Frau Hößle, was muss man sich denn unter einem „Schülerlabor“ vorstellen?
HößleIn der Biologiedidaktik haben wir ein Schülerlabor im Botanischen Garten in Oldenburg; das ist die Grüne Schule, dann haben wir die Sinneschule – wo Schüler Experimente zu den menschlichen Sinnen durchführen können, und wir haben ein Chemielabor in Wechloy, wo Grundschüler Versuche zur Chemie durchführen können. Dann haben wir noch eines in der Informatik, in der Physik und eines in der Technik. Das ganze findet im Verbund „OLeLa“ – Oldenburger-Lehr-Lern-Labore – statt. Wir Fachdidaktiker haben uns zusammengeschlossen und mit Hilfe von Fördermitteln diese Schülerlabore eingerichtet. In der Grünen Schule erwarten wir 2000 Schüler pro Jahr.
Was passiert in diesen Einrichtungen?
HößleStudenten lehren und lernen dort gemeinsam mit Schülern. Die Studenten werden später als Lehrer in den Naturwissenschaften arbeiten und sollen sich auf diese Weise auf ihre Lehrerrolle vorbereiten.
Warum ist der frühe Kontakt zu den Schülern für die Lehramtsstudenten wichtig?
HößleEs ist wichtig, frühzeitig Lernprozesse zu diagnostizieren und zu sehen, mit welchen Aufgaben Schüler Schwierigkeiten haben: zum Beispiel Hypothesen zu bilden und diese selbstständig durch die Planung und Umsetzung von Experimenten zu prüfen.
Und sie sehen auch, welche Vorstellungen Schüler mitbringen. Diese Praxis ist ein ganz wichtiger Aspekt im Studium, das haben auch unsere Untersuchungen und Umfragen unter den Studenten ergeben. Eine Masterarbeit in der Grünen Schule hat ergeben, dass das Spektrum der Studenten enorm erweitert wird. Die Sinnesschule hat auch noch Termine frei, Klassen können sich gerne anmelden.
Prof. Dr. Corinna Hößle ist Biologie-Didaktikerin an der Universität Oldenburg und leitet zwei „Schülerlabore“, bei denen Lehramtsstudenten der Naturwissenschaften Schüler unterrichten, um einen frühen Kontakt zur Praxis zu bekommen.
