Wann muss ich mit Darmkrebsvorsorge beginnen?

DIRK WeyheLiegen keine besonderen Risikofaktoren vor, sollten Sie im Alter von 50 Jahren damit beginnen. Bei unauffälligem Befund ist es ratsam, die Spiegelung alle zehn Jahre zu wiederholen. Werden Polypen diagnostiziert, verkürzen sich die Abstände auf drei bis fünf Jahre.

Muss Darmkrebs immer mit Bauchschnitt operiert werden?

WeyheNein, weil wir beim Eingriff dank der minimal-invasiven Chirurgie und moderner Kameratechnik eine gute Übersicht erhalten. Ob das reicht, ist aber abhängig vom Stadium der Krankheit. Manchmal lässt sich Darmkrebs auch endoskopisch, also ohne Operation mit Schnitt entfernen.

In unserer Familie traten bereits mehrere Fälle von Darmkrebs auf. Meine Tochter ist mit 44 Jahren erkrankt. Wie hoch ist das Risiko für meine Enkel?

WeyheWenn ein Elternteil an Darmkrebs erkrankt ist, tragen die Kinder ein doppelt bis dreifach erhöhtes Risiko. Je früher sie zur Vorsorge gehen, desto besser. Im konkreten Fall, sollten sie sich im Alter von 34 Jahren untersuchen lassen. Zehn Jahre früher, als die Krankheit bei dem Angehörigen aufgetreten ist, lautet die Faustregel.

Ich habe ein bisschen Angst vor der Spiegelung. Was halten Sie von Alternativen wie der Stuhlprobe?

Mirko VonderachDie Spiegelung ist die Standarduntersuchung mit der größtmöglichen Zuverlässigkeit. Der Stuhltest erbringt häufig falsche positive oder negative Ergebnisse. Außerdem misst er ja Blut im Stuhl – dabei möchten wir doch in der Vorsorge Tumorvorstufen entdecken, lange bevor sie bluten. Der Stuhltest ersetzt daher die Spiegelung nicht.

Ich habe seit Kurzem Blut im Stuhl. Wie dringend ist eine Darmspiegelung?

VonderachBlut im Stuhl kann viele Ursachen haben. Eine davon sind mögliche Polypen im Darm. Daher sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt konsultieren. Eine Spiegelung ist wahrscheinlich empfehlenswert.

Wie entsteht eigentlich Darmkrebs?

VonderachIn fast 90 Prozent entsteht ein Karzinom durch wuchernde Polypen. Dabei handelt es sich um ursprünglich gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Werden diese so genannten Adenome jedoch größer, können sich Krebszellen entwickeln. Gerade aus diesem Grund ist die Früherkennung so wichtig, da die Polypen in einem frühen Stadium gut entfernt werden können.

Ist die Sorge berechtigt, dass ich mich bei einer Darmspiegelung infizieren kann?

Hans SeifertNein, denn es gelten dabei sehr hohe Standards. Die Endoskope werden maschinell gereinigt und regelmäßig und sorgfältig kontrolliert. Die Übertragung einer Infektion ist daher nicht zu befürchten.

Wie häufig muss nach Entfernung von Polypen eine Nachsorge-Spiegelung erfolgen?

SeifertDas hängt vom Befund ab. Bei Polypen mit hohem Entartungsrisiko oder bereits bösartigen Wucherungen kann eine Kontrolle schon nach sechs Monaten erforderlich sein. Meistens sind Kontrollen nach drei oder fünf Jahren ratsam.

Eine Darmspiegelung vor drei Jahren lieferte bei mir (85) keinen Befund. Muss ich die Untersuchung noch einmal wiederholen?

SeifertUnter diesen Bedingungen nicht.

Mit fast 90 Jahren leide ich an Darmkrebs, bin aber sonst ganz fit. Ist eine Operation in meinem Alter überhaupt sinnvoll?

