Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit. War das schon immer so?

EichlerEs ist ganz klar so, dass die Beschwerden zunehmen. Ein Grund dafür ist sicher, dass die Gesellschaft insgesamt älter wird. Aber es gibt auch Ursachen für die Rückenschmerzen, die mit dem Alter nichts zu tun haben – Übergewicht, Bewegungsmangel oder psychische Belastung, am Arbeitsplatz zum Beispiel. Es gibt Untersuchungen, wonach selbst bei den ganz Jungen unter 25 rund drei Viertel schon einmal in ihrem Leben Rückenschmerzen hatten. Und gerade da stehen dann solche Ursachen ganz klar im Vordergrund.

Die Rückenschmerzen sind also eine Art Alarmsignal für andere Probleme?

EichlerDas kann man so sagen. Bei 80, 85 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen finden wir kein direktes Korrelat. Es gibt also nichts, was man auf einem Röntgenbild sehen könnte, einen Bandscheibenvorfall zum Beispiel. Stattdessen haben die Patienten das, was wir unspezifische Rückenschmerzen nennen, mit anderen Ursachen oder Auslösern. Und die muss man dann natürlich erst einmal finden.

Geht das überhaupt?

EichlerIn einem ausführlichen Gespräch lässt sich das schon herausfinden – man muss sich aber die Zeit dafür nehmen. Eine der möglichen Fragen wäre, wie sich der Schmerz in Ruhephasen wie zum Beispiel in einem Urlaub verhält. Oft ist er da weg. Echte chronische Rückenschmerzen sind nach wie vor eher selten.

Wie lassen sich die Schmerzen denn bekämpfen, wenn die Ursache nicht im Rücken selbst liegt?

EichlerDie klassische Krankengymnastik ist ein wesentlicher Bestandteil der ersten Therapieschritte. Weitere Formen sind Muskelaufbau-Training, Wärme- oder Kältetherapie und so weiter, gefolgt von ergänzenden Maßnahmen wie zum Beispiel Akupunktur. Damit lässt sich der Schmerz durchaus bekämpfen, auch langfristig. Im Idealfall kommt noch eine Ernährungsumstellung mit Reduktion eines möglichen Übergewichts hinzu, oder der Patient hört zum Beispiel mit dem Rauchen auf. Denn auch das kann ein Auslöser sein.

Sind Medikamente bei Rückenschmerzen grundsätzlich falsch?

EichlerNein. Im Akutfall ist es richtig, Schmerzmittel zu nehmen, und oft müssen Betroffene auch nicht sofort zum Arzt. Denn es kann eben gut sein, dass der Schmerz ohne Probleme oder Folgen vorbeigeht. Wenn sich der Schmerz verselbstständigt oder nicht auf Therapien anspricht, wenn er also länger bleibt - und da reden wir von Wochen, nicht von Tagen -, spätestens dann sollten Patienten den Arzt aufsuchen.