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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Spannender Blick in Klassenräume

06.05.2016
Frage: Herr Habeck, haben Sie eigentlich schon einen Generalschlüssel für die Oldenburger Schulen?
Habeck: Nein, das wird nicht nötig sein. Alle sind hier nett und offen auf mich zugegangen. Es wird also auch ohne Generalschlüssel funktionieren, dass ich mir persönlich die Schulen in ihrem Revier anschauen kann.
Frage: Warum ist das so wichtig für Ihre Arbeit?
Habeck: Ich möchte das Umfeld kennenlernen. Das gibt mir Rückschlüsse darauf, woran es liegen könnte, dass einige Schulen häufiger und andere weniger oft angewählt werden. Wenn der Einzugsbereich und die Geburtenzahlen von den tatsächlichen Schülerzahlen abweichen, muss man Gründe für solche Wanderungsbewegungen nachvollziehen können. Ich habe positive Erfahrungen damit gemacht, aufs Wohnumfeld zu blicken und mit Menschen zu sprechen. In die Schulen hineinzugehen ist auch wichtig, um etwas von der Pädagogik mitzubekommen.
Frage: Dafür müssen Sie Schulen gar nicht einmal im Unterricht erleben?
Habeck: Nein, es gibt schon spannende Aufschlüsse, Klassenräume zu sehen. Was für eine Atmosphäre herrscht dort? Sind es kahle Wände oder gestaltete Wände? Können sich Kinder und Lehrer hier wohlfühlen?
Frage: Welchen ersten Eindruck haben Sie von der Oldenburger Schullandschaft?
Habeck: Ich habe das Gefühl, dass die Beteiligten an einem Strang ziehen. Politik und Verwaltung haben ein gemeinsames Interesse an einer Entwicklung. Das Ziel ist offen, es gibt keine Vorgaben. Diese Offenheit macht es einfacher zu sehen, was wirklich für die Kinder hilfreich ist.

Habeck kennt Schule „von innen“

Dr. Heinfried Habeck (65) arbeitet seit vier Jahren am Institut für Schulentwicklung (IFS) der Technischen Universität Dortmund. Vorher hat er am Schulministerium in Nordrhein-Westfalen die Grundsatzabteilung geführt und dabei u. a. das Modellprojekt „Selbstständige Schule“ geleitet und die „Qualitätsanalyse“ wie die regionalen Bildungsnetzwerke eingeführt.

In Niedersachsen hat er das System der Schulinspektion mit aufgebaut. Weitere Stationen waren die Bezirksregierung in Lüneburg und das Kultusministerium in Hannover. Davor hat der gebürtige Kieler lange Zeit als Schulleiter und Lehrer in verschiedenen Schulformen gearbeitet – an Volksschule, Grundschule, Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und Gesamtschule. „Ich kenne Schule tatsächlich von innen“, sagt er.

Frage: Wie gehen Sie vor?
Habeck: Ich strebe eine möglichst weitreichende Beteiligung derer, die betroffen sind, an. Das sind Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleiter. Ich werde Interviews führen, diskutieren und Meinungen sammeln und in das Gutachten einfließen lassen. So ein Gutachten hat zwei große Bausteine. Einmal den empirischen Bereich mit aktuellen Schülerzahlen und Prognosen bis 2023. Der andere Bereich kreist um die Frage, wie geht es den Menschen in diesem System. Was wollen diese und was nicht? Große Fragestellungen werden sein: Was gefällt Euch eigentlich am Oldenburger Schulsystem jetzt? Was soll erhalten und was soll optimiert werden? Wo seht Ihr Mängel? Was sind Eure Visionen?
Frage: Ihr Auftrag ist es, die Oldenburger Schullandschaft der nächsten 10 bis 15 Jahre zu gestalten. Spüren Sie da eine schwere Bürde?
Habeck: Es ist in der Tat eine Bürde, für Kinder etwas zu gestalten und ihnen auch wirklich gerecht zu werden. Ich schlage der Politik etwas vor, was mit Zahlen untermauert sein wird. Letztlich ist es eine Zusammenfassung, auf die sich die Politik verlassen können muss. Ich helfe damit, Weichen zu stellen, die für Kinder in der Zukunft wichtig sind. Insofern spüre ich tatsächlich eine Verantwortung für meine Arbeit und die Ergebnisse.
Frage: Der Schulentwicklungsplan wird hier und da von Skepsis begleitet. Schlimmstenfalls könnte am Ende auch eine Schulschließung stehen, oder können Sie das ausschließen?
Habeck: Nein. Das ist für mich aber auch keine Drohung. Wenn Wünsche und Schülerströme nicht abgebildet werden durch die vorhandenen Schulen, muss man reagieren können. Für die einzelne Schule ist das natürlich nie schön.
Frage: Wie wichtig ist ein Blick von außen?
Habeck: Eminent wichtig, weil ich in nichts verwickelt bin – weder in politische noch in personelle frühere Entscheidungen. Dieser Blick von außen ist stets auch ein professioneller. Ich bin nie Teil des Systems. Ich gehöre keiner Partei an. Ich stehe weder der Verwaltung noch der Politik persönlich nahe und kann aus meiner Sicht als neutral betrachtet werden.
Frage: Sie kennen Schule durch Ihre Karriere in- und auswendig. Warum sind Sie immer noch gerne in Schulen?
Habeck: Ich bin nicht nur ein Zahlenmensch, sondern vor allem ein begeisterter Pädagoge. Schule hat die Aufgabe, Kinder zu fördern und zu fordern. Ich sehe nie einfach nur eine Gruppe vor mir, sondern Individuen, die bestmöglich begleitet werden müssen. Dafür alles von außen zu tun, ist mir ein Anliegen.
Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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