Herr Hogan, in Deutschland wächst die Kritik an Massentierhaltung. Ist diese Form der Landwirtschaft ein Zukunftsmodell?
HoganWir unterstützen vor allem die bäuerliche Landwirtschaft. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt in erster Linie den kleinen und mittleren Betrieben, die auch in Deutschland meist noch von Familien geführt werden. Diese Form der Landwirtschaft fördern wir mit unserer Agrarpolitik. Wir wollen ganz sicher keine industrielle Landwirtschaft überall in Europa.
Auf der Grünen Woche ist das Tierwohl diesmal ein großes Thema: Sind Verbraucher wirklich bereit, bei besseren Haltungsbedingungen in den Ställen auch mehr für Fleisch und Wurst zu bezahlen?
HoganDie Verbraucher sind durchaus bereit, mehr zu bezahlen, wenn sie wissen, dass sie Qualität dafür bekommen und es den Tieren gut gegangen ist. Verbraucher entscheiden bei Lebensmitteln heute viel bewusster als früher, was sie kaufen. Das ist ein positiver Trend.
Hat das neue Tierwohl-Label, das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plant, die volle Unterstützung aus Brüssel?
HoganIch begrüße die Initiative für das neue Tierwohl-Label in Deutschland. Es ist wichtig, dass die Verbraucher damit gut und umfassend informiert werden. Es ist das Recht jedes Mitgliedstaates, mit solchen Maßnahmen voranzugehen. Alles, was dem Tierschutz dient, hat unsere Unterstützung. Es gibt in Deutschland, wie ich höre, ein großes Bedürfnis nach einer klaren Kennzeichnung, was das Tierwohl angeht. Wir müssen sehen, ob es eines Tages ein neues verbindliches Siegel in Europa geben kann – sei es für nachhaltiges Wirtschaften oder für Tierschutz.
Wird es eines Tages auch eine europäische Kennzeichnung für vegetarische und vegane Lebensmittel und ein Verbot für Bezeichnungen wie „vegetarische Currywurst“ geben?
HoganIch habe mitbekommen, dass der deutsche Landwirtschaftsminister hierzu einige Vorschläge gemacht hat. Das steht ihm frei. Hier geht es um freiwillige Maßnahmen eines Mitgliedstaates. Wir in Europa kümmern uns vor allem um hohe Standards für Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln.
Bei den Preisen für Milch oder Schweinefleisch zeichnet sich inzwischen eine positivere Entwicklung für die Bauern ab. Ist die große Krise überwunden?
HoganIch bin sehr froh darüber, dass die Auszahlungspreise für Milch seit August um 25 Prozent gestiegen sind. Das ist eine gute Nachricht auch für die Bauern in Deutschland. Inzwischen erhalten sie im Schnitt wieder 33,7 Cent je Liter. Unsere Maßnahmen wirken. Deutschland ist der größte Nutznießer der beiden millionenschweren Hilfspakete, die von der EU-Kommission aufgelegt worden sind. Dazu gehört auch die Möglichkeit, mehr Geld pro Liter zu erhalten, wenn man die Produktionsmenge beschränkt. Wir brauchen im Markt eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Erfreulicherweise sehen wir Verbesserungen nicht nur bei den Preisen für Milch, sondern auch für Schweinefleisch. Aber die Entwicklung ist noch sehr fragil.
Welche Auswirkungen wird der Brexit für Deutschlands Bauern haben?
HoganIch weiß nicht, welche Zölle das Vereinigte Königreich nach dem Brexit für Agrarprodukte erheben wird. Da müssen wir die Verhandlungen abwarten. Zunächst einmal gibt es Konsequenzen für die finanzielle Förderung. Für die gemeinsame europäische Agrarpolitik wird in der nächsten Periode wegen des Austritts der Briten sicherlich weniger Geld zur Verfügung stehen. Darauf müssen wir uns einstellen. Die Verhandlungen darüber starten Ende des Jahres. Die Rede von Premierministerin May war nichts anderes als eine Wunschliste. Am Ende wird Großbritannien als Nicht-Mitglied schlechter dastehen als vorher.
