• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Spionage ist kein Geheimnis mehr

14.01.2014
Frage: Herr Günther, leben wir in einem Überwachungsstaat?
Günther: Theoretisch ja. Zumindest sind die Möglichkeiten vorhanden, Menschen bis ins Privateste auszuspionieren.
Frage: Grund zur Panik?
Günther: Ich habe ein T-Shirt, auf dem steht „1984 war keine Gebrauchsanleitung“. Was George Orwell einst in seinem Roman beschrieben hat, kommt der jetzigen Realität tatsächlich sehr nahe.
Frage: Haben Sie seit Snowdens Enthüllungen schlaflose Nächte?
Günther: Da ich in der Computerbranche arbeite, sind mir Möglichkeiten der Überwachung im Netz längst bekannt. Bei meinen Eltern galt ich als Verschwörungstheoretiker. Jetzt glauben sie mir. Insgeheim habe ich gehofft, es wäre nicht so schlimm – aber es ist viel schlimmer. Immerhin regt sich seit den Enthüllungen Widerstand.
Frage: Waren Sie deshalb in Hamburg beim Chaos Computer Club-Kongress?
Günther: Der Kongress bietet viel mehr und ist ein Treffpunkt. Es gibt Projekte und Vorträge zu vielen Aspekten. Überwachung und Sicherheit sind natürlich Kernthemen. Nicht erst seit Snowden. Aktionen laufen auch in Oldenburg.
Frage: Welche?
Günther: Zweimal im Monat gibt es den Oldenburger Chaostreff in den Räumen unseres Vereins. Außerdem veranstalten wir zusammen mit dem Edith-Ruß-Haus eine sogenannte Crypto-Party, die Gelegenheit zum Austausch und Hilfe zur Email-Verschlüsselung bietet.
Frage: Kriegen Hilfesuchende auch direkt im Verein Unterstützung?
Günther: Wir bieten gemeinsam mit dem Oldenburger Präventionsrat Workshops zum Thema Sicherheit bei Facebook an. Vorwiegend sind wir aber ein Selbsthilfeverein von kreativen Tüftlern, in dem es nicht um Beratung geht.
Frage: Ist der Chaos Computer Club das Sprachrohr der Internetgeneration?
Günther: Nicht nur der. Bei den Piraten – eigentlich in allen Jugendorganisationen größerer Parteien von den Jusos bis zur Jungen Union – herrscht die Meinung, dass Vorratsdatenspeicherung inakzeptabel ist.
Frage: Was empfehlen Sie denn? Hände weg von Sozialen Netzwerken, wie Facebook?
Günther: Das ist eine völlig andere Geschichte als Vorratsdatenspeicherung, die unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung das Kommunikationsverhalten im Netz dokumentiert. Bei Facebook kann man weitgehend selbst
entscheiden, was man preisgibt. Einem muss nur klar sein, dass man diese Dinge nicht zurücknehmen kann.
Frage: Helfen die ganzen Verschlüsselungen überhaupt?
Günther: Eigentlich geht es gar nicht um Inhalte von Emails. Viel Interessanter bei der Überwachung sind die Verbindungen – wer kommuniziert wann mit wem. Verschlüsselungen schützen nur bedingt.
Frage: Und sind überflüssig?
Günther: Nein. Unverschlüsselte Mails sind wie Postkarten, sie können mitgelesen werden. Die Verschlüsselung ist wie ein Briefumschlag – und weil jeder Mensch das Recht auf eine Privatsphäre hat, sinnvoll.
Frage: Ist das Privatleben normaler Leute wirklich interessant für den Staat?
Günther: Nicht von jedem. Und nicht im Moment. Aber was, wenn sich die politischen Verhältnisse mal ändern? Sollten sich die Möglichkeiten der Überwachung so weiterentwickeln und gleichzeitig die Gesetzte ändern, sehe ich schwarz.
Frage: Was befürchten Sie?
Günther: Dass meine Versicherung Geld dafür bezahlt, zu erfahren, nach welchen Krankheiten ich im Internet gesucht habe – nur als Beispiel.
Frage: Also doch ein Grund für schlaflose Nächte?
Günther: Es ist besorgniserregend. Aber wegen sowas liege ich nicht wach – dafür gibt’s noch genug andere Dinge in meinem Leben.

Weitere Nachrichten:

Edith-Ruß-Haus | Präventionsrat | Facebook