Die IG BCE beschäftigt sich gerade intensiv mit dem Thema „gute Arbeit“. Was heißt für Sie „gute Arbeit“?
AckermannGute Arbeit bedeutet für mich, dass ich eine Arbeit habe, die mir Spaß macht und die ich bis zu meinem Renteneintritt ausüben kann. Gute Arbeit heißt für mich aber auch Qualifizierung, heißt gute Führungskräfte, heißt Work-Life-Balance, also die Möglichkeit, dass ich auch Arbeitszeiten nach meinen persönlichen Bedürfnissen einrichten kann.
Wo müsste aus Sicht der IG BCE hier in der Region vor allem angesetzt werden?
AckermannWir haben viele Betriebe, in denen das Durchschnittsalter der Beschäftigten vergleichsweise hoch ist. Gleichzeitig arbeiten viele Betriebe im Schichtbetrieb, der eine zusätzliche Beanspruchung darstellt. Um die Belastung zu reduzieren, würden wir uns wünschen, dass für ältere Beschäftigte vermehrt auf eine Vier-Tage-Woche oder gar Drei-Tage-Woche gesetzt wird. Wir haben im chemischen Bereich und in der Papierbranche mittlerweile gute Werkzeuge in den Tarifverträgen, die das ermöglichen, auch bei Cewe. Das muss dann aber auch angepackt und umgesetzt werden. Leider ist es für viele immer noch schwer nachzuvollziehen, dass die sogenannte Teilzeit auch in Schichten machbar ist.
Sie sprachen das hohe Durchschnittsalter in vielen Betrieben an. Wie kann man es hinbekommen, dass junge Leute wieder verstärkt ein Interesse daran haben, in Chemie- oder Kunststoffbetrieben zu arbeiten?
Ackermann Dafür wäre die Übernahme nach der Ausbildung besonders wichtig. Da stoßen wir auf sehr viel Widerstand bei den Arbeitgebern. Nur noch 30 Prozent der Auszubildenden bekommen einen unbefristeten Vertrag. Wir bedauern es sehr, dass die Arbeitgeber sich vehement gegen eine allgemeine Übernahmezusage wehren – sei es in Form einer Betriebsvereinbarung oder als Festschreibung in einem Tarifvertrag.
Zur Attraktivität einer Branche gehört natürlich auch immer eine gute Bezahlung. Sie haben jetzt gerade einen Tarifabschluss für die Chemieindustrie erreicht. Wie zufrieden sind Sie damit?
AckermannWir sind sehr zufrieden, was den Demografiebeitrag anbelangt, der beträgt jetzt 750 Euro pro Jahr für jeden. Aus diesem Fonds werden zum Beispiel verkürzte Arbeitswochen für Ältere finanziert. Das war ein Schwerpunkt für uns. Und mit dem Lohnzuwachs von 2,8 Prozent können die Betriebe hier im Bezirk Oldenburg auch hervorragend leben.
Auf der Hannover Messe stand das Thema „Industrie 4.0“, also die vernetzte, digitalisierte Produktion, im Mittelpunkt. Was bedeutet das für die Arbeitnehmer?
AckermannDie Anforderungen werden sich verändern. Zum einen wird Qualifikation das A und O sein. Und damit meine ich nicht nur die Erstausbildung, sondern auch die Weiterqualifikation. Gute Englischkenntnisse und ein gutes IT-Verständnis werden unerlässlich sein. Zum anderen wird sich aber auch das Arbeiten an sich verändern. Die Menschen werden weniger an der Maschine werkeln, sondern verstärkt im Leitstand sitzen und kontrollieren, was natürlich dann auch höhere psychische Belastungen mit sich bringen wird. Es wird Zeiten geben, in denen man Maschinen in einem gewissen Umfang vielleicht gar nicht mehr vor Ort lenken und steuern muss sondern von zu Hause via Notebook oder Tablet. Und das wirft dann natürlich auch neue Fragen auf, was Arbeitszeiten, die Bezahlung von Bereitschaftsdiensten, Mitbestimmung oder den Schutz von Arbeitnehmern angeht. Klar ist, dass solche Veränderungen kommen werden. Und darauf wird man sich einstellen müssen, als Betrieb, als Arbeitnehmer, aber auch wir als Gewerkschaft.
