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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Der Traum von der Narzissenstadt Nordenham

19.03.2019
Frage: Herr Jacob, was ist aus Ihrem Traum von der gelben Narzissenstadt Nordenham geworden?
Fritz Jacob: Im Grunde genommen ist es bedauerlich, dass es nicht so weitergelaufen ist, wie es damals im Anfangsstadium begonnen hatte. Es ist nicht das eingetreten, was ich mir erhofft hatte.
Frage: Woran liegt das?
Fritz Jacob: Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Dazu gehört, dass die Pflanzen und die Beete gepflegt werden müssen. Es muss auch ein Verständnis für die Natur aufgebracht werden. Das bedeutet, dass man die Blätter nicht gleich abschneiden darf, wenn die Pflanze verblüht ist. Sonst führt es dazu, dass die Narzissenzwiebeln keine Kraft mehr haben, um sich zu erholen und im nächsten Jahr erneut zu blühen.
Frage: Dabei fing alles so gut an...

160 000 Narzissen gepflanzt

Das Stadtjubiläum 2008 war der Anlass für die große Narzissen-Pflanzaktion. Zum 100-jährigen Bestehen der Unterweserstadt hatte der Kaufmann und ehemalige FDP-Ratsherr Fritz Jacob die Idee entwickelt, unter Beteiligung möglichst vieler Bürger Tausende von Frühlingsblumen in Nordenham zu pflanzen. Damit die gelbe Blütenpracht im Jubiläumsjahr erblüht, wurden die Zwiebeln im Herbst 2007 in die Erde gesetzt. Der Blumenglanz sollte ein Bürgergeschenk zum Stadtgeburtstag sein.

Bei der Auftaktaktion am 27. September 2007 waren über 100 Helfer im Einsatz. Sie pflanzten 40 000 Narzissenzwiebeln an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet. Für die Finanzierung der aus den Niederlanden importierten Zwiebeln sammelte Fritz Jacob Spenden.

In den Folgejahren fanden unter der Regie von Fritz Jacob und seinen Mitstreitern weitere Pflanzaktionen statt. Sein Ziel war es, Nordenham zur „Narzissenstadt“ zu machen. Dabei hatte der heute 83-Jährige die Hoffnung, dass das Projekt langfristig fortgesetzt wird und sich immer wieder Bürger und Vereine zu Pflanzaktionen zusammenfinden. Das geschah unter anderem in Phiesewarden und Blexen.

Als sich Fritz Jacob 2012 aus dem Narzissen-Projekt zurück zog, waren insgesamt rund 160 000 Blumenzwiebeln im gesamten Stadtgebiet gepflanzt worden. Das ist eine beachtliche Zahl, aber sein Traum von der Narzissenstadt erfüllte sich nicht, weil die Begeisterung irgendwann abebbte und sich kaum noch Bürger bereit erklärten, Nachpflanzungen vorzunehmen und neue Beete anzulegen. Daher freut sich Fritz Jacob um so mehr über die Ausnahme in Blexen, wo die Vereine weiterhin jedes Jahr Narzissen pflanzen.

