Warum wollen sie künftig auch Projekte zur Tierhaltung in der Landwirtschaft fördern?
BottermannLandwirtschaft hat den größten Einfluss auf die Natur. Für den Naturschutz brauchen wir also auch die Landwirte als Mitgestalter von Naturschutzprojekten. Und da gilt: Die Landwirtschaft lässt sich nicht nur in Teilen denken, alle Bereiche sind miteinander verbunden. Die Diskussion über abgeschnittene Schwänze bei Schweinen könnten wir uns beispielsweise sparen, wenn wir ein nachhaltiges Konzept hätten.
Nachhaltige Landwirtschaft – geht es da um den Gegensatz Öko-Bauern gegen konventionelle Landwirte?
BottermannSo einfach kann man das nicht sagen. Sowohl ökologische als auch konventionelle Landwirtschaft kann nachhaltig sein. Der ökologische Landbau hat strukturell Vorteile, weil er ohne Pflanzenschutzmittel auskommt, aber auch er braucht Chemikalien wie Kupfer oder Schwefel, um bestimmte Schädlinge abzutöten, und die sind für die Umwelt auch nicht gut. Auch die ökonomischen Aspekte sind für die Ökolandwirte oft nicht rosig. Landwirtschaft muss aber nicht nur ökologisch sein, sondern es gibt auch eine wirtschaftliche und soziale Dimension. Die in der Landwirtschaft Tätigen müssen gleichwertige Einkommensmöglichkeiten haben wie andere Berufsgruppen auch.
Was heißt das für die Frage nach einer guten Tierhaltung?
BottermannWir sind mit unseren Partnern dabei, Nachhaltigkeitskriterien auch für Tierhaltungsbetriebe zu entwickeln. Dann hätte man ein objektives Bewertungsinstrumentarium für einen Betrieb mit Blick auf die Haltungsbedingungen, das verwendete Futter, den Gesundheitszustand der Tiere. Und man kann zugleich seine ökonomische und soziale Situation darstellen. Das ist ein vielversprechender Ansatz, um die Debatte über das Tierwohl in der Landwirtschaft weiter zu objektivieren. Auch ein Tierhaltungsbetrieb muss nach den Regeln der Marktwirtschaft erfolgreich arbeiten können. Aber mithilfe solcher Indikatoren kann man seine Situation versachlicht darstellen – das wäre dann Grundlage für die Debatte.
Heinrich Bottermann ist seit Oktober 2013 Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück). Der 59 Jahre alte promovierte Tiermediziner arbeitete zuvor unter anderem beim Gesundheitssenator in Bremen,
