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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Viele können sich heute Betrieb aussuchen

25.09.2014
Frage: Herr Müller, wie ist die Lage am regionalen Ausbildungsmarkt?
Müller: Wir spüren eine hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Immerhin wurden uns im zu Ende gehenden Berufsberatungsjahr – seit Oktober 2013 – rund 5000 freie Ausbildungsplätze zur Vermittlung gemeldet. Das sind rund 150 mehr als ein Jahr zuvor. Es wird eben zunehmend erkannt, dass sich über verstärkte Ausbildung die Fachkräfte von morgen hervorbringen lassen.
Frage: Und, wurden alle 5000 gemeldeten Stellen vergeben?
Müller: Nein, wie immer um diese Zeit gibt es noch viel Bewegung. 1200 von den 5000 gemeldeten Ausbildungsplätzen sind noch frei. Darunter sind zum Beispiel Ausbildungsplätze für Mechatroniker oder Metallbauer, oder auch für klassische Bauberufe wie Maurer, Betonbauer und Maler, dann Hotel- und Gastronomieberufe einschließlich Köchen, oder auch Berufskraftfahrer. Auch im kaufmännischen Bereich gibt es noch viele Möglichkeiten für einen Start in diesen Wochen.
Frage: Wie sollten Jugendliche ohne Ausbildungsplatz vorgehen?
Müller: So schnell wie möglich Kontakt zur Arbeitsagentur aufnehmen.
Frage: Wie hat sich denn die Zahl der Bewerber entwickelt?
Müller: Seit Oktober 2013 waren es 6400 – nach 6500 und 7000 in den Vorjahren. Dieser Trend dürfte sich schon demografisch bedingt fortsetzen. Die Jahrgänge werden kleiner.
Frage: Das bedeutet Probleme für Betriebe, die Ausbildungsplätze besetzen wollen.
Müller: Ja. Es sollte mehr für die duale Berufsausbildung geworben werden, damit der Anteil derer aus einem Jahrgang, der eine Berufsausbildung aufnimmt, nicht ständig schrumpft. Nicht jeder muss Abitur machen und studieren. Zumal es in vielen gewerblichen Berufen – nicht nur für Ingenieure – sichere Arbeitsplätze und gute Perspektiven in der Region gibt. Man denke nur an Elektroniker oder Mechatroniker.
Frage: Trotz der vielen Chancen – es bleiben wie jedes Jahr unversorgte Jugendliche...
Müller: Zurzeit reden wir über rund 1250. Diese Zahl wird erfahrungsgemäß aber noch deutlich sinken. Dazu trägt die Nachvermittlungsaktion gemeinsam mit den Kammern der Region bei: Jeder bekommt dabei ein Angebot für eine duale Berufsausbildung. Gelingt das nicht, gibt es noch alternative Wege wie Einstiegqualifizierung oder Berufsvorbereitung.
Frage: Haben sich die Personalchefs eigentlich geändert? Nehmen Sie heute auch Jugendliche mit Schwächen?
Müller: Ja, in der Tat. Viele nehmen heute auch Bewerber, wenn sie nicht mit den besten Noten kommen. Sie organisieren intern Nachhilfe und schulen ihre Ausbilder so, dass sie mit den neuen Herausforderungen im Umgang mit jungen Leuten zurechtkommen. So kann man auch die Zahl der Abbrüche reduzieren. Übrigens: Die Agentur für Arbeit kann den Nachhilfeunterricht von Azubis mit Schwächen auch fördern.
Frage: Sind junge Leute heute eigentlich gut genug über Berufe informiert?
Müller: Grundsätzlich hat sich das ganz gut entwickelt, vor allem in Oberschulen, Haupt- und Realschulen. Das gilt auch für Praktika. Zudem kommen im Jahr vor der Schulentlassung Berater der Arbeitsagenturen in die Klassen, um über Berufe zu informieren. Hinzu kommen die Möglichkeiten der individuellen Berufsberatung in der Arbeitsagentur – bis hin zu einem Test. Außerdem informieren sich viele im Berufsinformationszentrum (BIZ) selbst. Etwas Sorge bereiten uns noch die Gymnasiasten. Da könnte man noch mehr tun.
Frage: Tun die Unternehmen angesichts der sinkenden Bewerberzahlen eigentlich genug für ihr Image?
Müller: Das müssen sie. Der Markt dreht sich – Bewerber können sich oft „ihren“ Betrieb aussuchen. Man braucht als Unternehmen eine gute Ausbildung und ein – auch daraus resultierendes – gutes Image. Heutzutage spricht alles schnell herum. Dafür sorgen schon die sozialen Netzwerke.
Frage: Wie kann man Flagge zeigen?
Müller: Zwei Beispiele: Erstens, sich auf der Ausbildungsmesse job4u präsentieren und Azubis selbst dort kommunizieren lassen. Zweitens, beim Preis für Innovative Ausbildung PIA der NWZ mitmachen und eine Bewerbung einreichen. Über jede Bewerbung wird berichtet. So baut man Schritt für Schritt ein gutes Ausbilder-Image aus. Aber das sind nur zwei Beispiele von vielen.
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040

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