• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

„Wir brauchen neue Geschäftsideen“

07.06.2014
Frage: Herr Professor Nicolai, ist Deutschland ein Land der Erfinder und Gründer?
Nicolai: Eher der Erfinder als der Gründer. Die Deutschen sind berühmt dafür, dass sie Sachen erfinden, aber andere das Geschäft machen. Obwohl es einige sehr erfolgreiche Unternehmen in Deutschland gibt. Mit dem New-Economy-Boom 2000 hat sich das Denken etwas verändert. Trotzdem ist es noch immer nicht so, dass Studenten selbstverständlich die Möglichkeit einer Selbstständigkeit prüfen.
Frage: Warum so wenig Gründungslust?
Nicolai: Wir haben uns lange an Großunternehmen und an der Verwaltung orientiert. Auch gehen wir in der Öffentlichkeit völlig anders mit unternehmerischem Erfolg um als andere Staaten. Sehr defensiv. Positiv formuliert: Wir protzen nicht. Es ist kein Zufall, dass kaum jemand unsere überaus erfolgreichen Oldenburger Unternehmer kennt. Oder auch die Aldi-Brüder: Die kennt keiner, Bill Gates kennt aber jeder! Wenn ich meine Studenten nach berühmten Unternehmern frage, nennen sie als erstes Amerikaner.
Frage: Wenn ich als Studentin bei Ihnen in der Vorlesung sitze, welche Namen sollte ich kennen?
Nicolai: Ja, aus Oldenburg zum Beispiel Joachim Hoepp, Gründer von Nanu Nana. Ansonsten war Herr Hunold von Air Berlin mal bei uns. Er hat uns seine beeindruckende Gründungsstory erzählt. Absolut spannend, wie er auf eigenes Risiko eine Airline mit zwei Flugzeugen und 150 Mitarbeitern übernahm, ohne die notwendigen Betriebslizenzen zu besitzen. Da hing alles davon ab, ob einzelner Mitarbeiter eine schriftliche Prüfung besteht. Oft schmieden Gründer nicht lange Pläne, packen die Situation beim Schopfe.
Frage: Also kommt es auf die gute Gelegenheit an?
Nicolai: Nicht unbedingt. Unternehmerstorys gründen nicht auf einer einmalig glücklichen Chance. Wenn es bei der ersten Chance nicht passiert, dann bei der nächsten.
Frage: Wie hat sich die Gründerszene vor Ort entwickelt?
Nicolai: Ein Beispiel: Das Technologie- und Gründerzentrum TGO in Oldenburg war schnell randvoll mit jungen Firmen. Allein 2013 entstanden 17 technologieorientierte Start-ups aus der Uni.
Frage: Wie viele schaffen es am Ende?
Nicolai: Das Nadelöhr ist das Umsetzen. Es scheitert oft am „Machen“.
Frage: Welche Hürden stellen sich Gründern am häufigsten in den Weg?
Nicolai: Die Finanzierung ist bei entwicklungsintensiven und vor allem besonders innovativen Ideen schwierig. Dann gibt es das Lebenslauf-Risiko: Wie bewertet der Arbeitsmarkt es, wenn es schief geht? Gründungen sind klassisch Teamgründungen. Damit sich ein Team finden kann, muss vieles passen: Die Mitglieder müssen in einer ähnlichen Lebensphase sein, sich in ihren Fähigkeiten ergänzen und verstehen. Es kommt häufig vor, dass jemand eine Idee hat, aber die passenden Mitstreiter fehlen. Die Administration ist mittlerweile kaum noch eine Hürde. Die Beratung an der Uni und bei der IHK läuft gut.
Frage: Sie haben sich ja schon viele Ideen angehört. Welche war die Verrückteste?v
Nicolai: Die kann ich nicht verraten, weil sie tatsächlich noch weiter verfolgt wird. Es gibt ein paar Klassiker unter den Geschäftsideen: Wenn ich meine Erstsemester Vorschläge entwickeln lasse, kommt immer der Frühstück-Bringservice zum Sonntag. Den wünschen die Studenten sich aus ihrer Situation heraus. Auch schlagen sie oft den Frauenschuh mit eingeklapptem Absatz vor. Da frage ich mich aber auch, warum der noch nicht realisiert wurde.
Frage: In welchen Feldern gibt es Marktlücken?
Nicolai: Es gibt viele Technologien, die Fantasien frei setzen, zum Beispiel 3D-Druck. In Oldenburg ist noch Raum für IT und das Thema Nachhaltigkeit, vor allem in Zusammenhang mit der Energiewende. Das wird in der Zukunft interessant, da brauchen wir neue Geschäftsideen. Unternehmerische Aktivität wird hier notwendig.
Frage: Wovon lässt man lieber die Finger?
Nicolai: Glaubt man den klassischen Insolvenzquoten, hält man sich lieber von der Gastronomie fern. Wir haben ja in Oldenburg auch in der Gastronomie beeindruckend erfolgreiche Unternehmer. Erfolg hat was mit Einzigartigkeit zu tun. Erwartungen zu brechen ist das typisch Unternehmerische.
Frage: Wie ist es mit Existenzgründerinnen in Oldenburg?
Nicolai: Es gibt einige, ich denke zum Beispiel an Elke Hase von Piccoplant – eine beeindruckende Unternehmerin, die die Gründer-Szene bei uns an der Uni seit langem tatkräftig unterstützt. Bei unseren Gründerstipendiaten hatten wir in den letzten zwei Jahren einen Frauenanteil von bald 40 Prozent. Wir wollen in dem Bereich aber noch mehr machen. Derzeit versuchen wir, eine Juniorprofessur auf den Weg zu bringen, die sich speziell mit Gründungen durch Frauen beschäftigt.
Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155

Weitere Nachrichten:

Uni Oldenburg | Aldi | Air Berlin | TGO | Uni | IHK | Piccoplant

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.