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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Ukraine-Krieg führt zu einer Schere im Kopf

21.12.2016
Frage: Sie leben seit 2012 in Kiew und haben die pro-westlichen Proteste auf dem Maidan und ihre Folgen miterlebt. Wie gehen die ukrainischen Medien mit dem Krieg in der Ost-Ukraine um?
Kosmehl: Der Ukraine-Krieg führt zu einer Schere im Kopf. Er fördert den Patriotismus und weckt die Erwartungshaltung, nicht negativ über die eigene Seite zu berichten. Da prallen dann zwei Ansichten aufeinander: Die einen sagen, Journalisten müssten neu­tral berichten, die anderen sagen, ein ukrainischer Journalist müsse in erster Linie auch Patriot sein.
Frage: Gibt es in der Ukraine überhaupt Strukturen für freie, unabhängige, pluralistische Medien?
Kosmehl: Ja, die gibt es. Aber nur sehr bedingt. Mehr als 80 Prozent aller Ukrainer informieren sich über das Fernsehen und zwar über Sender, die einer Handvoll Oligarchen gehören und von denen gesteuert werden. Diese Sender sind höchstens insofern pluralistisch, dass sich die Interessen der sie beherrschenden Oligarchen unterscheiden. Die großen TV-Sender, die übrigens alle nicht profitabel arbeiten, sind letztendlich die verlängerten Marketing-Abteilungen der sie besitzenden Oligarchen.
Frage: Man hört immer wieder den Vorwurf, Russland setze im Ukraine-Krieg Propaganda als Waffe ein. Können Sie das bestätigen?
Kosmehl: Ja, definitiv. Von Russland gesteuerte Medien stellen die Ukrainer als Faschisten dar, bedienen alte Feindbilder aus dem Zweiten Weltkrieg und behaupten, der pro-westliche Euro-Maidan sei eine von US-amerikanischen Geheimdiensten finanzierte Aktion gewesen. Zudem werden Falschmeldungen über Gräueltaten verbreitet und damit Ängste geschürt. Hässliche Höhepunkte waren Berichte über angeblich unfreiwillige Organspenden und die angebliche Kreuzigung eines kleines Kindes.
Frage: Und wie reagieren die ukrainischen Medien auf diese Propaganda?
Kosmehl: Unterschiedlich. Einige Journalisten setzen auf Qualitätsjournalismus. Die Ukraine wolle ein modernes Land sein und dazu gehöre eine unabhängige Presse, die sich – egal auf welcher Seite – nicht für Propagandazwecke einspannen lässt. Andere Journalisten fordern Gegenpropaganda: Sie sagen, die Ukraine befinde sich in einer Extremsituation und diese erfordere auch extreme Mittel.

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