Frau Hallmann-Rosenfeldt, vielen jungen Menschen fällt es heute nicht leicht, sich für einen beruflichen Weg zu entscheiden. Wie war das bei Ihnen damals?
Hallmann-RosenfeldtIch bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, so gesehen war ich dem ganzen Bereich der grünen Berufe schon früh verbunden. An meinem Gymnasium war auch der Schwerpunkt Ernährung möglich. Und dann habe ich noch diverse Praktika im In- und Ausland gemacht. Es folgte ein Studium der Ökotrophologie.
Das ist ja recht geradlinig...
Hallmann-RosenfeldtIm Prinzip schon; doch mein Arbeitsfeld ist nun seit Langem die berufliche Bildung, hier bei der Landwirtschaftskammer. Das zeigt auch: Man muss nicht immer haargenau auf dem einmal eingeschlagenen Weg bleiben, sondern kann auch nach links und rechts schauen, sich weiterentwickeln. Bei mir waren das Verbraucherthemen und nun Berufsbildung.
Die Landwirtschaftskammer verwaltet die Ausbildungsverträge für 14 Berufe – zusammengefasst als „grüne Berufe“. Gibt es auch da nach der Ausbildung Entwicklungsmöglichkeiten – das ist ja jungen Menschen wichtig, oder?
Hallmann-RosenfeldtAuf jeden Fall! Nach der Abschlussprüfung kann man zum Beispiel den Meister anpeilen, oder einen Abschluss als Betriebswirt oder auch noch ein Studium. Immer öfter nutzen unsere jungen Leute auch die Möglichkeiten, mal eine Zeit im Ausland zu verbringen. Es gibt zum Beispiel gute Kontakte über die Kammer nach Spanien.
Finden die grünen Berufe ausreichend Nachwuchs?
Hallmann-RosenfeldtIm Großen und Ganzen gilt: Ja, das ist so, die meisten Betriebe haben keine großen Probleme bei der Nachwuchssuche. Sie profitieren dabei von ihrem guten Ruf vor Ort. Die Ausbildungsinhalte, die ja auch nah an Natur und Umwelt angesiedelt sind, sind für junge Menschen offensichtlich attraktiv. Das belegen auch die Zahlen in anderen Bundesländern. Nach mehreren Jahren mit sogar steigenden Zahlen rechnen wir aktuell mit stabilen, eventuell leicht rückläufigen, Zahlen. Da im Markt noch viel Bewegung ist, nennen wir die genauen Zahlen aber erst etwas später.
Jugendliche orientieren sich nun für 2018/2019. Wo kann man sich über grüne Berufe informieren?
Hallmann-Rosenfeldt
Zum Beispiel über das Portal www.talente-gesucht.de Das wird eifrig genutzt. Dort stellen sich auch Betriebe vor. Wir bieten als Landwirtschaftskammer und www.lwk-niedersachsen.de und Beruf/Bildung auch eine Ausbildungsplatz-Landkarte. Auch freie Ausbildungsplätze können eingesehen werden.
Gibt es auch grüne Berufe, wo es schwierig ist, einen Ausbildungsplatz zu finden?
Hallmann-RosenfeldtJa, das ist zum Beispiel der Pferdewirt. Der ist immer sehr nachgefragt.
Und wo müssen sich Betriebe am meisten anstrengen, Bewerber zu finden?
Hallmann-RosenfeldtDas ist aktuell wohl der Ausbildungsberuf Tierwirt/in mit Spezialisierungen etwa für Schweine- oder Geflügelaufzucht und -haltung. Dort sind die Ausbildungszahlen deutlich gesunken.
Spürt die Landwirtschaft hier, dass die Öffentlichkeit kritischer wird?
Hallmann-RosenfeldtDas kann man nicht so generell sagen. Es ist ja so, dass der Ausbildungsberuf zum Landwirt sehr gefragt ist. Die Ausbildungszahlen in diesem breitgefächerten Agrarberuf sind auf hohem Niveau stabil. Interessant ist: Viele der angehenden Landwirte kommen von außerhalb des Agrarsektors. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind vielfältig, das gilt auch für die Weiterbildung. Übrigens gibt es in Zusammenarbeit mit beruflichen Gymnasien – auch etwa in Cloppenburg – auch die Option einer sogenannten Doppelqualifikation mit einer verkürzten Ausbildungszeit.
Zu den Berufen, die die Kammer betreut, zählt auch die Hauswirtschaft...
Hallmann-Rosenfeldt
Ja, und die Chancen dort werden leicht übersehen. Die Ausbildung ist sehr vielseitig. Man kann in verschiedensten Einrichtungen tätig werden und übernimmt häufig eine hohe Verantwortung, etwa im Hinblick auf gesunde Ernährung, Hygiene und Qualität. Interessierte Jugendliche beraten wir gern weiter, auch über die Chancen des beruflichen Aufstiegs. Wie auch in den übrigen Berufen empfehlen wir Praktika für eine erste Orientierung.
