft das?
Konntest Du für Deine eigenen Auftritte von Otto profitieren? Hast Du Dir was abgeguckt?
Weise Ich weiß gar nicht, ob man sich etwas von einem Vorbild abgucken kann. Vielleicht seine Bühnenpräsenz und Einfachheit. Er erzählt mit großer Mimik und Körperhaftigkeit unsinnige und einfache Geschichten: „Englisch für Fortgeschrittene. Englisch for Runaways.“ Das Lied „Dänen lügen nicht“ hat mich damals für die Brisko-Schneider-Nummer bei den Büttenabenden inspiriert. Das Intro habe ich versucht wie Otto zu singen: (Weise singt) „Hähähähä-hähähähähä…“
Klingt ja fast wie Otto. Seid Ihr Euch eigentlich mal begegnet?
WeiseTatsächlich bin ich ihm mal begegnet. Das war 2008 beim Finale von „Bully sucht die starken Männer“ in den Bavaria Filmstudios. Ich stand gerade in meinem „Gorm“-Kostüm in der Garderobe und die Kostümbildnerin nähte am Kostüm von mir herum. Ich hatte dabei einen Faden im Mund, damit es kein Unglück bringt. Plötzlich kam Otto herein, er sollte Spielpartner in der Szene mit einem Kollegen sein. Er spielte den „Tod“. Otto sah mich und sagte: „Boah, das sieht ja stark aus.“ Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte und sagte ganz schüchtern: „Hallo, Otto.“ Dann verschwand er in der Kabine zum Umziehen.
Hat Otto denn nie dem Weltrekordhalter im Witzeerzählen gratuliert? Oder kennt er ihn etwa gar nicht?
WeiseGratuliert hat er mir nicht. Das macht aber auch nichts. Er ist mein persönlicher Weltrekordwitzeerzähler. Obwohl: Ein’ hab’ ich noch, ein’ hab’ ich noch: „Brauchst du ein Muster auf der Butter, geh mit’m Kamm drüber“.
