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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Mit allen Mitteln zur Rechenschaft ziehen

12.09.2018
Frage: Herr Bürgermeister Seyfarth, vor einigen Wochen kursierten fremdenfeindliche Aufkleber in der Stadt, jetzt hat es einen Farbanschlag auf eine Moschee gegeben. Die braune Welle scheint Nordenham erreicht zu haben...
Carsten Seyfarth: Das ist ein provokanter Einstieg in das Interview. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir hier in Nordenham keine harte rechtsradikale Szene haben. Gleichwohl verurteile ich natürlich die Aktion aufs Schärfste. Ich wünsche mir, dass die Täter, die aus welchen Motiven auch immer gehandelt haben, zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden.
Frage: Besteht ein Zusammenhang zwischen den rechtsradikalen Aufklebern und dem Vorfall bei der Moschee?
Carsten Seyfarth: Im Augenblick ist das Spekulation. Das müssen die Ermittlungen der Polizei zeigen. Für das eine wie für das andere kann ich nur sagen, dass ich diese Taten abscheulich finde. Offenbar ist es so, dass diese Menschen Hass und Zwietracht in unsere Stadt bringen wollen. Ich bin aber davon überzeugt, dass ihnen das nicht gelingen wird.
Frage: Es gibt Leute, die von einem Dummejungenstreich sprechen...
Carsten Seyfarth: Das ist es mit Sicherheit nicht. Wer ein Gotteshaus mit dem Spruch „Moschee, nein Danke!“ besprüht, wer das Gebäude mit Blut oder roter Farbe schmiert und es mit Schweinefleisch bewirft, begeht ganz bestimmt keinen Dummejungenstreich. Diese Leute gehören mit allen Mitteln, die dem Staat zur Verfügung stehen, zur Verantwortung gezogen. Ob es Trittbrettfahrer sind oder Täter, die aus tiefer Überzeugung und Hass gehandelt haben – das ist in keiner Weise zu akzeptieren. Die müssen einen ganz deutlichen Warnschuss bekommen.
Frage: Sehen Sie die Gefahr, dass die Lage weiter eskaliert?
Carsten Seyfarth: Es scheinen sich aufgrund der aufgeheizten politischen Stimmung in unserem Land immer mehr Leute aus ihren Löchern zu trauen, die lange Zeit still gewesen sind. Ob das alles Rechtsradikale sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Einige wollen vielleicht auch nur ihr Mütchen abkühlen. Solche Leute haben keinen Platz in unserer Stadt. Denen müssen wir entschieden entgegentreten.
Frage: Im sozialdemokratisch geprägten Nordenham haben Rechte es bisher schwer gehabt, Fuß zu fassen. Warum ist das auf einmal anders?
Carsten Seyfarth: Wie schon gesagt, bin ich davon überzeugt, dass es in Nordenham keinen harten rechtsradikalen Kern gibt. Ob es eine rechte Szene gibt und ob es Leute gibt, die aus schierer Dummheit etwas nachplappern und sich an etwas heran hängen, kann ich nicht beurteilen. Das ist mir im Endeffekt aber auch egal. Es kann schlichtweg nicht angehen, dass hier in Nordenham Menschen, mit denen wir über Jahre und Jahrzehnte hinweg in Frieden zusammengelebt haben, beschimpft werden und ihr Gotteshaus geschändet wird. Den dafür Verantwortlichen werden wir die rote Karte zeigen. Sie haben eindeutig die Grenzen überschritten.
Frage: Müssen ausländische Mitbürger jetzt in Angst leben?
Carsten Seyfarth: Ich gehe weiter davon aus, dass für Angst kein Anlass besteht. Allerdings kann ich schon nachvollziehen, dass einige Mitbürger sich nach diesen Vorfällen darüber Sorgen machen, was womöglich als nächstes kommt. Ich werde der islamischen Gemeinde ganz offen meine Solidarität bekunden und am Freitag die Moschee besuchen.
Frage: Wie lässt sich der bedrohliche Trend stoppen?
Carsten Seyfarth: In unserem Land spielen ganz offensichtlich einige Leute mit dem Feuer. Auch die AfD, die sich völlig ungeniert mit Teilen von Pegida oder irgendwelchen anderen braunen Organisationen zusammengetan hat. Rechts zu sein und gegen den Islam zu sein, scheint salonfähig geworden zu sein. Da kann man nur klare Kante zeigen und sagen: Mit uns nicht! Es gibt da auch nichts zu relativieren. Man kann sich streiten und unterschiedliche Ansichten haben. Aber solche Formen der Auseinandersetzung, die wir jetzt erleben, sind absolut nicht hinnehmbar. So etwas hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht vorstellen können.
Frage: Was kann die Stadt Nordenham dagegen unternehmen?
Carsten Seyfarth: Zum Beispiel werden wir in der nächsten Sitzung unseres Präventionsrates im Oktober ganz gezielt das Thema rechte Tendenzen zur Sprache bringen. Auf dieser Grundlage werden wir überlegen, ob und wie wir als Stadt Nordenham handeln müssen.
Frage: Welche Handlungsmöglichkeiten sehen Sie?
Carsten Seyfarth: Zunächst einmal ist es wichtig, dass alle demokratischen Kräfte in der Gesellschaft sagen, wir dulden so etwas nicht in unserer Stadt. Wir müssen ein klares Signal setzen: Bis hier hin und nicht weiter! Grundsätzlich bin ich noch immer noch davon überzeugt, dass der Dialog und das gegenseitige Kennenlernen entscheidend sind. Am 3. Oktober ist wieder der Tag der offenen Moschee. Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Nordenhamer dahin gehen und sich informieren. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es eine ganze Menge bringt, wenn man miteinander redet.
Norbert Hartfil
Redaktionsleitung Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2201

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