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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Von Witzkultur zur Beleidigungskultur entwickelt

24.03.2018
Frage: Prof. Hirschfelder, Ostersonntag und der 1. April fallen in diesem Jahr auf einen Tag. Sehen Sie da als Kulturwissenschaftler einen Zusammenhang?
Hirschfelder: Das ist eine zufällige Laune des Kalenders. Was mir aber als Kulturforscher auffällt, ist, wie sehr unsere Gesellschaft den christlichen Kern von Ostern vergessen hat. Von der Symbolik her sind wir – etwa in der Werbung – bei einem Frühlingsfest angelangt. Die Kernbotschaft von Ostern aber – die Frage von Tod, Auferstehung und Gott – spielt in unserem Alltag kaum noch eine Rolle.
Frage: Sie sehen also eine sehr weitreichende Säkularisierung...
Hirschfelder: Kultur ist natürlich immer dynamisch. Von Generation zu Generation sind auch christliche Feste großen Veränderungen unterworfen. Denken Sie etwa an die Reformationszeit oder die Zeit der französischen Revolution, wo in weiten Teilen Westeuropas alte Traditionen zum Erliegen gekommen sind. Heutzutage ist Ostern neben Pfingsten das am stärksten säkularisierte kirchliche Fest. Was merkwürdig ist, weil Ostern ja das wichtigste christliche Fest überhaupt ist.
Frage: Da sind wir beim zweiten Thema dieses Ostersonntags – bei der Spaßgesellschaft. Ist auch die Geschichte des April-Scherzes einer solchen Dynamik unterworfen?
Hirschfelder: Das kann man so sagen. Unsere Witz- und Spaßkultur verändert sich auch. Witze und Scherze sind in jeder Gesellschaft anders. Sie loten sozusagen die Grenzen dessen aus, was man sagen darf, und stabilisieren damit auch die Gesellschaft.
Frage: Und was heißt das konkret für den April-Scherz?
Hirschfelder: Er ist in der Krise, zumindest im privaten Bereich. Aus meiner Sicht hat sich die Witzkultur durch die Medien stark verschoben. Das Verulken, der private Witz, ist aus der Mode gekommen. Für einen guten Scherz ist eine Face-to-Face-Situation erforderlich. Man denkt aber, die Komiker im Fernsehen seien sowieso viel lustiger. Wir delegieren den Humor an eine vermeintliche Elite in den Medien.
Frage: Also sind auch die Inhalte andere geworden?
Hirschfelder: Die Medien überfüttern uns quasi rund um die Uhr mit platter Comedy und zotigen Witzchen. Wir haben uns von einer Witz- zu einer Beleidigungskultur entwickelt. Quasi von Heinz Erhardt und Theo Lingen hin zu Dieter Bohlen.

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