• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Oldenburger Makler warnt vor Regierungsplänen

01.09.2018
Frage: Herr Hobbie, in der Regierungskoalition sprießen Pläne, beim Immobilienhandel das Bestellerprinzip einzuführen: Der Verkäufer soll die Maklerprovision zahlen. Die Grünen wollen einen Deckel von zwei Prozent des Verkaufspreises. Sie haben nun an Justizministerin Katarina Barley geschrieben. Warum?
Hobbie: Ich wollte mit dem Brief erreichen, dass die Parteien – insbesondere die SPD – endlich mal zur Besinnung kommen. Dieses Vorhaben ist nicht nur wirtschaftlicher Wahnsinn, es ist auch umso verwerflicher angesichts der Tatsache, dass der Staat bzw. die große Mehrheit der Bundesländer selbst Preistreiber der in der Regel über 10 Prozent hohen Transaktionskosten beim Immobilienkauf sind: Mit Grunderwerbsteuererhöhungen um bis zu 86 Prozent von seinerzeit 3,5 Prozent auf bis zu 6,5 Prozent. Hier wird mal wieder Populismus auf dem Rücken der Makler betrieben.
Frage: Was wäre denn, wenn die Pläne umgesetzt würden?
Hobbie: Sollte das Bestellerprinzip mit Provisionsdeckelung kommen, würde eine ganze Branche vor dem Aus stehen. Und nicht nur das: Auch Zeitungsverlage, Immobilienportale, Start-ups, Softwarefirmen, Werbeagenturen, Druckereien sowie die gesetzlichen Sozialversicherungsträger werden den Maklerrückgang deutlich zu spüren bekommen, sodass insgesamt bis zu 500 000 Jobs in Gefahr sein könnten. Dies kann nicht im Interesse der Gesamtwirtschaft sein!
Frage: Klar ist: Die Makler-Provisionen – berechnet in Prozent des Kaufpreises – sind mit den Immobilienpreisen kräftig gestiegen, ganz automatisch, ohne Mehrarbeit. Ist doch klar, dass die Begehrlichkeiten wachsen, oder?
Hobbie: Und der Staat verdient kräftig daran mit: Allein 19 Prozent Mehrwertsteuer kassiert dieser aus der Provision. Zudem erhält das Land Niedersachsen 5 Prozent Grunderwerbsteuer ohne erkennbare Gegenleistung für den Käufer. Bei den Maklern sind die Kosten für Verwaltung, Marketing und Vertrieb in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Hinzu kommt die Erfüllung gesetzlicher Auflagen, etwa zu Datenschutz, Geldwäsche, Fortbildungspflicht. Das relativiert die höheren Provisionen recht deutlich.
Frage: Sie schreiben an die Ministerin, die durch das Bestellerprinzip drastisch steigenden Verkaufskosten würden Verkäufer dann auf den Preis aufschlagen. Wie das?
Hobbie: Er würde seinen Angebotspreis um die für ihn entstehenden Maklerkosten erhöhen. Hierdurch steigen wiederum unmittelbar auch die Notarkosten und die Grunderwerbsteuer für den Käufer. Es würde also genau das Gegenteil erreicht – statt die Kosten beim Immobilienkauf tatsächlich zu senken, kann es sogar zu Kostensteigerungen kommen.
Frage: Einfach die laut Bestellerprinzip an den Makler gezahlten Betrag auf den Preis aufschlagen – gibt der Markt denn so etwas her?
Hobbie: Es gibt immer entsprechende Spielräume, das haben wir bei der Vermietung gesehen. Dort sind die Preise auch – trotz Bestellerprinzip und Mietpreisbremse - weiter angestiegen.
Frage: Eine Wahrscheinlichkeit bleibt, dass am Ende die Käufer profitieren würden.
Hobbie: Profitieren würden lediglich ca. 40 Prozent, die sich ganz bewusst an einen Makler wenden. Diejenigen die „von Privat“ kaufen, hätten überhaupt keinen Vorteil vom Bestellerprinzip. Hier wäre es besser, wenn die Bundesregierung ihren Einfluss geltend macht, dass die Grunderwerbsteuer zumindest für den Eigennutzungserwerb von Wohnimmobilien endlich wieder auf den bundeseinheitlichen Satz von 3,5 Prozent zurückgesetzt wird. Hierdurch würden dann alle Immobilienkäufer spürbar entlastet.
Frage: Ihre Kernforderung?
Hobbie: Mit den ganzen Zwangsgesetzen erreicht die SPD gar nichts. Das hat sogar der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums in einem Gutachten am Beispiel der Mietpreisbremse bestätigt, welches vergangene Woche vorgelegt wurde. Es schadet eher, weil keiner mehr Sinn darin sieht zu investieren. Leistung muss sich wieder lohnen, daher sollte die Bundesregierung lieber finanzielle Anreize durch entsprechende Förderprogramme schaffen. Das Bestellerprinzip für den Verkauf wird genau so wenig zu Verbesserungen für Käufer führen wie für die Vermietung. Es vernichtet nur etliche Unternehmensexistenzen und Arbeitsplätze. Das dürfen wir nicht hinnehmen!
Rüdiger zu Klampen
Redaktionsleitung
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2040
Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus, Gewerbe oder Grundstück?

NWZ-Immo.de
Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus, Gewerbe oder Grundstück?

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.