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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Wir sollten keine halben Sachen machen

01.09.2018
Frage: Herr Lauterbach, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht vor allem die Kliniken für den dramatischen Rückgang der Organspenden verantwortlich. Sie sollen nun mehr Geld für Transplantationen erhalten. Ist das der richtige Schritt, um den Abwärtstrend aufzuhalten?
Lauterbach: Der Gesetzentwurf, den auch die Ärzte und die SPD unterstützen, ist grundsätzlich richtig. Aber er reicht bei Weitem nicht aus. Eine deutliche Verbesserung der Situation wird es nur mit der Widerspruchslösung geben. Demnach sind erst einmal alle Bürgerinnen und Bürger Organspender, es sei denn, sie entscheiden sich aktiv dagegen. Es ist unverständlich, warum Spahn das nicht in seinem Gesetzentwurf integriert hat. Ohne die Widerspruchslösung aber wird die Zahl der Organspender nicht weiter steigen. Sie ist notwendig, um viel Leid abzuwenden.
Frage: Laut Minister Spahn ist das Problem aber gerade nicht die mangelnde Bereitschaft zur Organspende in Deutschland…
Lauterbach: Diese Analyse ist schlicht falsch. Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist in den Umfragen zwar tatsächlich da. Doch das führt nicht überall zu konkretem Handeln. Es gibt zu wenige Organspende-Ausweise und Menschen, die ihre spätere Organentnahme regeln. Das ist alles viel zu aufwendig und bürokratisch, im Bedarfsfall liegt oft auch der Ausweis gar nicht vor. Übrigens wird eine Widerspruchslösung auch in großen Teilen der Bevölkerung befürwortet. Derzeit wird aber Politik für eine Minderheit gemacht, die die Organspende ablehnt. Wir müssen endlich den Willen der Mehrheit umsetzen, auf unbürokratische Art und Weise zu spenden!
Frage: Ein Vorschlag lautet, nicht gleich die Widerspruchslösung einzuführen, sondern die Spendenbereitschaft auf dem Führerschein zu markieren, wie es in den USA üblich ist. Wäre das ein möglicher Kompromiss?
Lauterbach: Nein, wir sollten hier keine halben Sachen machen. Es ist doch nicht unethisch, von einem Menschen, der im Notfall gern das Organ eines anderen hätte, selbst Spendenbereitschaft vorauszusetzen. Das ist für mich die Umsetzung des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant.
Karl Lauterbach  (55) ist Gesundheitsexperte und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.
Petra Sorge Korrespondentenbüro Berlin
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