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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Bukowski bleibt als USA-Erklärer aktuell

02.09.2017
Frage: Charles Bukowski gehört immer noch nicht zu den üblichen Literaturempfehlungen in der Oberstufe. Wann haben Sie zum ersten Mal Bukowski gelesen?
Peter Lohmeyer: So mit 18, 19. Damals habe ich mich zum ersten Mal mit Literatur beschäftigt, ohne dem etwas beizumessen. Bukowski habe ich gelesen, und wieder verloren. Das war bei mir immer so.
Frage: Was haben seine Texte bei Ihnen ausgelöst?
Lohmeyer: Er hat uns sein Land erklärt. Der Blick auf Amerika war auch bei uns in den Siebzigern und frühen Achtzigern ein ganz anderer als in den Jahrzehnten zuvor. Bukowski hat aufgeschrieben, wie es in New York zugeht – roher, schonungsloser, deutlicher als die meisten anderen Autoren zuvor.
2009 mit OLB-Vorstand Stefan Friedmann (links) und Torsten Neumann

Peter Lohmeyer

Der Schauspieler (55) ist der jüngste Sohn eines evangelischen Pfarrers und dessen Frau. Sein Filmdebüt gab er 1988 in „Tiger, Löwe und Panther“. Bekannt wurde er mit „Die Straßen von Berlin“, „Das Wunder von Bern“ und „Zugvögel. Einmal nach Inari“. 2009 erhielt er während des Filmfests Oldenburg den Stern auf dem „Walk of fame“.

Peter Lohmeyer und der „Club der toten Dichter“ gastieren am Samstag, 16. September, ab 20 Uhr in der Kulturetage. Karten gibt es für 32,50/35 Euro bzw. 28,50/30 Euro unter

    kulturetage.reservix.de/events?q=eter+Lohmeyer kulturetage.reservix.de/events?q=peter+lohmeyer

Frage: Wie viel Bukowski steckt in Lohmeyer?
Lohmeyer: Naja, ich habe auch schon in Abgründe geblickt – schließlich habe ich mal in Dortmund gewohnt (Anm. d. Red.: Peter Lohmeyer ist bekennender Fan von Schalke 04.) Aber im Ernst: Seine Texte haben Fragen bei mir ausgelöst. Sie haben mich mehr berührt als Lenz‘ „Deutschstunde“. Vor allem die Dialoge sind exzellent beobachtet und auf höchstem Niveau geschrieben. Die haben die Direktheit von Edward Albee oder Arthur Miller.
Frage: Roh und direkt ist die eine Sichtweise seiner Texte – sexistisch, frauenverachtend, gewaltverherrlichend die andere. Haben Sie Ihrem heranwachsenden Sohn Louis Bukowski zur Lektüre gegeben?
Lohmeyer: Es genügt mir, dass ich dafür verantwortlich bin, dass alle meine Kinder Schalke-Fans geworden sind. Bei sonstigen Empfehlungen habe ich mich weitgehend rausgehalten. Die sind vernünftig genug, um ihren eigenen Weg zu gehen.
Frage: Bukowski hat als Sohn eines Soldaten eine strenge Erziehung mit körperlicher Misshandlung erlebt. Zudem litt er unter Akne und der Ablehnung von Mitschülern und Mitmenschen. War das Schreiben für ihn Therapie?
Lohmeyer: Wenn ich mir seine Biografie anschaue, glaube ich eher, dass ihn eher andere Dinge befreit haben. Er hat sich durchs Schreiben selbst entdeckt, und damit wahrscheinlich bei anderen für eine Art Befreiung gesorgt.
Frage: Sind Bukowskis Texte noch zeitgemäß?
Lohmeyer: Die sind total zeitgemäß. Gerade jetzt zieht sich ein starker Riss durch die amerikanische Gesellschaft. Bukowskis Werk handelt oft von Menschen, die sich auf der Schattenseite des „American Way of Life“ befinden: Alkoholiker, Obdachlose, Prostituierte und Kleinkriminelle.
Frage: Gerade haben Sie den Tod im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen dargestellt. Ihr Kommissar Jan Fabel ist ein kantiger, spröder Typ. Liegt ihnen das Abseitige?
Lohmeyer: Nee, ich bin Schauspieler und spiele Rollen. Und jetzt, im Band-Poetry-Projekt „Club der toten Dichter“ erzähle ich auf der Bühne Geschichten von Charles Bukowski.
Frage: Der „Club der toten Dichter“ hat zuvor Gedichte von Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke und Friedrich Schiller vertont. 2016 und 2017 ist Charles Bukowski dran. Wie haben Sie sich dem Projekt genähert?
Lohmeyer: Ich habe Bukowski wiederentdeckt. Mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten ist der Blick natürlich ein anderer. Und die Vorfreude war groß, weil ich sehr gerne mit der Band um Reinhardt Repke arbeite. Das macht schon großen Spaß. Und daran werden wir Oldenburg teilhaben lassen.
Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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