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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Wenn die Borkenkäfer wieder fliegen, gibt es einen Wettlauf mit der Zeit

02.01.2019
Frage: Herr Städing, wie sieht es aktuell in den Wäldern im Oldenburger Land aus?
Städing: Im Moment laufen wir wieder im Normalbetrieb. Die Sturmschäden der letzten 15 Monate sind alle beseitigt. Danach kam die Trockenheit und der Borkenkäfer – damit waren wir bis Mitte Oktober mehr als ausgelastet. In dieser Zeit wurden bei der Suche nach vom Käfer befallenen Bäumen auch Bäume gefunden, die nach dem Sturm vergessen worden waren und noch im Wald lagen. Das war eine ziemlich intensive Zeit.
Frage: Wie ging es danach weiter?
Städing: Ab Mitte Oktober haben die jungen Borkenkäfer keine weiteren Bäume mehr befallen. Sie sind in der Bodenstreu verschwunden, wo sie überwintern.
Frage: Was kann man im kommenden Jahr in Sachen Käfer erwarten?
Städing: Ab etwa Anfang April werden die Borkenkäfer wieder anfangen zu fliegen und sich in Bäume einzubohren. Dann gibt es einen Wettlauf mit der Zeit. Wir müssen die Bäume schnell finden, um eine Massenvermehrung zu verhindern, denn es werden viel mehr Käfer starten – der Grundbestand ist nach dem heißen und trockenen Sommer sehr hoch und die Fichten sind immer noch geschwächt. Dafür planen wir bereits jetzt das in den Süden abzugebende Personal.
Frage: Welchen Einfluss hat das Wetter?
Städing: Wenn es in 2019 wieder eine ähnliche Trockenheit gibt wie in diesem Jahr, ist mit einem deutlichen Käferproblem zu rechnen – Trockenheit ist also riskant. Sollte es dagegen nass und kühl werden, würde das die Käferentwicklung bremsen.
Frage: Wie sieht es mit der Rodung aus?
Städing: Da muss man weiter ausholen. Zum einen wurden durch Käfer- und Sturmschäden sehr viele Nadelhölzer geschlagen, sodass der Markt überlastet ist. Zum anderen konnten durch das extrem nasse Jahr 2017 nicht so viele Laubbäume geschlagen werden wie benötigt. Holzverarbeiter, die auf Buchen- und Eichenstammholz angewiesen sind, sind nur mit Mühe über den Sommer gekommen und brauchen jetzt dringend Nachschub. Seit Mitte Oktober, Anfang November werden nun konzentriert diese Laubbäume geerntet. Gleichzeitig gibt es einen Abholzstopp beim Nadelholz, um den Markt zu entlasten.
Frage: Was haben die Förster sonst zu tun?
Städing: Bei mildem Winterwetter wird das Pflanzen von Bäumen dort wo möglich vorgezogen. Gleichzeitig ist es die Zeit der Gemeinschaftsjagden – gerade vor Weihnachten ist die Nachfrage nach Wild groß. Außerdem müssen die Abschusspläne erfüllt werden. Einen besonderen Blick haben wir auf dem Kleinhalten der Wildschweinpopulation wegen der unberechenbaren afrikanischen Schweinepest.
Frage: Bislang sind die schweren Herbst- und Winterstürme ausgeblieben. Sind die Wälder durch die Trockenheit sicherer oder unsicherer?
Städing: Im vergangenen Winter gab es drei große Stürme. Bei den beiden im Oktober war auffällig, dass der Boden sehr aufgeweicht war und die Laubbäume noch Blätter trugen – das hat zu größeren Schäden geführt. Bei Friederike waren mehr Nadelbäume betroffen – hier fand die flachwurzelige Fichte im weicheren Boden keinen Halt. Die Nässe hat die Sturmschäden also vergrößert. Aktuell ist die Situation eher normal. Die Trockenheit ist in puncto Sturm nicht so schlimm – ein fester, trockener Boden hält die Wurzeln sogar besser fest. Doch die Sturmsaison ist noch lange nicht vorbei.

Rainer Städing (62) ist der regionale Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Er kennt die Wälder der Region wie kaum ein anderer und spricht im Interview über die aktuelle Situation und die große Sorge vor einem weiteren trockenen Sommer – dann könnte sich der Borkenkäfer noch weiter ausbreiten.

Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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