LVM ist ein bundesweit tätiger Versicherer und wächst. Sehen Sie auch im Oldenburger Land und Ostfriesland weiteres Potenzial?
KleukerJa, auch hier wollen wir expandieren und – wie bundesweit – wachsen und so Marktanteile gewinnen. Der Nordwesten ist für uns eine interessante Region. Speziell im ländlichen Raum sind wir bereits gut vertreten.
Sie treten gegen starke regionale Platzhirsche an. Was kann LVM besser?
WilminkWir haben zum Beispiel ein dichtes Netz von Vertrauensleuten. Die kann man auch außerhalb starrer Öffnungszeiten ansprechen. Bei ihnen geht es nicht ausschließlich um Vertrieb.
Im Großen und Ganzen sind die Märkte gesättigt. Wo sind Wachstumschancen?
WilminkDort, wo wir besonders stark sind – in der Sachversicherung, der Altersvorsorge und bei kleinen und mittleren Gewerbebetrieben.
Kann man angesichts der niedrigeren Renditen noch die klassische Rentenversicherung empfehlen?
WilminkGanz klar! Dieses Produkt bietet weiterhin eine verlässliche Altersvorsorge. Und es es eignet sich für große Bevölkerungskreise, die sich nicht jeden Tag selbst mit den Kapitalmärkten befassen wollen oder können.
In 2013 gab es des Öfteren Schlagzeilen um schwere Schäden durch Hagel, Sturm, Feuer oder Überschwemmungen. War auch LVM betroffen?
KleukerJa, 2013 war das schadenträchtigste Jahr überhaupt für unseren Versicherungsverein, vor allem im Bereich Wohngebäude und Kasko, durch massive Flut- und Hagelschäden. Insgesamt kamen 125 Millionen Euro zusammen. Aber eine solche Häufung bietet ja auch die Chance, die eigene Leistungsfähigkeit mit einer unbürokratischen Regulierung unter Beweis zu stellen.
Müssen wir uns auf mehr Unwetter einstellen?
KleukerJa, das sieht so aus. Die Modelle deuten auf eine zunehmende Wiederkehrfrequenz hin. Witterungsphänomene, die bisher die Ausnahme waren, könnten mehr und mehr zur Regel werden.
Steigen die Beiträge?
KleukerDas gilt unter diesem Szenario wohl für alle Versicherer. Aber dem stehen ja auch erhebliche Leistungen im Fall der Fälle gegenüber, wie 2013 gezeigt hat!
Auch die Autoversicherung ist für LVM wichtig. Aber damit kann man kein Geld verdienen, oder?
KleukerIn diesem Bereich tobt heftigster Wettbewerb, im Prinzip schon seit der Deregulierung 1995. Die Branche insgesamt hat hier jahrelang Verluste eingefahren. 2013 sollte für die Branche die Wende bringen. Doch jetzt setzen alle auf 2014.
Stellen Sie sich eigentlich angesichts des demografischen Wandels und veränderter Verhaltensmuster auf weniger Geschäft in der Autoversicherung ein?
KleukerDieses veränderte Verhaltensmuster trifft in erster Linie die größeren Städte. Dort verliert das Auto als Statussymbol offenbar an Gewicht. Mittelfristig könnten mehr Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und/oder Car-Sharing nutzen.
Mancher wartet auf Tarife, die stärker individualisiert sind. Das könnte doch die Telematik – die Auswertung von Daten aus dem aufgezeichneten Fahrverhalten – ermöglichen. Kommt das?
WilminkDas ist ein wichtiges Thema für die Branche. In England wird es bereits praktiziert. Allerdings: In Deutschland haben wir schon jetzt extrem ausdifferenzierte Tarife, nach Alter, Kilometerleistung oder Dauer der Schadenfreiheit.
Keine Begeisterung?
KleukerMan muss sich fragen, ob sich der hohe Aufwand für eine relativ geringe Zunahme bei den Unterscheidungsmöglichkeiten der Kunden letztlich lohnt. Der Nutzen ist begrenzt. Wir sehen das eher zurückhaltend und glauben nicht, dass hier etwas in Gang gekommen ist, das nennenswerten Erfolg haben wird. Anders als bei der Neuerung E-Call.
Warum?
WilminkHier geht es um einen echten Vorteil für alle Beteiligten. Nach Unfällen wird automatisch ein Notruf gesendet – auch, wenn der Fahrer selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.
