Herr Dierkes, können Sie und Ihre Kollegen mit dem Koalitionsvertrag leben?

DierkesFür uns ist interessant, dass sowohl im Ökobereich, aber auch im konventionellen Bereich, Niedersachsen Agrarland Nummer eins bleiben soll. Das heißt, dass einige Dinge, derentwegen wir im Wahlkampf besorgt waren, jetzt sicherlich anders betrachtet werden. Ich gehe davon aus, dass man fair mit uns umgeht. Mein Wunsch ist, dass wir mit dem Landwirtschaftsminister ins Gespräch kommen, um auch die Fakten beleuchten zu können und die Parteipolitik zurückzunehmen.

Zur Genehmigung neuer Tierställe sollen nun beispielsweise Keimgutachten vorgelegt werden. Was halten Sie davon?

DierkesDie Landwirtschaft muss sich des Problems der Keime und generell der Emissionen annehmen, das ist gar keine Frage. Die Frage ist bei den Keimgutachten nur, was ist wissenschaftlich bewiesen? Welche Keime überhaupt austreten und welche gesundheitlichen Schäden sie anrichten können, dazu gibt es noch keine belastbaren Studien. Wissenschaftlich ist das noch alles stark umstritten. Eine solche Vorschrift fördert die Gutachter, die Sache bringt es nicht weiter.

Es soll einen Tierschutzbeauftragten geben. Ist das sinnvoll?

DierkesIch glaube, es ist schon viel im Tierschutz gemacht worden, ob ein Beauftragter mehr zu erreichen vermag als ein Beirat, kann ich nicht sagen. Wir sind mit der Landesregierung ja schon im sehr engen Kontakt in dieser Frage.

Heinrich Dierkes (55) ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Die Schweinebauern in Niedersachsen sehen die geplanten neuen Auflagen der rot-grünen Landesregierung für die Genehmigung von Mastställen kritisch.