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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Verbot von drei Insektengiften ist Grund zur Freude

19.05.2018
Frage: An diesem Sonntag wird der erste Weltbienentag gefeiert. Was steht für die Bundestags-Bienen auf dem Programm?
Krischer: Es wird warm und sonnig. Da wird das ganze Volk auf Achse sein und über die Reichstagswiese in den Tiergarten ausschwärmen. Unseren Bienen geht es hervorragend. Seit Bärbel Höhn vor drei Jahren den ersten Bienenstock im Hof des Paul-Löbe-Hauses aufgestellt hat, ist die Population auf drei Völker angewachsen. Jedes Jahr ernten wir 30 bis 40 Kilo Honig pro Stock.
Frage: Ist den Imkern wirklich zum Feiern zumute?
Krischer: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Donnerstag, der das Verbot von drei Insektengiften bestätigt hat, ist Grund zur Freude. Die Neonikotinoide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, gehören zu den größten Gefahren für die Bienen.
Frage: Die Kanzlerin hat gerade im Bundestag zum Bienenschutz aufgerufen. Nimmt ihre Regierung das wirklich ernst und handelt?
Krischer: Die Kanzlerin hat verstanden, dass der dramatische Bienenschwund die Menschen bewegt. Als Naturwissenschaftlerin sollte ihr klar sein, dass von der Biene unsere Ernährung abhängt. Die Zustimmung der Regierung zum Verbot der Neonikotinoide ist ein erster wichtiger Schritt gewesen. Damit ist es nicht getan. Wir brauchen dringend eine andere Landwirtschaftspolitik.
Frage: Warum produzieren Bienen in Städten mehr Honig als in ländlichen Regionen?
Krischer: In vielen Regionen gibt es riesige Äcker soweit das Auge reicht, auf denen nur das wächst, was der Bauer eingesät hat. Dort lebt nichts anderes mehr. Es gibt kaum Feldraine, Grasstreifen oder Brachen. Für die Biene und andere Insekten ist das eine Wüste, dort können sie nicht leben. In Städten wie Berlin sieht es besser aus, dort gibt es viele blühende Bäume und Schrebergärten, da fühlt sich die Biene wohler als auf dem teilweise zur Industriefläche gewordenen Land.
Frage: Was kann der Einzelne tun, um Bienen zu helfen?
Krischer: Öko-Produkte kaufen, für die keine Gifte eingesetzt wurden. Und Mut zur Wildnis für diejenigen, die einen Garten oder einen Balkon haben. Wer Gras und Pflanzen wachsen lässt und nur ein Mal im Sommer mäht, schafft Lebensraum für Insekten.
Tobias Schmidt
Korrespondentenbüro Berlin
Tel:
0441 9988 2018

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