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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Qualität der Ausbildung spricht sich schnell herum

09.07.2016
Frage: Herr Henke, wie stellt sich die Ausbildungsplatzsituation im oldenburgischen Handwerk aktuell dar?
Henke: Ganz gut. Die Zahlen sprechen für eine verstärkte Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und mehr Interesse an einer guten Berufsausbildung im Handwerk. Bis Ende Juni wurden sechs Prozent mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als vor einem Jahr. Es besteht auch die Hoffnung, dass sich der günstige Trend bis Ende des Jahres fortsetzt.
Frage: Was könnte dahinter stecken?
Henke: Vielleicht ist es tatsächlich gelungen, mehr junge Menschen für eine Ausbildung in unseren vielen Berufen zu motivieren, über viele Maßnahmen bis hin zur großen Imagekampagne des deutschen Handwerks. Und man merkt es ja auch im Alltag: Handwerker sind gesuchte Leute.
Frage: Aber grundlegende gesellschaftliche Trends bleiben unverändert ungünstig, oder?
Henke: Ja, das ist so. Dazu zählen etwa die demografiebedingt zahlenmäßig immer schwächeren Jahrgänge und der Trend zur Akademisierung. Es gibt jetzt mehr junge Leute unter den Schulabsolventen, die ins Studium gehen, als in eine Berufsausbildung. Das ist nicht sinnvoll, aber Fakt. Man kann aus Sicht der Betriebe also keine Entwarnung geben. Diese müssen sehen, wie sie sich aufstellen – im Hinblick auf Gruppen, in denen sie für sich werben wollen. Das können zum Beispiel Studienabbrecher sein. Die Handwerkskammer ist gerade dabei, entsprechende Kontakte zur Universität Oldenburg mit dem Ziel einer gewissen Präsenz dort aufzubauen.
Frage: Welche Gruppen sind sonst noch interessant?
Henke: Viele. Nehmen wir nur die Gymnasiasten, von denen viele kaum konkrete Vorstellungen vom Berufsleben haben und ein Studium oft abbrechen. Wir wollen uns stärker bei der Berufsorientierung engagieren und sind offen für Kooperationen mit Schulen. Eine weitere wichtige Zielgruppe sind junge Frauen. Sie sind willkommen, die Bedingungen sind gut, auch in bisher von Männern dominierten Berufen. Auch Frauen und Männern, die schon ein paar Jahre älter sind, sollte man eine Chance geben.
Frage: Was ist mit den Flüchtlingen?
Henke: Bei dem Thema engagieren wir uns als Kammer sehr stark, wie auch bereits diverse Betriebe. Im Projekt Ihafa etwa steht die Berufsorientierung junger Flüchtlinge im Mittelpunkt. Wir zeigen ihnen also Wege für eine berufliche Laufbahn auf. Von zentraler Bedeutung sind natürlich die Sprachkenntnisse. Wir sind da guter Hoffnung. Zahlenmäßig sind geeignete Flüchtlinge aber bisher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Frage: Es gibt ja Handwerksbetriebe, die haben kein Nachwuchsproblem. Was läuft bei denen auffällig gut?
Henke: Unternehmen müssen sich heutzutage Gedanken darüber machen, wie sie mit Jugendlichen umgehen – und ob das reicht. Man muss die jungen Leute intensiv wahrnehmen, ihre Talente sehen, sie fördern und ihnen Feedback geben. Manche Betriebe verschenken heutzutage Führerscheine oder Computer – aber das reicht für sich genommen nicht. Man muss gut strukturiert sein. Wir von der HWK bieten dazu Hilfe an in Form von Beratungen und Schulungen.
Frage: Aber wenn man das macht – dann wird das ja noch nicht automatisch bekannt.
Henke: Ob ein Betrieb bei Jugendlichen gut dasteht oder nicht – das verbreitet sich in Windeseile, schon in der ersten Woche einer Ausbildung. Die Azubis sind die besten Botschafter, und sie sind alle vernetzt. Die Betriebe können aber an ihrer Außendarstellung arbeiten. Betriebe, die gute Ideen entwickelt haben, können sich zum Beispiel beim „Preis für Innovative Ausbildung“ (PIA) bewerben. Das hat erhebliche Außenwirkung, etwa auch auf Eltern oder Bekannte, die ja bei der Berufs- und Betriebswahl auch sehr wichtig sind.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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