Frau Kruse, bei Ihnen klopfen immer mehr Flüchtlinge an, die freiwillig in ihre Heimatländer zurückkehren möchten. Die Rückkehrer-Zahlen haben sich innerhalb eines Jahres vervierfacht. Aber ein Land sucht man in allen Statistiken vergeblich: Syrien.

KruseStimmt. Da werden Sie wohl auch keine Zahlen finden.

Gibt es keine Anfragen von Syrern?

KruseDoch, wir haben bestimmt vier oder fünf Anfragen von Syrern pro Woche. Auch bei anderen Einrichtungen und Ausländerbehörden gibt es diese Anfragen. Aber wir können ihnen nicht helfen: Es gibt derzeit keine Unterstützung für Rückkehrer nach Syrien.

Weshalb wollen die Menschen überhaupt zurück in ein Land, aus dem sie vor Krieg und Gewalt geflohen sind?

KruseDie Gründe der Syrer sind dieselben wie bei Flüchtlingen aus anderen Ländern auch: Sie wollen zurück zu Familienmitgliedern, die in der Heimat geblieben sind, zu Kindern, Ehepartnern, Eltern. Oder sie haben dramatische Nachrichten aus der Heimat erhalten: Jemand ist verschwunden, krank geworden, verstorben. Man möchte die Familie nicht in der Not allein lassen und will dann lieber woanders Schutz suchen.

Warum können Sie den Syrern nicht helfen?

KruseDie Menschen kommen ja zu uns, weil sie finanzielle Unterstützung brauchen. Sie sagen: Ich will zurück – aber ich lebe hier von Unterstützungsleistungen und habe kein Geld. Das Problem ist: Die IOM, die Internationale Organisation für Migration, die uns hilft, fördert keine Rückkehr in Kriegs- und Krisengebiete. In Syrien wird nicht, wie im Irak, nach gefährlichen und weniger gefährlichen Regionen unterschieden. Ein zweites Problem ist, dass viele Syrer keine Reisedokumente haben und somit auch keine Visa für Nachbarländer erhalten. Wir kriegen sie hier nicht raus.

Was sagen Sie den Menschen aus Syrien, die bei Ihnen jede Woche anfragen?

KruseWir müssen ihnen sagen: Aktuell ist keine freiwillige Rückkehr nach Syrien möglich. Wir können nur an die Geduld der Rückkehrer appellieren und empfehlen, das Asylverfahren weiterzubetreiben. Vielleicht findet sich eine Lösung in der Zwischenzeit.

Magdalena Kruse (50) leitet das Raphaelswerk in Hannover. 2015 verzeichnete die Flüchtlingsberatungsstelle beim Raphaelswerk 280 freiwillige Rückkehrer (2014: 73), darunter mehrere irakische Jesiden aus dem Oldenburger Land.