• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Qualität der Ausbildung pflegen

22.09.2015
Frage: Frau Jürgensen, der Trend der Vorjahre am Ausbildungsmarkt hat sich auch 2015 fortgesetzt: Weniger Jugendliche suchen einen Ausbildungsplatz, viele Betriebe suchen zugleich händeringend Bewerber. Da könnte man sich als Gewerkschafterin entspannt zurücklehnen, oder?
Jürgensen: Na ja, die Realität sieht schon noch etwas anders aus! Tatsächlich können längst nicht alle Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz vermittelt werden. Das bleibt eine große Herausforderung – in diversen anderen Regionen aber viel eher als im Nordwesten. Letztlich gibt es in Deutschland noch immer nicht genügend Ausbildungsplätze. Zugleich klagen die Betriebe über Fachkräftemangel. Das passt nicht.
Frage: Manche Ausbildungsplätze bleiben aber unbesetzt.
Jürgensen: Ausbildungsplatzangebot und Bewerber/innen passen nicht immer überein. Das kann auch ein Hinweis darauf sein, dass in manchem Branchen und Betrieben nicht optimal ausgebildet wird.
Frage: Wie meinen Sie das?
Jürgensen: Die Verhältnisse, die Jugendliche in ihrem Betrieb vorfinden, oder mangelnde Perspektiven für die Zeit nach der Ausbildung, das spricht sich heutzutage schnell herum. Darunter leiden ganze Branchen, wie aktuell etwa Hotels und Gastronomie, Maler oder auch Zahnmedizinische Fachangestellte. Dann bleiben Ausbildungsplätze frei. Das kann aber nicht das Ziel sein.
Frage: Zahlreiche Jugendliche drehen nach der Schule weitere Runden in Qualifizierungsmaßnahmen. Ist das schon optimiert?
Jürgensen: In den Zeiten des Ausbildungsplatzmangels waren diese Übergangssysteme wichtig. Heute geht es darum, diese Jugendliche jetzt in Ausbildung zu bringen – die Wirtschaft benötigt die Jugendlichen. Trotzdem muss es ein Angebot geben, wenn Jugendliche im fachlichen oder persönlichen Bereich Förderung benötigen.
Frage: Sie sprachen Defizite in der Ausbildung an. Wo hapert es häufig?
Jürgensen: Das hat gerade wieder eine groß angelegte Studie des DGB aufgezeigt. Demnach hat zum Beispiel jeder dritte Auszubildende keinen Ausbildungsplan. Das geht doch nicht! Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist ein Erfolgsmodell, die ganze Welt beneidet uns darum. Aber man muss die Qualität des Systems auch behutsam pflegen, ständig verbessern. Dazu gehört auch die systematische Qualifizierung der Ausbilder.
Frage: Mal umgekehrt: Wo sollten Betriebe ansetzen, die ihr Bild bei Schülern, Eltern, usw. verbessern wollen?
Jürgensen: Sie sollten bei der Qualität und Attraktivität ansetzen. Das fängt also bei Selbstverständlichkeiten wie einem Ausbildungsplan an und reicht bis zu interessanten Projekten für die Azubis. Das wird sich mit der Zeit herumsprechen. Es wird übrigens auch bekannt durch Artikel in der NWZ-Aktion Preis für Innovative Ausbildung, kurz PIA. Wenn man das liest, merkt man, wie intensiv Betriebe der Region an ihrer Attraktivität in der Ausbildung arbeiten.
Frage: Was ist Jugendlichen in der Ausbildung wohl besonders wichtig?
Jürgensen: Auf jeden Fall gehört dazu, dass man eine Perspektive für sich entwickeln kann, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich im Betrieb und mit weiteren Bildungsbausteinen auftun – wie es also weitergeht nach einer Ausbildung. Die Aussicht auf eine nur befristete Übernahme oder keinerlei Angaben dazu sind übrigens wenig vertrauensfördernd...
Frage: Mancher Ausbildungsplatz bleibt auch frei, weil niemand den Beruf kennt. Reicht die Berufsorientierung für Schüler eigentlich?
Jürgensen: Vieles hat sich verbessert. Aber es kann noch mehr getan werden. Das zeigt sich auch daran, dass eine ganze Reihe von Berufen als „typisch männlich“ gelten. Warum sollen Frauen nicht Kfz-Mechatroniker werden? Generell sind viele Berufe auch zu wenig bekannt. Das Interesse konzentriert sich auf einige wenige.
Frage: Nochmals zurück zu denen, die – gerade auch in dieser Jahresphase – noch keinen Ausbildungsplatz im Wunschberuf gefunden haben.
Jürgensen: Beim Umgang mit diesen Jugendlichen ist wichtig, dass man sie nicht auf einen neuen Weg zwingt. Unsere DGB-Studie hat gezeigt, dass Jugendliche, die in ihrem Wunschberuf tätig werden konnten, deutlich zufriedener sind als andere. Zugleich gibt es bei eventuellen Notlösungen höhere Abbrecherquoten, und die Qualität der Ausbildung wird als schlechter empfunden. Also: Bei dem Engagement für Jugendliche, die noch nicht untergekommen sind, sollte man unbedingt den ursprünglichen Berufswunsch nicht ganz außer Acht lassen – und erst einmal im weiteren Umfeld nach Möglichkeiten suchen.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

Weitere Nachrichten:

DGB | NWZ

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.