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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Ns-Regime: „Staatsakt als wichtiger Schritt zur Machtergreifung“

21.03.2013

Frage: Herr Sabrow, welche Bedeutung hatte der „Tag von Potsdam“ für den weiteren Verlauf der NS-Herrschaft?

Sabrow: Verfassungsrechtlich spielte der Potsdamer Staatsakt eine völlig untergeordnete Rolle. Wichtiger war der politische Impuls, der von dem gemeinsamen Auftritt Hindenburgs und Hitlers in der Garnisonkirche ausging. Hitlers maßvolle Rede in der Garnisonkirche löste die letzten Vorbehalte auf, die der Reichspräsident gegenüber seinem Reichskanzler noch hatte. Er stärkte Hindenburgs Willen, sich aus der Politik zurückzuziehen und Hitler die Vollmachten zuzugestehen. Der Staatsakt vom 21. März half so, dem Ermächtigungsgesetz den Weg zu bahnen.

Frage: Welche Symbolkraft hatte die Inszenierung?

Sabrow: Die Bedeutung der Potsdamer Veranstaltung ist die symbolpolitische. Obwohl der „Tag von Potsdam“ keineswegs so berechnend in Szene gesetzt wurde, wie Goebbels es suggerierte und es bis heute gern geglaubt wird, gewann er in der Erinnerung eine mythische Kraft, die ihn für Zeitgenossen zur Zäsur machte.

Frage: Wie kam es dazu?

Sabrow: Mit dem „Tag von Potsdam“ schien für sie das Ende des „Weimarer Alptraums“ ausgerufen und eine Verbindung von Tradition und Moderne gestiftet, die in der Propagandaformel von alter Größe und neuer Stärke des Reichs ihren Ausdruck fand. Es war vor allem die Mitmachbereitschaft, die den Potsdamer Staatsakt zu einem historischen Augenblick machte. Die Bedeutung liegt in der Euphorie der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Sie reagierten mit Zustimmung.

Zentrum für Zeithistorische Forschung

Professor Dr. Martin Sabrow (58) ist Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Im Interview spricht er über den „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933, an dem Hitler und Hindenburg sich in der Landeshauptstadt Brandenburgs die Hand reichten.

Frage: Warum wurde die Garnisonkirche als Veranstaltungsort gewählt?

Sabrow: Die Wahl war weniger gezielt als angenommen. Sie ging auf den Brandanschlag vom Abend des 27. Februar 1933 zurück, der den Berliner Reichstag in eine Ruine verwandelt hatte. Hitler drängte darauf, den zu wählenden Reichstag in das Stadtschloss Potsdam einzuberufen. Da schlug ein Obermagistratsrat die Garnisonkirche vor. Hitler erklärte sich einverstanden.

Frage: Welche Rolle haben die evangelische und katholische Kirche beim „Tag von Potsdam“ gespielt?

Sabrow: Bei der Auswahl spielten beide Kirchen keine Rolle. Aber die evangelische Kirche protestierte gegen die aus ihrer Sicht missbräuchliche Nutzung. Ein Konflikt ergab sich auch mit der katholischen Kirche: Überraschend blieben Hitler und Goebbels am Morgen des 21. März einem Gottesdienst für die neu gewählten Reichstagsabgeordneten in der katholischen Stadtpfarrkirche fern, um den Gräbern zu Tode gekommener SA-Männer in Berlin einen Besuch abzustatten.

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