Herr Mundt, Aldi hat Anfang Mai den Milchpreis angehoben. Schlagartig sind andere große Lebensmittelhändler diesem Schritt gefolgt. Beunruhigt sie das?
MundtGerade bei Preiseinstiegsprodukten fungieren einzelne Discounter als Preissetzer. Wenn einer die Preise anhebt, dann sagen sich alle anderen, das kann ich auch. Aber diese Form des gegenseitigen Beobachtens und Nachahmens ist für sich genommen nicht verboten. Wichtig ist, dass die Preise im Wettbewerb zustande kommen und nicht durch Absprachen.
Das Kartellamt kann stark steigende Preise nicht verhindern?
MundtWir sind nicht dafür da, auf Knopfdruck die Preise zu senken. Unsere Aufgabe ist es, den Wettbewerb zu schützen. Unter wettbewerblichen Marktbedingungen können die Preise zwar auch nach oben gehen, aber eben nur soweit, wie sie es wirklich müssen, zum Beispiel aufgrund von höheren Rohstoffpreisen oder Knappheitssignalen des Marktes oder steigender Nachfrage.
Ist eigentlich das Bild richtig, dass mächtige Handelsriesen in Verhandlungsrunden des Einzelhandels vielen kleinen Lieferanten gegenüberstehen?
MundtDas stimmt teilweise. Wir haben vier Unternehmen im Lebensmittel-Einzelhandel mit 85 Prozent Marktanteil. Den Markenherstellern stehen im Grunde genommen vor allem zwei große Nachfrager, nämlich die Edeka und die Rewe, die zusammengenommen etwa 50 bis 60 Prozent Marktanteil besitzen, gegenüber. Auf Herstellerseite ist das Bild sehr heterogen. Unter den etwa 6000 Herstellern in Deutschland gibt es natürlich auch sehr große Unternehmen und sogenannte „Must-have“.
Bei bestimmten Produkten gibt es nur wenige Lieferanten.
MundtEs gibt zum Teil wechselseitige Abhängigkeiten. Edeka ohne Nutella ist nicht vorstellbar. Und der Nutella-Hersteller Ferrero kann sich wahrscheinlich auch schwer vorstellen, nicht bei Edeka zu verkaufen. Bei einem kleinen Wursthersteller hingegen kann sich der eine oder andere Handelsriese aber wohl schon vorstellen, ohne dessen Wurst oder Schinken auszukommen. Das ist wahrscheinlich eine andere Handelsbeziehung. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Potenziale für Machtausübung gibt es aber in verschiedenen Verhandlungssituationen.
