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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Sich für Kinder und Jugendliche stark machen

17.08.2013
Frage: 2006 gilt als Gründungsjahr der Oldenburgischen Bürgerstiftung. Wie kam es dazu?
Finger: Das hatte eine ziemlich lange Vorlaufszeit: Die ersten Gespräche gab es 2002, mit verschiedenen Leuten. Vorbild war übrigens die Bürgerstiftung in Hannover. Drei Gründer haben die Bürgerstiftung ins Leben gerufen: Das sind Marius Eriksen, inzwischen leider verstorben, der auch die Eriksen Stiftung ins Leben gerufen hat. Der ehemalige Kulturdezernent der Stadt Oldenburg, Martin Schumacher, und dann eben ich als Dritter.
Frage: Wie war Ihre Ausgangssituation?
Finger: Wir haben eine ganze Reihe von Zu-Stiftern gehabt, die sich ab 1000 Euro aufwärts beteiligen konnten. Jedenfalls haben wir mit dem Startkapital von 90 000 Euro angefangen – und das ist auch heute noch ein wichtiges Standbein.
Frage: Wie sieht die finanzielle Situation jetzt aus?
Finger: Wir brauchen mehr Geld. Zum einen, um den Vermögensstock zu vergrößern, der im Augenblick bei gut 400 000 Euro liegt. Verglichen mit anderen Stiftungen ist das aber ausbaufähig. Zum zweiten brauchen wir auch immer wieder Spenden. Leute wollen nicht unbedingt als Stifter in Erscheinung treten, sondern projektbezogen etwas geben.
Frage: Wie lautet Ihre Bilanz von den Anfängen bis jetzt?
Finger: Unter dem Strich ist das eine Erfolgsgeschichte, weil alle an einem Strang gezogen haben. Bei unserem hochrangig besetzten Stiftungsrat achten wir darauf, dass es der Spiegel der Oldenburger Gesellschaft ist – meistens der bürgerlichen. Mit diesem Gremium zusammen haben wir immer versucht, etwas Kontinuität abzubilden.
Schütz: Neben den offiziellen Vertretern sollte man sehen, dass wir sehr starken Rückhalt auch von vielen Ehrenamtlichen haben – das ist ein großes Pfund. Das bedeutet, dass sie auch Zeit stiften. Bei Projekten wie dem Bürgerbrunch wären wir ohne sie aufgeschmissen.
Frage: Inwiefern gehört die Beteiligung zu Ihrem Konzept?
Finger: In unserer Satzung steht auch, dass wir Engagement für das Gemeinwohl mobilisieren wollen. Wir brauchen immer Geld, aber wir brauchen auch die Leute, die sich beteiligen. Das hat nichts Elitäres, das möchte ich stark zurückweisen.
Frage: Mit welchem Gremium arbeitet der Vorstand außerdem eng zusammen?
Finger: Wir haben einen Förderausschuss ins Leben gerufen. Hier werden Anträge und Wünsche, die an die Bürgerstiftung herangetragen werden, geprüft. Unser Kontrollgremium ist der Stiftungsrat. Über Geschehenes wird einmal im Jahr beim so genannten Stifterforum berichtet; es wird diskutiert und Kritik geübt. Geldfragen werden in unserem sogenannten Anlagenausschuss behandelt.
Frage: Nun zu den vielen Projekten der Bürgerstiftung: Es gibt den Schulwettbewerb, den Elternbrief und diverse Vorträge...
Finger: Meine sehr persönlichen Erfahrungen habe ich mit dem Mehrgenerationenhaus in Osternburg gemacht. Auf Wunsch der Betreiber haben wir uns eingeklinkt und vieles möglich gemacht; zum Beispiel ein Kleinkinder-Hotel. Sehr stark belastete Eltern konnten ihre Kinder ein Wochenende dort abgeben. Ein zweites Beispiel ist der Musikunterricht dort für Kinder.
Frage: Der Fokus liegt also stark auf den Jüngeren?
Finger: Unser besonderer Auftrag ist der Bereich Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Von Anfang an hat es die Elternbriefe gegeben. Inzwischen werden 250 Elternpaare beziehungsweise Alleinerziehende betreut. Ein Projekt, das mir sehr am Herzen gelegen und auch breite Unterstützt erfahren hat, ist die Hausaufgabenbetreuung im Rahmen des Jobpatenprojekts. Wir haben bis heute 230 ehrenamtliche Jobpaten, die insgesamt 350 Schüler an allen Schulen betreut haben. In diesem Rahmen haben wir die Hausaufgabenbetreuung an sechs Oldenburger Hauptschulen eingeführt – mit Studierenden, die einmal in der Woche ein Lerntraining mit den Schülern machen. Dafür können sich die Studierenden Leistungspunkte anrechnen lassen. Alle sollen etwas davon haben. Wir wollen niemandem etwas aufzwängen. Ein letztes Beispiel noch: Mit der Universität und der Agentur Ehrensache wird Studenten aller Fakultäten die Chance gegeben, sich ein Semester lang sozial in einer von 30 Einrichtungen zu engagieren.
Frage: Welche Rolle spielen die Vorträge?
Finger: Wir wollen auch Probleme aufgreifen und reflektieren – das gelingt uns auch durch unsere Vortragsveranstaltungen. Unser Projekt „Schule in Bewegung“ zum Beispiel ist eine Folge aus den Vorträgen mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer.
Schütz: Die Vernetzungsstruktur, aus den Erfahrungen anderer zu lernen, halte ich für einen wichtigen Aspekt.
Frage: Welche Vorträge sind demnächst geplant? :
Schütz: Die nächste Veranstaltung richtet sich an Steuerberater und Notare. Wir zeigen unsere Stiftung als Option auf – wenn sie Leute bei der Frage ,Was mache ich mit meinem Erbe?’ beraten.
Finger: Referent wird unter anderem Professor Burkhard Küstermann, stellvertretender Generalsekretär beim Bundesverband deutscher Stiftungen, sein.
Frage: Steht das Datum für den nächsten Bürgerbrunch schon fest?
Finger: Wenn dieses Bürgerfrühstück gelaufen ist, müssen wir danach eine Bilanz ziehen. Erst danach wollen wir entscheiden, wie es weiter geht. Für das Frühstück ist ein Rhythmus von zwei Jahren angedacht. In diesem Jahr lautet das Stichwort Konsolidierung. Ganz neue Großprojekte für das nächste oder übernächste Jahr kann ich Ihnen noch nicht nennen, übernehmen wollen wir uns nicht.
Schütz: Auch die finanzielle Konsolidierung ist ein Thema, wir sollten nicht in die Substanz gehen, sondern den Fluss der Mittel abwarten und vorsichtig vorgehen.
Evelyn Eveslage Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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