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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Cloppenburger Neurologe spricht über Ursachen und Behandlungen

27.10.2018
Frage: Herr Dr. Pfeiffer, am kommenden Montag, 29. Oktober, ist Welt-Schlaganfall-Tag. Wie wichtig ist ein solcher Aktionstag, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen?
Dr. Andreas Pfeiffer: Jeder Tag mit Aufklärung ist wichtig. Aber an diesem Tag schauen viele Laien immer mal näher hin und lesen zu diesem Thema in ihrer Tageszeitung.
Frage: Was passiert beim Schlaganfall im Kopf bzw. im Gehirn des Betroffenen?
Dr. Pfeiffer: Durch ein Gerinnsel oder eine Verengung der Gefäßwand wird ein Gefäß, das zum Gehirn führt oder direkt im Gehirn liegt, nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. So kommt es zu geringen oder auch massiven Ausfallserscheinungen.
Frage: Wie kann man einem Schlaganfall vorbeugen?
Dr. Andreas Pfeiffer BILD: Privat

Gründer der ersten Schlaganfall-Spezialstation:

Dr. med. Andreas Pfeiffer leitet die Neurologische Funktionsabteilung im Cloppenburger St. Josef-Hospital. Diese ist 2017 gegründet worden, um Bürgern im Landkreis einen Zugang zu neurologischem Wissen zu ermöglichen.

Der Neurologe gründete 1997 die erste Schlaganfall-Spezialstation im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg („Stroke Unit“) und trug zur überregionalen Entwicklung dieser „Stroke Unit“ maßgeblich bei.

Seit 35 Jahren ist Dr. Pfeiffer, Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallhilfe, mit der Schlaganfallbehandlung vertraut.

Dr. Pfeiffer: Einmal im Jahr sollte man zum Hausarzt gehen und Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, abklären lassen. Zudem sollte man sich darin üben, einen unregelmäßigen Herzschlag zu erkennen. Dann muss der Hausarzt eine Langzeit-EKG-Untersuchung veranlassen. Dies ist wichtig, weil viele Schlaganfälle durch Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.
Frage: Woran kann ein Laie einen Schlaganfall erkennen? Gibt es eindeutige Symptome?
Dr. Pfeiffer: Jedes plötzliche Defizit ist verdächtig. Zum Beispiel kann der Betroffene über Sehstörungen klagen, eine Sprachstörung oder einseitige Ungeschicklichkeit der Hand aufweisen oder an Drehschwindel leiden. Diese Defizite dauern manchmal nur ein bis zwei Minuten, sind aber ein wichtiges Alarmsymptom für einen drohenden Schlaganfall.
Frage: Wie reagiert man beim Verdacht auf einen Schlaganfall richtig?
Dr. Pfeiffer: In diesem Fall sollte man sofort die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses aufsuchen oder den Rettungsdienst anrufen.
Frage: Welche Rolle spielt der Zeitraum vom Auftreten der ersten Symptome und dem Einsetzen der Therapie?
Dr. Pfeiffer: Das sogenannte „Therapie-Fenster“ ist vier bis fünf Stunden offen, um eine Therapie durchzuführen. Auch bei nur kurz andauernden Ausfallserscheinungen sollte man nicht auf den Hausarzttermin warten, sondern sofort handeln.
Frage: Welche Sofortmaßnahmen werden in der Klinik ergriffen? Und wie gestaltet sich die Therapie im Verlauf?
Dr. Pfeiffer: In der Klinik wird eine körperliche Untersuchung und Befragung durchgeführt, danach eine Computertomographie des Kopfes und auch eine Ultraschalluntersuchung der Schlagadern. Bei anhaltenden Ausfallserscheinungen wird ein gerinnselauflösendes Medikament per Infusion verabreicht. Manchmal ist ein Hirngefäß komplett verschlossen. Dann wird sofort geprüft, ob man das Gerinnsel mit einem Katheter herausziehen kann. Das ist eine Methode, die heute ohne größeres Risiko an großen Schlaganfallzentren zu jeder Tages- und Nachtzeit durchgeführt wird. Hier in Cloppenburg verlegen wir die Patienten dafür innerhalb von 30 Minuten ins Evangelische Krankenhaus Oldenburg.
Frage: Welche Vorteile bietet die „Stroke Unit“ in Oldenburg?
Dr. Pfeiffer: Eine Schlaganfallspezialstation oder „Stroke Unit“ ist deshalb wichtig, weil hier das Therapieteam eingespielt ist und dadurch schnell arbeitet. Zudem wird der Schlaganfallpatient mindestens 24 Stunden am Monitor überwacht und alle vier bis sechs Stunden ärztlich untersucht. Bei jeder Verschlechterung ist immer sofort ein Arzt zur Stelle.
Frage: Mit welchen Folgen muss man nach einem Schlaganfall rechnen?
Dr. Pfeiffer: Wenn man zu spät handelt oder wenn der Schlaganfall zu schwer war, können halbseitige Lähmungen oder Sprachstörungen zurückbleiben.
Frage: Worauf ist bei der Rehabilitation eines Schlaganfall-Patienten zu achten?
Dr. Pfeiffer: Wichtig ist, dass individuell ein Programm erstellt wird, um die Hirnleistung des Patienten zu fördern und das Gehirn anzuregen, sich wieder zu regenerieren. Ohne Training und Anleitung „von außen“ könnte das Gehirn seine Plastizität, das heißt seine Selbstheilungskräfte, gar nicht nutzen.
Frage: Wie lange nach einem Schlaganfall können sich Störungen zurückbilden?
Dr. Pfeiffer: Die ersten Erfolge stellen sich bald ein, dann verläuft die Kurve flacher, aber noch nach einem Jahr können sich zum Beispiel Sprachstörungen noch bessern, wenn der Betroffene logopädisch behandelt wird.
Gloria Balthazaar
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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