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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Weil das Buch Dein Leben bereichert“

15.04.2013
Frage: Sie sind Philologe, Literaturwissenschaftler, Vorstand der Arno-Schmidt-Stiftung – in welcher Eigenschaft sind Sie in Oldenburg?
Reemtsma: Hier in Oldenburg bin ich als Literaturwissenschaftler und Gründungsvorstand der Arno-Schmidt-Stiftung. Mir liegen die Verwaltung des Nachlasses von Arno Schmidt am Herzen und die Präsentation seines Buches für den, der das mal akustisch erleben möchte.
Frage: Und was ist mit dem Multimillionär und Opfer einer Entführung?
Reemtsma: Na gut, wenn Sie das thematisieren, dann gehört das dazu. Was ich bin, bin ich. Aber ich finde, es leitet die Aufmerksamkeit falsch. Wenn es das Thema des Gespräches ist, dann rede ich darüber, aber das braucht Zeit. Man kann die Ereignisse nicht einfach so Revue passieren lassen. Dazu sind sie zu facettenreich.
Frage: Sie lesen aus Arno Schmidts Roman „KAFF auch Mare Crisium“. Warum haben Sie sich für dieses Buch entschieden?
Reemtsma: Zum einen ist es eines der ganz bedeutenden Werke Schmidts, ein Gipfelpunkt seiner Arbeiten. Zum anderen passt „KAFF“ in sehr spezifischer Weise zu dem, was man hier in der Ausstellung sehen kann: Den Blick auf die Natur, die Intensität der Detailerfassung genauso wie den Entwurf großer Horizonte. Man kann sagen, dass sich der Autor mit zwei Medien seiner Umwelt näherte: mit Stift und mit Kamera.
Frage: Der Protagonist des Romans, Karl Richter, wird als besserwisserisch und kränkelnd beschrieben. Passt das auch auf Arno Schmidt? Haben Sie ihn so erlebt?

Literaturwissenschaftler, Mäzen und politischer Publizist

Jan Philipp Reemtsma, 60, ist ein deutscher Literaturwissenschaftler. 1996 war der Hamburger Unternehmersohn Opfer einer Entführung. Bekannt wurde Reemtsma auch durch die Wehrmachtsausstellung Mitte der 90er-Jahre.

Der Dichter Arno Schmidt wurde von Reemtsma unterstützt. Nach dessen Tod entstand 1981 die Arno-Schmidt-Stiftung, deren Vorstand Reemtsma ist. Im Oldenburger Schloss eröffnete Reemtsma am Freitag die bis zum 14. Juli laufende Ausstellung „Fotografien von Arno Schmidt“ und las aus Schmidts Buch „KAFF auch Mare Crisium“.

Reemtsma: Karl Richter ist zwar in dem Buch ein sehr kreativer Mensch, aber kein Schriftsteller. Natürlich trägt er sehr viele Züge von Arno Schmidt. Aber Schmidt hatte eine unglaubliche persönliche Ausstrahlung. Ich habe in meinem Leben niemanden erlebt, der mich so beeindruckt hatte mit seiner bloßen Präsenz. Der Ruf, der ihm anekdotisch vorausgeht, eigenbrötlerisch, unhöflich und grantig gewesen zu sein – nichts davon stimmt. Schmidt war ein charmanter Mann von fast altmodischer Höflichkeit. Hätten wir ihn zusammen besucht, hätte er mich wahrscheinlich stehen lassen und hätte sich auf sehr höfliche Weise um Sie gekümmert.
Frage: Was hat Sie 1977 veranlasst, den herzkranken Autor Schmidt mit der Summe, die einem Literaturnobelpreis entspricht, zu unterstützen?
Reemtsma: Damals kannte ich zwar sein gesamtes Werk, aber Arno Schmidt selbst nicht. Als ich ihn aufsuchte, wusste ich nicht, mit wem ich es zu tun haben würde. Ich war sogar darauf vorbereitet, jemanden zu treffen, den ich vielleicht nicht mag. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, dass Schmidt und seine Frau richtig arm waren zu einer Zeit, als man in der Bundesrepublik wieder zu Geld kam. Ich habe ihm meine finanzielle Unterstützung angeboten, die er aber nicht mehr hat so nutzen können, wie wir uns das gewünscht hätten. Zwei Jahre später hatte er einen Schlaganfall, an dem er zwei Tage später starb. Ich habe dann zusammen mit seiner Witwe die Stiftung gegründet.
Frage: Schmidt hält sich in „KAFF“ nicht an die Standard-Rechtschreibung. Ist es deshalb besonders schwer, daraus zu lesen oder eher leichter?
Reemtsma: Die Rechtschreibung folgt fast immer, wenn sie vom Duden abweicht, der Akustik. In diesem Roman gibt es zum Beispiel eine Frau mit schlesischem Akzent, den ich für das Hörbuch mit gewisser Mühe angelernt habe. Das Buch spielt mit optischen Eindrücken und mit akustischen. So entstehen unterschiedliche Bedeutungsebenen.
Frage: Was macht Ihrer Meinung nach die Bücher von Arno Schmidt wichtig?
Reemtsma: Die Frage ist ja, warum muss man überhaupt lesen. Darauf gibt es nur eine einzige Antwort: Weil es Dein Leben unheimlich bereichern wird. Und wenn Du dieses Buch gelesen hast, wirst Du sagen, was wäre mein Leben, wenn ich es nicht getan hätte.
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