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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Wörterbuchmacher hätten lieber mehr Einheitlichkeit

31.07.2015
Frage: Die Rechtschreibreform trat 1996 in Kraft. Vor zehn Jahren wurden noch einmal überarbeitete Regeln an Schulen eingeführt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Antwort: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat eine Arbeitsgruppe „Schulen“. Die berichtet, dass es Lehrer im einen oder anderen Fall noch schwierig haben, mit den neuen Regeln klarzukommen. Im Großen und Ganzen scheint das aber gut zu funktionieren. Die Diskussion ist ziemlich eingeschlafen.

Frage: Haben sich die Deutschen weitgehend umgewöhnt?

Antwort: Die Jüngeren haben überhaupt kein Problem mehr damit. Man muss bedenken, dass es keine Schuljahrgänge mehr gibt, die noch nach alten Regeln unterrichtet werden. Die meisten wissen, dass man Mikrofon mit „ph“ oder mit „f“ schreiben kann – und es ist ihnen ziemlich egal, dass das früher nur mit „ph“ erlaubt war.

Frage: Seit der Rechtschreibreform sind in vielen Fällen mehrere Varianten erlaubt. Ist das wirklich hilfreich?

Antwort: Wir Wörterbuchmacher hätten es lieber, wenn möglichst viel Einheitlichkeit herrscht. Wir haben auch den Eindruck, dass diejenigen, die den Duden kaufen, lieber nur eine Möglichkeit haben wollen. Je eindeutiger, desto besser.

Frage: Ein Beispiel ist „dir“ oder „Dir“ (alt). Wie halten Sie es da?

Antwort: Ich halte mich an die alte Regelung. Es sieht höflicher aus. Aber es ist in der Tat so: Vor der Reform musste es groß geschrieben werden. 1996 hat man gesagt, das muss klein. Inzwischen ist beides erlaubt.

Frage: Welche Fehler werden noch häufig gemacht?

Antwort: Ein Beispiel ist der Ausdruck „kopfstehen“. Der wurde vor der Reform in einem Wort geschrieben. Danach hat man es in zwei Wörtern geschrieben, also „Kopf stehen“. 2006 hat man das aber wieder zurückgedreht. Die meisten schreiben es aber weiter in getrennter Form.

Frage: Hat uns die Rechtschreibreform das Leben nun leichter gemacht?

Antwort: Ich persönlich habe es in bestimmten Bereichen als Erleichterung empfunden. Früher hat man zum Beispiel „Auto fahren“ getrennt und „Rad fahren“ in einem Wort geschrieben. Jetzt wird beides getrennt. Ich hätte aber mit etwas weniger Aufwand und etwas weniger Änderungen gut leben können.

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