SeifertAuch in hohem Alter ist ein operativer Eingriff manchmal die beste Lösung. Natürlich immer unter Berücksichtigung der persönlichen Situation und möglicher Risikofaktoren, aber das gilt für alle Patienten unabhängig vom Lebensalter. Auch Chemotherapie oder Bestrahlung können gute Optionen sein. Das individuelle Vorgehen wird interdisziplinär in den klinischen Tumorzentren mit den Patienten besprochen.

Ich bin 70 Jahre alt, war immer gesund und habe noch nie eine Darmspiegelung vornehmen lassen. Nun leide ich unter Verdauungsproblemen und mache mir Sorgen.

Hans-Rudolf RAABBesser spät zur Vorsorge als überhaupt nicht. Sie können die Untersuchung jederzeit nachholen und damit das Risiko immer noch erheblich reduzieren. Erst recht ist eine Untersuchung zu empfehlen, wenn Sie Beschwerden haben.

Vor zwei Jahren wurden bei mir gutartige Magenpolypen festgestellt. Seit Wochen leide ich unter massiven Durchfällen. Was kann ich tun?

RAABSie sollten sich auf jeden Fall von einem Facharzt untersuchen lassen. Die Durchfälle können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Ich bin 39 Jahre alt und an Darmkrebs erkrankt. Zudem haben sich Metastasen an meiner Leber gebildet. Allerdings vertrage ich die Chemotherapie sehr schlecht. Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?

RaabHäufig ist es möglich, Metastasen operativ zu entfernen. Es gibt zudem die Option einer kombinierten Therapie. Auf jeden Fall sollten Sie das Gespräch mit einem Spezialisten suchen, um die für Sie bestverträgliche Lösung zu finden.

Bei mir wurden vor sechs und vor drei Jahren zwei Darmspiegelungen vorgenommen. Bei der letzten wurden zwei Polypen entfernt. Wann sollte die nächste Spiegelung erfolgen?

RaabEmpfehlenswert wäre eine Untersuchung alle drei bis fünf Jahre. Das hängt aber vom Zustand des Gewebes ab.

Wie groß sind die Heilungschancen bei Darmkrebs?

RaabDarmkrebs ist heilbar, selbst in fortgeschrittenem Stadium. Je früher er festgestellt wird, desto größer sind die Therapiemöglichkeiten und damit auch die Heilungschancen. Durch die Zunahme bei der Vorsorge konnte die Sterblichkeitsrate bei Darmkrebs deutlich gesenkt werden, weil die Tumore in früheren Stadien entdeckt werden.

Wie zuverlässig ist eine Darmspiegelung?

Anke SchütteMit den modernen Endoskopen, die mit hochauflösenden Chips arbeiten, erkennen wir auch kleinste Tumorvorstufen im Millimeter-Bereich. Bei gut gereinigtem Darm können wir nahezu alle Tumore und deren Vorstufen erfassen.

Kann ich Darmkrebs durch die richtige Ernährung verhindern?

SchütteVerhindern können Sie die Krankheit damit nicht, aber eine gesunde Lebensweise kann zur Vorbeugung beitragen. Tabakkonsum hingegen erhöht das Risiko deutlich. Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkohol in größeren Mengen sind ungünstig, auch hinsichtlich anderer Gesundheitsrisiken.

Warum muss ich vor einer Spiegelung literweise eine Trinklösung zu mir nehmen?

Schütte Eine gute Darmreinigung ist für die Darmspiegelung zwingend erforderlich. Schließlich möchten wir ja nicht nur große Tumore erkennen, sondern auch deren manchmal sehr kleine Vorstufen nicht übersehen. Ohne Trinken geht es deshalb nicht. Es müssen aber nicht unbedingt vier Liter sein.

Kann ich mit der entzündungshemmenden Acetylsalicylsäure (ASS/Aspirin) der Krankheit vorbeugen?

SchütteDas wird tatsächlich intensiv diskutiert. Ganz sicher kann ASS nicht die Koloskopie ersetzen. Die Darmspiegelung bleibt die mit Abstand beste Vorsorgeuntersuchung.