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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Darauf einlassen, wie Jugend heute tickt“

07.10.2017
Frage: Herr Hildebrandt, viele Ausbildungsplätze bleiben bundesweit unbesetzt. Wie ist die Lage in der Region?
Hildebrandt: Unbesetzte Stellen gibt es auch in unserer Region. Es kommt natürlich generell auf die Attraktivität der Unternehmen und der Berufssparten an – und darauf, welche Stellen angeboten werden. Wer als Bewerber schon eine klare Vorstellung davon hat, was er einmal werden möchte, sucht sich gezielt die Branche aus, in der er arbeiten möchte. Dann gibt es aber auch diejenigen, die die Schule ohne einen Plan verlassen, sei es, weil es in der Schule zu wenig Berufsorientierung gab oder sie sich mit Eltern und Freunden zu wenig ausgetauscht haben. Diese Jugendlichen haben Probleme, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden. Und sie treten dann meist auch nicht so sicher auf, dass Unternehmen sagen: Wir nehmen Dich.
Frage: Häufig können sich Unternehmen ihre Bewerber aber gar nicht mehr aussuchen. Was müssen Betriebe bieten, um attraktiv zu sein?
Hildebrandt: Sie müssen sich darauf einlassen, wie Jugendliche heutzutage ticken. Das Thema Leistung und Gegenleistung ist ein wesentlicher Punkt. Gefragt sind fes­te Ansprechpartner, eine Zukunftsperspektive und Ausbildungsqualität. Dies müssen Betriebe sichtbar machen – wie in einer Art Schaufenster für potenzielle Azubis. Man sollte in die Ausbildung auch das eine oder andere interessante Projekt oder Weiterbildungsmöglichkeiten integrieren. Wenn Ausbilder sich persönlich kümmern und junge Leute auf einem erlebnisorientierten Lernweg begleiten, schafft das Neugier, Motivation und Leistungsbereitschaft. Wenn Azubis zufrieden sind und merken, dass man sich kümmert, sind sie leistungsorientiert.
Frage: Kann PIA auch einen Teil dazu beitragen?
Hildebrandt: Absolut. Beim Wettbewerb kommt eine große Ideensammlung heraus, und es gibt Möglichkeiten, diese Ideen in anderen Unternehmen umzusetzen. Gute Ausbildung gibt es natürlich auch ohne einen solchen Preis. Der Wettbewerb macht gute Ideen aber sichtbar und fördert sie. PIA zeigt übrigens auch, dass es gar nicht unbedingt viel Geld braucht, um junge Leute zu interessieren und dass viele Betriebsgrößen und Branchen vertreten sind. Eine Idee für gute Ausbildung muss gar nicht spektakulär sein, sondern kontinuierlich umgesetzt werden.
Frage: Jedes Jahr findet die große Berufsorientierungsmesse „job4u“ in Oldenburg statt. Wie war Ihr Eindruck in diesem Jahr?
Hildebrandt: Die Unternehmen waren sehr zufrieden. Viele Schulen integrieren die „job4u“ in ihre Berufsorientierung. Im Vordergrund steht der direkte Kontakt zwischen den Unternehmen und Schulabgängern. Mein Eindruck war, dass die Jugendlichen auf der Messe generell sehr gut vorbereitet waren, regional gibt es allerdings große Unterschiede. Bewerbungen sind nicht immer so, wie sich Unternehmen das vorstellen. Auch deswegen lohnt sich der Austausch auf der Messe.
Frage: Wie sollte eine gute Bewerbung denn aussehen?
Hildebrandt: Eine gute Bewerbung sollte nicht standardisiert aussehen, eine persönliche Note enthalten und fehlerfrei sein. Jeder Bewerber sollte sich also Gedanken darüber machen, welche persönlichen Merkmale er anführen kann – beispielsweise ein ehrenamtliches Engagement. Unternehmen sollten aber auch einen Blick riskieren, wenn eine Bewerbung zunächst vielleicht nicht exakt ihren Vorstellungen entspricht. Vielleicht steckt ja dahinter die Fachkraft von morgen.
Frage: Was kann in puncto Elternteilzeit und der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt getan werden?
Hildebrandt: Bei Flüchtlingen sind sowohl die Sprache als auch die persönliche Vermittlung entscheidend. Darum kümmert sich zum Beispiel die Oldenburger Initiative ProConnect. Es muss nicht immer eine Ausbildung sein. Ein Praktikum kann dabei helfen, die Sprache zu erlernen und herauszufinden, ob jemand zum Betrieb passt. In dem Moment, wo ein persönlicher Kontakt hergestellt ist, läuft es besser. Was Eltern- und Teilzeit betrifft, das haben wir auf der Agenda. Wir merken in Beratungen, dass diejenigen, die sich dafür interessieren, oft sehr organisiert und zielgerichtet sind.
Frage: Was tun Betriebe dafür, um dieses Potenzial auch zu nutzen?
Hildebrandt: Betriebe merken, dass die Suche nach Fachkräften schwieriger wird und versuchen verstärkt, auch eine Ausbildung oder Berufstätigkeit neben der Kindererziehung anzubieten – das wird auch bei einigen PIA-Bewerbungen deutlich. Dennoch gibt es einiges zu tun. Die Zielgruppe wurde erkannt.
Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042
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