JADE - „Wasser – Fluch und Segen“ heißt die Vortragsreihe des OOWV. Zwischen den Vorträgen gibt es kulinarische Köstlichkeiten und eine Lesung.

von meike lücke

JADE - In der Kaskade Diekmannshausen begeben sich 50 Zuhörer auf Einladung des OOWV auf eine Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre. „Wasser – Fluch und Segen“ heißt die Vortragsreihe, mit der in den nächsten Wochen der OOWV die besondere Situation in der Wesermarsch beleuchten will.

Ilse Eschen-Osterkamp vom OOWV erläutert, dass die Süßwasserversorgung zu dieser Zeit nicht selbstverständlich gewesen ist. Erst seit 1950 liefert eine Trinkwasserleitung in der Wesermarsch aus dem friesischen Feldhausen bekömmliches Geestwasser nach Nordenham. Neben dem Mangel an Süßwasser leidet das „Wassernotstandsgebiet Wesermarsch“ am Überfluss des Salzwassers. Sturmfluten bedrohen das Land, wie die Februarflut vor 45 Jahren.

Heidi Boje-Mühlenbäumer vom OOWV schildert lebendig und detailreich, welche verheerenden Wirkungen das Orkantief „Vincinette“ im Februar 1962 in einzelnen Orten der Wesermarsch hatte. Zwar kündigt sich die Katastrophe tagelang an, doch die deutlichen Zeichen wie etwa der Rückzug der Seevögel in das Hinterland werden verkannt. Als die Deiche in der Nacht zum 17. Februar brechen, sind die Menschen schlecht gewappnet. Den Deichbruch bei Käseburg versuchen die Braker mit bloßen Händen, Spaten und Sandsäcken abzudichten. Nur durch die Materialspende eines Sackfabrikanten gelingt es den 3000 Braker Helfern, den Deichbruch abzudichten.

Bewegend ist der Zeitzeugenbericht des Landwirts Adolf Blumenberg. In Deichnähe wohnend, erkennt er die Schwere der nahenden Sturmflut und versucht, seine Mitmenschen zu warnen. Aber nur den Pastor trifft Blumenberg an. Dieser läutet die Kirchenglocken zur Sturmflutwarnung – doch der Orkanwind trägt das Geläut in die Wisch. Die wenigen Menschen, die es dennoch hörten, nehmen den Alarm nicht ernst. „Die Leute wollten sich nicht wecken lassen. Und wer sich wecken ließ, der glaubte das nicht“, erinnert sich Blumenberg.

Zwischen den spannenden Vorträgen können sich die Zuhörer an kulinarischen Köstlichkeiten der 60er-Jahre laben und der Buchhändlerin Hilli Sorg lauschen, die aus Werken von John von Düffel und Theodor Storm zum Thema Wasser und Sturmflut vorliest.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe ist am Freitag, 20. April, geplant. Titel: „Wer nich will dieken, mutt wieken“. Anmeldungen nimmt der OOWV unter Tel. 04401/916156 entgegen.