Fritz Jacob: Ja, 2007 war die Begeisterung groß. Bei der Pflanzaktion im September waren circa 100 Nordenhamer aus allen Berufsgruppen im Einsatz. Das war sehr schön und hat gezeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben und man gemeinsam etwas zum Stadtjubiläum auf die Beine stellen kann. Damit wollten wir Bürger zum 100. Geburtstag Dankeschön sagen und der Stadt ein Geschenk machen. Alle, die mitgeholfen hatten, konnten sich im Nachhinein etliche Jahre an ihrer Arbeit erfreuen.
Frage: Warum haben Sie sich ausgerechnet für Narzissen entschieden?
Fritz Jacob: Die Narzisse ist eine schön blühende Frühjahrspflanze. Ihr Gelb ist eine wunderbare, erholsame Farbe für die Seele, wenn drum herum in der Natur noch vieles grau ist.
Frage: Das Gelb hat also nichts mit Ihrer Parteizugehörigkeit zur FDP zu tun?
Fritz Jacob: Nein, absolut nicht, auch wenn das manch einer da hinein interpretiert haben mag. Narzissen gibt es schon viel länger als die FDP.
Frage: Können Sie sagen, wie viele Narzissen bei der Aktion im Laufe der Jahre gepflanzt wurden?
Fritz Jacob: Im ersten Jahr waren es etwa 40 000. Später sind wir mit den Nachpflanzungen bis zum Jahr 2012 auf ungefähr 160 000 gekommen.
Das lässt sich anhand der Lieferantenrechnungen ganz gut nachvollziehen.
Frage: Inzwischen sind fast zwölf Jahre ins Land gegangen. Was empfinden Sie, wenn Sie jetzt im Frühling mit dem Rad in der Stadt unterwegs sind?
Fritz Jacob: Ich hätte mir gewünscht, dass sich der Gedanke mehr verbreitet hätte und die Aktion weiter gepflegt worden wäre. Aber die Menschen – nicht nur in Nordenham – haben nun einmal viel größere Probleme, die sie beschäftigen. Dann gerät so etwas wie die Narzissen natürlich in Vergessenheit. Es muss auch ein Initiator da sei, der die Sache immer wieder gedanklich ins Leben ruft.
Frage: Sie zum Beispiel...
Fritz Jacob: Ich habe mich aus Altersgründen zurückgezogen. Das ist eine schöne Aufgabe gewesen, aber sie sollte nicht zur Lebensaufgabe werden.
Frage: Ist von Ihren Pflanzvögten, wie Sie die Helfer genannt haben, keiner bereit, Ihren Job zu übernehmen?
Fritz Jacob: Denen geht es genau wie mir. Wir alle werden älter... Junge Leute lassen sich dafür leider nicht begeistern. Aber was hervorragend geklappt hat, das waren auch im Nachhinein die Pflanzaktionen in Phiesewarden und Blexen. Darüber habe mich sehr gefreut.
Frage: Haben Sie Erwartungen an die Stadt Nordenham?
Fritz Jacob: Wenn die Stadt jedes Jahr eine gewisse Summe zur Verfügung stellen würde und der Bauhof dafür weitere Narzissen pflanzt, dann wäre das eine schöne Sache. Im Stillen hatte ich auch gedacht, dass es so kommt. Allein auf private Bürgerinitiative geht das jedenfalls nicht. Höchstens in kleinen, überschaubaren Bereichen.
Frage: Welchen Zuspruch hat die Narzissen-Aktion erfahren? Werden Sie heute noch darauf angesprochen?
Fritz Jacob: Ja, immer wieder. Der Zuspruch war toll und ist es immer noch. Viele Leute sprechen mich auch jetzt noch darauf an und erzählen mir, wie super sie diese Idee fanden. Für einige bin ich so etwas wie ein Narzissenmensch.
Frage: Die Narzissenstadt Nordenham wäre doch auch ein schönes Motto für das Stadtmarketing...
Fritz Jacob: Ja, auf jeden Fall. Das war ja auch damals mein Gedanke. Dieser Punkt macht mich im Herzen ein bisschen traurig. Viele Vereine oder Institutionen hätten diese Idee besser aufgreifen können, um eine Gemeinsamkeit daraus zu machen. Wir waren ja keine auf sich selbst bezogene Narzissenpflanzgruppe, sondern wollten gemeinsam etwas für Nordenham erreichen. Ich habe mich schon geärgert, dass wir von Nordenham Marketing & Touristik keine Unterstützung bekommen haben. Von NMT wurde das überhaupt nicht aufgenommen. Es war so, als wenn die Narzissen gar nicht dagewesen wären. Zum Beispiel mit dem Autofrühling hätte sich das gut werbemäßig verbinden lassen. Frühling und Narzissen, das gehört doch zusammen.
Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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