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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Zufriedenheit in Ausbildung entscheidend“

20.09.2017
Frage: Die Zahl der neu eingetragenen Lehrverträge im Handwerk im Oldenburger Land ist in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Ist das eine Entwicklung, die Sie überrascht hat?
Henke: Ja, das hat mich schon positiv überrascht und auch gefreut. Wir hatten zum Stichtag 31. August ein Plus von rund 0,5 Prozent bei den neu eingetragenen Lehrverträgen. Das hat sicherlich damit zu tun, dass es im Handwerk zurzeit ziemlich gut läuft. Aber gerechnet hatte ich mit diesem Anstieg nicht unbedingt.
Frage: Warum nicht?
Henke: Es gibt zwei riesengroße Herausforderungen für das Handwerk. Das ist zum einen natürlich der demografische Wandel und zum anderen die Akademisierung. Wenn immer mehr junge Leute ein Studium anfangen, knapst das auch und vor allem am Handwerk. Ich kenne viele Betriebsinhaber, die würden liebend gern mehr Bewerbungen von motivierten Schulabgängern bekommen, aber sie kriegen einfach nicht so viele, wie sie bräuchten.
Frage: Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Henke: Ein grundsätzliches Problem ist es, dass es in der Bevölkerung nicht weit her ist mit der Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung. Da versuchen wir gerade, auf politischer Ebene etwas zu erreichen. Was wir schon erreicht haben, ist, dass man mit dem Meisterbrief studieren kann. Auch ein Berufsabitur gehen wir nun an, bei dem die duale Ausbildung durch Zusatzunterricht mit dem Abitur verbunden werden kann. Es gibt viele tolle Bildungswege. Das sagen wir auch immer wieder den Eltern. Ja, wir brauchen auch Akademiker. Aber es gibt zu viele, die ihr Studium abbrechen oder dieses für ihre spätere Erwerbstätigkeit gar nicht benötigen.
Frage: Wird denn in Sachen Berufsorientierung aus Ihrer Sicht genug getan?
Henke: Berufsorientierung ist extrem wichtig. Deshalb führen wir von der Handwerkskammer ja auch einen Tag der Ausbildung und einen Tag des Handwerks durch. Da kann man sich orientieren, Berufe angucken. Deshalb haben wir ja auch eine neue Kampagne „#einfachmachen“ gestartet, die die Jugendlichen dazu animieren soll, sich einfach mal auszuprobieren, Praktika zu machen. Irgendetwas zu probieren, ist nie ein Schritt zurück, sondern immer ein Schritt nach vorne.
Frage: Was können die Betriebe selbst tun?
Henke: Das große Thema ist die Qualität in der Ausbildung. Das Handwerk kann nur dann attraktiv für junge Leute sein, wenn die Qualität in der Ausbildung stimmt. Viele Betriebe sind da schon gut unterwegs, aber natürlich gibt es fast überall noch Verbesserungsbedarf. Deshalb freuen wir uns auch, dass die NWZ mit „PIA“ solch ein tolles Forum geschaffen hat, wo Unternehmen ihre guten Ideen präsentieren können und andere Unternehmen auch tolle Anregungen für ihre Ausbildung bekommen können.
Frage: Stichwort Attraktivität: In einigen Ausbildungsberufen im Handwerk werden monatlich 500 Euro oder weniger an Azubi-Vergütung gezahlt. Ist das nicht zu wenig?
Henke: Die Tarife werden von den Sozialpartnern ausgehandelt. Im zweiten und dritten Lehrjahr erhöhen sich die Vergütungen. Wir haben Umfragen gemacht und da ist es erstaunlich, dass es vielen in der Ausbildung nicht in erster Linie darum geht, wie viel Geld sie verdienen, sondern dass die Zufriedenheit im Ausbildungsberuf entscheidend ist. Die Jugendlichen wollen sich beweisen im Beruf, sie wollen ein gutes Miteinander im Betrieb, sie wollen Anerkennung für ihre Leistung. Und wichtig ist auch, dass sich die Betriebe auf die neuen Jugendlichen einstellen müssen.
Frage: Inwiefern?
Henke: Die handwerkliche Ausbildung ist die Basis, die alle Betriebe beherrschen. Unterstützung und Beratung geben wir als Kammer beim Umgang mit den Jugendlichen. Das ist immer wichtiger geworden. Die Schulabgänger kommen nämlich mit einem anderen praktischen Wissensstand als früher in die Ausbildung. Zum Beispiel haben viele junge Leute heutzutage in ihrem Leben noch nie ein Fahrrad repariert. Dafür haben sie in anderen Bereichen Qualitäten. Die gilt es zu fördern.
Frage: Wenn Sie einen Wunsch an die Politik frei hätten in Sachen Ausbildung, was würden Sie sich wünschen?
Henke: Einer ist in der vergangenen Woche erfüllt worden. Mit der Niedersächsischen Meisterprämie in Höhe von 4000 Euro für jeden, der in Niedersachsen wohnt oder arbeitet und seine handwerkliche Meisterprüfung besteht, hat Wirtschaftsminister Lies die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung sinnvoll vorangetrieben. Ein anderer Wunsch betrifft die Unterrichtsversorgung an berufsbildenden Schulen, da brauchen wir zügig und nachhaltig eine deutliche Verbesserung. Es ist schon völlig unverständlich, dass schon die allgemeinbildenden Schulen keine gute Unterrichtsversorgung haben, aber bei den berufsbildenden Schulen liegen wir mit 85 bis 88 Prozent noch weit dahinter. Das sagen wir der Bildungsministerin hier in Niedersachsen schon seit Jahren, dass es nicht sein kann, was hier in Sachen Unterrichtsversorgung an berufsbildenden Schulen passiert. Aber leider bewegt sich hier nichts.
Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041
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