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NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

: Vollbeschäftigung muss Anspruch jeder Regierung sein

03.11.2017
Frage: Erstmals seit der Deutschen Einheit gibt es in Deutschland weniger als 2,4 Millionen Arbeitslose. Wo liegen die Ursachen für das Beschäftigungswunder?
Fratzscher: Die deutsche Wirtschaft läuft hervorragend. Das Wachstum von zwei Prozent in diesem Jahr liegt deutlich über dem langfristigen Potenzial. Das liegt vor allem auch an der Exportstärke. Die Löhne sind in den vergangenen Jahren gestiegen, was wiederum zu einem höheren Konsum führt. Ganz wichtig ist auch der Faktor Mi­gration. Der starke Aufbau von Beschäftigen vor allem aus anderen europäischen Ländern wäre sonst gar nicht möglich. Das ist ein großer Gewinn. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft.
Frage: Union, FDP und Grüne haben sich gemeinsam bei den Sondierungen für ein Jamaika-Bündnis auf das Ziel Vollbeschäftigung verständigt. Ist das realistisch?
Fratzscher: Vollbeschäftigung muss der Anspruch einer jeden Regierung sein. Vollbeschäftigung bedeutet, dass Menschen nur temporär arbeitslos und auf Arbeitssuche sind und es keine nennenswerte Langzeitarbeitslosigkeit gibt. Wir haben aber mehr als eine Million Langzeitarbeitslose, die zum Teil über Jahre ohne Beschäftigung sind. Und das, obwohl es mehr als eine Million offene Stellen gibt. Es fehlt ihnen an Qualifizierung. Es muss viel mehr für die Integration und Fortbildung von Langzeitarbeitslosen geben. Da geschieht zu wenig. Ziel der nächsten Bundesregierung muss es sein, mehr Langzeitarbeitslose in Jobs zu bringen.
Frage: Welche Weichen sollte die künftige Regierung darüber hinaus auf dem Arbeitsmarkt stellen?
Fratzscher: Die Qualität der Arbeit muss verbessert werden. Es gibt sehr viel atypische Beschäftigung. Mehr als jeder fünfte Arbeitnehmer ist in atypischer Beschäftigung, das heißt im Niedriglohnbereich, in prekären Arbeitsverhältnissen oder wider Willen in Teilzeit. Es muss bessere Arbeit zu guten Bedingungen und Löhnen geben. Das gelingt nur über Qualifizierung und einer besseren Abdeckung durch Tarifverträge vor allem im Niedriglohnbereich.

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