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Aktualisiert vor 6 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

Zeitkritik: „Der Ton ist so grob geworden“

25.10.2017

Frage: „Revolverschnauze“, „verbales Kanonenrohr ohne Ladehemmung“ – kann man als Polit-Kabarettist zufrieden sein mit derartigen Bezeichnungen in der Presse?

Schmickler: Furchtbar! Ach, grausam. Das kommt alles aus dem Militärischen. Das hat mit dem, was ich mache, gar nichts zu tun. So etwas ist mal von Journalisten in die Welt gesetzt worden, und dann verselbstständigt sich das. Es geht um Unterhaltung, nicht ums Abschlachten von Zuschauern.

Frage: Sie reißen aber den Mund – zumal in der WDR-Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“ – ziemlich weit auf. Für Pegida und AfD kommt dabei wenig Freundliches heraus. Was kann Kabarett heute noch bewirken?

Schmickler: Kabarett ist wie jede Art von Kunst, die sich öffentlich äußert, Teil des großen gesellschaftlichen Diskurses und kann meiner Meinung nach gar nicht so viel bewirken. Was wir machen können, ist, einen Beitrag zu leisten zur Stimmung in diesem Land. Und die ist im Moment sehr schlecht. Das merkt man überall – auf den Straßen, in den Geschäften, in der Bahn. Überall herrscht so eine latente Aggressivität. Der Ton ist so laut und grob geworden. Man muss die Leute wieder mehr zum Lachen bringen und sie daran erinnern, dass es um menschlichen Umgang geht.

Mit Soloprogramm in Oldenburg

Der Kölner Kabarettist Wilfried Schmickler gastiert mit seinem 7. Soloprogramm „Das Letzte“ am Sonnabend, 4. November, 20 Uhr, in der Oldenburger Kulturetage (Bahnhofstraße 11).

Ausgezeichnet wurde er mit den vier wichtigsten Kabarettpreisen: dem Prix Panthenon, dem Deutschen Kabarettpreis, dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Salzburger Stier. Der 63-Jährige gehört zum Stammpersonal der WDR-„Mitternachtsspitzen“, nächste Sendung an diesem Sonnabend, 22.30 Uhr.

Frage: Welches Gefühl hatten Sie am Abend der Bundestagswahl? Nach allen Hochrechnungen?

Schmickler: Ich hatte damit gerechnet. Jeder, der sich ein bisschen mit den politischen Verhältnissen beschäftigt, der weiß ja, dass es bei den Wählern in Deutschland ein Potenzial von 15 Prozent gibt, die im Zweifelsfalle rechtsaußen wählen. Da es jetzt eine starke Organisation gibt, die diese Leute anspricht, ist es kein Wunder, dass sie auch gewählt wird. Parteien wie die NPD oder Die Republikaner waren einfach zu schwach aufgestellt, um diese Leute zu mobiliseren. Die AfD ist seit einigen Jahren ein fester Bestandteil der politischen Landschaft, und man muss sich damit abfinden, dass sie auch noch länger dazugehören wird. Und zwar mit diesen zehn bis 15 Prozent.

Frage: Aber nicht überall!

Schmickler: Bei der Wahl in Niedersachsen sind sie zum Glück eingebrochen. Ich würde mich freuen, wenn es anders wäre, aber ich denke, dass wir die AfD in den nächsten Jahren nicht unter fünf Prozent bekommen.

Frage: Sie versuchen aber nicht, mit ihrem Programm jemanden „umzukrempeln“?

Schmickler: Nein, nein, das ist gar nicht meine Absicht. Wenn es mir gelänge, den einen oder anderen Denkanstoß zu geben, oder die eine oder andere Blickrichtung zu irritieren, dann wäre das schon genug. Aber umkrempeln? Das ist nicht mein Job. Ich bin ja bereit, mich mit allem und jedem auseinanderzusetzen, aber mit Leuten, die nicht zuhören, mit denen kann man auch nicht reden.

Frage: Ist es für einen Kabarettisten leichter, wenn die politische Situation besonders krisenhaft ist?

Schmickler: Überhaupt nicht. Ich bin ja auch nur Bürger dieses Landes. Und mir ist es lieber, der soziale Friede ist halbwegs stabil, als dass die Gesellschaft erschüttert wird von Konflikten, die zu Spaltungen und zu derart heftigen, aggressiven Diskussionen führen, dass es keine Freude mehr macht, daran teilzunehmen. Als Krisengewinnler würde ich mich auch sehr unwohl fühlen. Das ist nichts für mich.

Frage: Gemeinsam mit Uwe Lyko spielen Sie „Überschätzte Paare der Weltgeschichte“ in den „Mitternachtsspitzen“. Kehren „Loki und Smoky“ (Anm. d. Red.: Hannelore „Loki“ und Helmut Schmidt) noch einmal auf die Bühne zurück?

Schmickler: Wir hatten es versucht und wollten sie im Himmel etablieren, aber es funktioniert nicht. Die müssen existieren. Die beiden Raucher waren ein Glücksfall der Weltgeschichte, ein Geschenk des Himmels auch in ihrer Eloquenz.

Frage: Wie kommt es, dass Sie in diesen Duetten immer die Frauenrolle übernehmen?

Schmickler: Mein Kollege Uwe Lyko ist der bessere Parodist. Und ich kann das eigentlich gar nicht. Ich bin einfach nur die Knallcharge, die neben ihm sitzt und die Travestienummer abliefert. Manchmal sind diese Nummern der totale Quatsch, Comedy pur. Aber auch das gehört zum Kabarett.

Frage: Fehlt Ihnen noch ein Pärchen?

Schmickler: Die historischen Paare haben wir schon alle durch. Im Moment sind wir auf der Suche. Mal abwarten, irgendwann wird sicherlich Andrea Nahles auftauchen. Wir arbeiten dran.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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