Herr Grunau, Sie engagieren sich ehrenamtlich im Verwaltungsrat der hiesigen Techniker Krankenkasse (TK). Was macht der Verwaltungsrat und was gehört zu Ihren Aufgaben?
GrunauAuf der einen Seite ist die Techniker Krankenkasse ein modernes Dienstleistungsunternehmen. Auf der anderen Seite eine „rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung“. Was auf einen Blick gegensätzlich wirkt, passt ideal zusammen. Denn durch die Möglichkeit der Selbstverwaltung bilden die Mitglieder – also die Kunden – ihre eigene „Unternehmensaufsicht“. Sie wählen aus ihren Reihen das oberste Gremium der TK, den Verwaltungsrat. 30 Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich für die Kunden.
In ihrer aktuell verabschiedeten Resolution fordern die Mitglieder des TK-Verwaltungsrates eine Stärkung der sozialen Selbstverwaltung. Was genau steckt hinter dieser Forderung?
GrunauLeider ist in den letzten Jahren der Staatseinfluss durch die Politik massiv gestiegen. So darf die Selbstverwaltung nicht mehr eigenständig über den Abschluss, die Verlängerung oder die Änderung von Vorstandsverträgen entscheiden. Das muss gestoppt werden. Vielmehr muss die Autonomie der Sozialversicherungsträger – die Selbstverwaltung – gestärkt werden. Wir fordern, dass die Verantwortungsbereiche von Gesetzgeber, Ministerialbürokratie und paritätischer Selbstverwaltung sachgerecht abgegrenzt werden. Wir fordern, dass der Staatseinfluss zurückgedrängt wird.
Wie bewerten Sie, dass die Möglichkeit zur Online-Sozialwahl abgelehnt wurde?
GrunauWir verlangen schon von der Politik ein modernes Wahlverfahren. Wir wollen die Sozialwahlen auch für jüngere Menschen attraktiver machen. Für die nächsten Sozialwahlen in gut zwei Jahren ist diese Möglichkeit nun verspielt. Das ist verlorene Zeit. Die Menschen wollen mitbestimmen, wenn es um ihre Gesundheit geht. Dafür muss die Politik die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Es wäre ein bedeutendes Signal gewesen, wenn die Bundesregierung die Online-Stimmabgabe bei der Sozialwahl in Deutschland eingeführt hätte.
Wilfried Grunau (57) engagiert sich für den Raum Oldenburg im Verwaltungsrat der Techniker Krankenkasse. Das Organ gewährleistet, dass nicht der Staat, sondern Versicherte und Arbeitgeber ihren Sozialversicherungsträger verantworten.
