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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Schülerinnen und Schüler in die Betriebe einladen

23.09.2016
Frage: Herr Lehmann, das Thema Nachwuchssicherung ist auf der Dringlichkeitsliste vieler Betriebe in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben geklettert. Kommt jetzt allmählich Entwarnung?
Lehmann: Im Gegenteil – von Entspannung bei der Besetzung der Ausbildungsplätze kann keine Rede sein. Dazu trägt bei, dass immer größere Anteile der – tendenziell kleiner werdenden – Schulabsolventen-Jahrgänge eher ins Studium als in die duale Ausbildung streben. Auf der vergleichsweise günstigen demografischen Lage im Oldenburger Land können wir uns nicht mehr ausruhen.
Frage: Der Wettbewerb um junge Leute wird heftiger. Haben da kleine Unternehmen überhaupt eine Chance?
Lehmann: Generell stimmt es, dass es größere Unternehmen aufgrund ihres Bekanntheitsgrades leichte Wettbewerbsvorteile haben. Demgegenüber können aber kleine Betriebe spezielle Vorteile und Rahmenbedingungen bieten, beispielsweise das besonders positive Betriebsklima und die persönliche Betreuung. Wichtig ist, für Jugendliche attraktiv zu sein und dies in der Region bekannt zu machen, auch mithilfe der eigenen Auszubildenden.
Frage: Viele Firmen sind bisher schwach im Azubi-Marketing. Wenn man mehr tun will – wo sollte man ansetzen?
Lehmann: Am Anfang sollte immer eine gute Ausbildung stehen. Hierzu sind verstärkte Investitionen in Zeit und Personal erforderlich. So reicht es nicht aus, Auszubildende nur einfach „mitlaufen“ zu lassen. Vielmehr ist die Ausbildung individualisiert zu planen und zu strukturieren. Während der Ausbildung sind kontinuierliche Absprachen und Feedbackgespräche mit den Auszubildenden erforderlich. Eine gute Ausbildung spricht sich bei Jugendlichen insbesondere über die sozialen Netzwerke schnell herum. Attraktivitätssteigernd sind auch Zusatzangebote wie z. B. Auslandsaufenthalte.
Frage: Wie holt man Jugendliche erstmals in Betriebe?
Lehmann: Dafür bieten sich Kooperationen und Projekte mit Schulen an. Dabei können Schüler und Lehrer über das Unternehmen und die dort angebotenen Ausbildungsplätze informiert werden. Sehr sinnvoll ist es auch, entsprechende Praktika anzubieten.
Frage: Immer wieder war von gesellschaftlichen Gruppen die Rede, die die Unternehmen noch nicht wirklich für die Ausbildung entdeckt hätten...
Lehmann: Es gibt in der Tat Personengruppen, die Betriebe noch verstärkter auf eine duale Ausbildung ansprechen sollten. Dazu gehören Studienabbrecher, ältere Heranwachsende, junge Frauen mit Teilzeitwunsch oder auch leistungsschwächere Jugendliche. Letztere sind nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung erfahrungsgemäß oft besonders loyale und motivierte Mitarbeiter.
Frage: Was ist mit Flüchtlingen als Auszubildenden?
Lehmann: Grundsätzlich sollten möglichst viele Flüchtlinge eine Berufsausbildung absolvieren. Vor dem Hintergrund der mangelnden Sprachkenntnisse und der vielfach bestehenden schulischen Defizite bedarf es allerdings zumeist einer langen intensiven Unterstützung und Betreuung. Insofern sollte man bei diesem Thema nicht zu euphorisch sein und keine kurzfristigen Erfolge erwarten.
Frage: Was ist generell mit der Berufsorientierung?
Lehmann: Da hat sich schon vieles zum Besseren verändert. Nachholbedarf gibt es teilweise noch im Gymnasialbereich. Angehende Abiturienten sollten umfassender über die duale Berufsausbildung als Alternative zum Studium informiert werden.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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