• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Interviews

An der Jade offenbarte Hitler erstmals Kriegswillen

30.08.2019
Frage: Am 1. September 1939 löste der Überfall der Wehrmacht auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Wie wurde die Nachricht im Nordwesten aufgenommen?
Peters: Vorab: Ich kann hier nur für die Region Friesland/Wilhelmshaven Auskunft geben. Meiner Kenntnis nach wurde die Entwicklung zwiespältig aufgenommen: Einerseits war die leidvolle Erinnerung an das Gemetzel des Ersten Weltkriegs 20 Jahre zuvor in den Familien noch präsent. Deshalb war bei den meisten wenig Kriegsbegeisterung zu spüren. Anderseits haben die Rüstungsschmiede Wilhelmshaven sowie die benachbarten Gebiete Jeverland und Friesland – wie die Seestädte Emden und Leer – massiv von der Aufrüstung profitiert.
Frage: Was meinen Sie?
Peters: Hier verbesserten sich schnell Infrastruktur und Wohnungsbau, mittelständische Betriebe erhielten Aufträge, die Menschen waren – so sie nicht als Gegner oder aus rassistischen Gründen ausgegrenzt wurden – in Lohn und Brot. Wilhelmshaven-Rüstringen, ab 1937 Wilhelmshaven, und der umgebende Landkreis Friesland galten damals als die größte Baustelle der Welt. Anlass war der Ausbau als Standort von Reichsmarine-Schiffen, entsprechender Rüstungs- und Hafenanlagen, von Flugabwehr und Luftschutzanlagen sowie Wohn- und Verwaltungsgebäuden und vergleichbaren Einrichtungen. Die NS-Planer störten sich nicht an Verwaltungsgrenzen, sie überplanten in Kriegslogik den gesamten Raum.
Frage: Genau fünf Monate zuvor – am 1. April 1939 – hatte Adolf Hitler Wilhelmshaven besucht und eine Rede gehalten vor 80 000 Menschen vor dem Rathaus gehalten. Deutete sich dabei schon die akute Kriegsgefahr an?
Peters: Der Tag war effektvoll inszeniert. Zunächst wurde in der Kriegsmarinewerft das Schlachtschiff „Tirpitz“ in Hitlers Beisein vom Stapel gelassen. In seiner folgenden, vom Rundfunk übertragenen Rede ging Hitler übrigens nur kurz auf den Wohnungsbau in Wilhelmshaven ein.
Frage: Das klingt nach einer Inszenierung des Propagandaministeriums.
Peters: So war es. Dazu wurden 6000 „Volksdeutsche“ aus den zuvor einkassierten Gebieten mit 136 Sonderzügen nach Wilhelmshaven gebracht oder auch nur bis Sande – der Rest wurde marschiert. Beifang des „Hitler-Tags“ war die Vorführung der Modelle von Wilhelmshaven als „Stadt der 300 000“, die die Stadtpolitiker stolz im Rathaus präsentierten, und die Übergabe der Ehrenbürgerurkunde an den „Führer“ im Ratssaal. Dabei ist die historische Rede fast in Vergessenheit geraten.
Frage: Inwiefern historisch?
Peters: Am 1. April 1939 vollzogen NS-Führung und Wehrmacht in Wilhelmshaven einen wesentlichen Schritt hin zum Krieg und präsentierten den Augen der Welt ein kriegsbereites Deutschland. Am Vorabend erfuhr Hitler, dass Großbritannien und Frankreich eine Garantieerklärung gegenüber Polen abgegeben hatten. Das schreckte ihn allerdings nicht ab; es gab ihm sogar Rückenwind. Sinn seines Auftritts in Wilhelmshaven war also, die Kündigung des Flottenabkommens mit den Briten vorzubereiten, und ein deutliches Signal über den Kanal und auch an die deutsche Bevölkerung zu senden, dass NS-Deutschland jetzt auf den Krieg zusteuerte. Der Überfall auf Polen war am 1. April beschlossene Sache. Es kam jetzt darauf an, den Weg dorthin außen- und innenpolitisch zu vernebeln.
Frage: Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg – wie unmittelbar spürte die Küstenregion die Folgen?
Peters: Bereits am 3. September flogen britische Bomber den ersten Angriff auf Wilhelmshaven. Durch die noch intakte deutsche Luftabwehr blieben die Auswirkungen gering. Am 18. Dezember kam es zum Luftgefecht über der Deutschen Bucht. In der Folge stellte die Royal Air Force ihre Tageseinsätze gegen Ziele in Deutschland weitgehend ein und setzte seine Bomber nur noch nachts ein. Im Mai 1945 lag Wilhelmshaven nach 102 Bombenangriffen in Schutt und Asche.
Oliver Schulz Redakteur / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2094
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.