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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Was tun gegen den Lehrermangel?

12.09.2018
Frage: Zum Beginn des Schuljahres haben 245 Quereinsteiger als Lehrer in Niedersachsen angefangen. Ist das sinnvoll?
Pooth: Wir haben unsere Meinung dazu in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Wir hatten befürchtet, dass die mangelnde pädagogische Ausbildung den Lehrerberuf abwerten könnte. In einer Notsituation wie dieser halten wir es für gut, wenn sie die Schulen bereichern. Allerdings stört es uns, dass die Quereinsteiger ins kalte Wasser geworfen werden. Sie müssen vor der ersten Unterrichtsstunde weitergebildet werden und dann auch berufsbegleitend. Im Moment haben sie eine viel zu hohe Unterrichtsverpflichtung. Die müsste deutlich reduziert werden. Gleichzeitig braucht es mehr Plätze an den Studienseminaren.
Frage: Sie kennen sich aus mit Unterricht, der nicht dem eigenen Studium entspricht. Haben Sie sich in fremden Fächern ausreichend qualifiziert gefühlt?
Pooth: Nein, überhaupt nicht. Ich habe Englisch und Deutsch studiert und später Hauswirtschaftslehre und Französisch unterrichtet. Das ist auch ein Grund, warum ich mich jetzt so sehr in der GEW engagiere. Ich finde es toll, dass es möglich ist, auch andere Fächer zu unterrichten. Das kann eine Bereicherung sein. Aber die Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten fehlen ebenso wie die Zeit dafür. Es ist schwierig, sich das selbst beizubringen.
Frage: Wie haben Sie sich zur Französischlehrerin weitergebildet?

Laura Pooth

Als Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW vertritt die 39-jährige Oldenburgerin rund 30 000 Mitglieder. Im September 2017 wurde sie – nach fünf Jahren als Stellvertretende Vorsitzende – an die Spitze der Gewerkschaft gewählt.

Pooth: Ich habe mir Bücher besorgt und versucht, mich einzulesen. Außerdem habe ich versucht, Sprachkurse zu besuchen. Aber ich habe das nicht als qualitativ hochwertig empfunden. Weiterbildungsmöglichkeiten hat man mir weder angeboten, noch habe ich etwas in der Richtung gefunden.
Frage: Das Wissenschafts- und Kultusministerium hat eine Arbeitsgruppe gegründet und eine bessere Bedarfsplanung angekündigt. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Pooth: Ja. Das war bisher ein großes Problem – auch unter Rot-Grün –, dass die Ministerien sich gegenseitig den Schwarzen Peter zugeschoben haben und jedes Ministerium behauptet hat, es hätte nicht die Zahlen des anderen. Insofern ist das genau der richtige Weg, sich jetzt anzusehen, wie viele Lehrer pensioniert werden, wie viele auf dem Markt sind und wie viele ausgebildet werden müssen. Klar ist: Die Zahl der Studienplätze muss sofort erhöht werden. Wir fordern, sofort wieder Studienplätze für Grund-, Haupt- und Realschullehrer an den Universitäten in Göttingen und Hannover zu schaffen. Die wurden gestrichen, obwohl der Bedarf gerade in diesem Bereich extrem groß ist.
Frage: Auch dafür demonstriert die GEW am Donnerstag vor dem Landtag in Hannover. Aber auch gegen Überstunden. Da es sowieso schon zu wenig Lehrer gibt: Wie soll eine Entlastung aussehen?
Pooth: Das ist ein schwieriges Feld. Durch die hohe Belastung und die vielen Überstunden steigt auch die Zahl der Krankheitsfälle. Die Landesregierung muss also allein schon für Entlastung sorgen, um den Krankenstand und die Zahl der Frühpensionierungen zu senken. Jetzt zu sagen, man könne nichts tun, verschärft das Problem.
Frage: Bis 2021 will die Landesregierung Laptops und Tablets als Lehrmittel zulassen. Wäre das nicht ein zeitgemäßer, guter Ansatz?
Pooth: Nein, überhaupt nicht. Häufig fällt unter den Tisch, dass die Kinderarmut immer weiter wächst. Statt über Lehrmittelfreiheit zu sprechen, geht es jetzt um solche Geräte. Natürlich müssen wir uns Gedanken über die Digitalisierung machen. Aber die Lösung kann doch nicht sein, dass die Kinder eigene Geräte anschaffen sollen. Wir müssen erst mal darüber sprechen, wie Lernen mit digitalen Endgeräten überhaupt aussehen kann.

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