Es gibt Euch seit mehr als 20 Jahren. Andere Bands, die zu einer ähnlichen Zeit gestartet sind, sind längst Geschichte. Warum gibt es Fettes Brot noch immer?
Björn BetonEs macht uns einfach Spaß. Wir haben Lust auf das, was wir machen. Im Studio bin ich immer wieder überrascht, auf was für Ideen wir zu dritt kommen. Und live freue ich mich, den Leuten zu zeigen, was wir uns ausgedacht haben – das ist für uns noch immer etwas Besonderes.
In der Hip-Hop-Szene seid Ihr oft nicht wirklich ernst genommen worden. Hattet Ihr nie ein Problem damit, die deutschen Rap-Clowns zu sein?
Björn Beton Auf jeden Fall hatten wir damit ein Problem. Um die Jahrtausendwende haben wir uns schon gewundert, warum wir bei den anderen Kindern nicht mitspielen durften. Wir wollten ernst genommen werden. Es hat uns geärgert, dass wir um den Respekt gebracht worden sind, den wir in unseren Augen verdient gehabt hätten. Schließlich haben wir für Rapmusik in Deutschland eine ganze Menge neu gemacht. Wir haben darauf aber nie mit schlechter Laune reagiert. Das funktioniert nicht. Und die Leute, die uns mögen, haben das wahrlich nicht verdient. Schließlich haben sie guten Geschmack und Humor.
Seht Ihr euch als reine Hip-Hop-Band?
Björn BetonDas haben wir noch nie getan. Und zum Glück ist Hip Hop im Moment sehr pluralistisch. Es gibt unglaublich viele Herangehensweisen. Wir machen einfach die Musik, die wir schon immer machen wollten. Das hat sich nie geändert.
Auf Eurem aktuellen Album kritisiert Ihr Schlager. Wo liegt das Problem?
Björn Beton Ich finde es verwirrend, dass eine Musik, die so haltungslos ist, die vollkommen an der Realität vorbeigeht, so angesagt ist – gerade bei jüngeren Generationen. Ich erwarte einfach, dass Musik mehr kann, als mir eine schöne heile Welt vorzusingen, die es nicht gibt – nicht einmal für die Sängerinnen und Sänger dieser Schlager. Es ist fast schon zynisch, dass wir uns in Zeiten, in denen Menschen vor Bürgerkriegen flüchten müssen, in unsere kleine Fantasiewelt flüchten. Das finde ich tragisch. Natürlich darf man auch von einer besseren Welt träumen, aber man darf nicht die Augen davor verschließen, dass die Welt viel komplexer ist, als das seichte Gedudel von Helene Fischer und vielen anderen. Davon abgesehen gibt es auch tolle Schlager, etwa von Udo Jürgens, die auch mir zu Herzen gehen.
Auch Ihr schreibt Popsongs über Liebe. Wo ist da der Unterschied?
Björn BetonWenn wir ein Liebeslied machen, hat das etwas mit unserer Realität zu tun. Als wir in den 90ern „Jein“ geschrieben haben, war das genau das Gefühl, dass wir damals hatten. Das war ein Teil unserer Realität. Und wenn wir heute ein Lied schreiben wie „Von der Liebe“, dann bedeutet das für uns ganz viel. Darin steckt viel über unsere Gesellschaft, in der es viele Menschen gibt, die sich eine Meinung über Liebe erlauben, über schwule Pärchen, Pärchen mit einem größeren Altersunterschied oder körperlich behinderte Paare. Und wir glauben, dass Liebe stärker ist, als die Kritik der Gesellschaft.
