JADERBERG - Am Sonntag wird in der Gemeinde Jade ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt. Am Donnerstagabend stellten sich die fünf Kandidaten Tina Janßen (35), Henning Kaars (43), Redelf Ennen (58), Klaus Schütte (45) und Hans-Joachim Janßen (46) im NWZ -Forum im Saal des Jaderparks in Jaderberg den Fragen von NWZ -Redakteur Torsten Wewer. Mit etwa 350 Besuchern war das Interesse riesengroß.
Breiten Raum nahm die Vorstellung der Kandidaten zu einer modernen, bürgernahen und leistungsorientierten Verwaltung ein. Den Bürgerservice (Öffnungszeiten des Rathauses, Bürgermeistersprechstunden) halten sie alle für verbesserungsbedürftig.
Tina Janßen betont die Verantwortung des hauptamtlichen Bürgermeisters als Chef der Verwaltung, er habe die Strukturen vorzugeben. Verantwortung zu tragen sei eine Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern, Kontrolle gebe Sicherheit.
Für Redelf Ennen ist der Bürgermeister ein Rad im Getriebe. Eine Verwaltung müsse so gut sein, dass sich ein Bürger auch für eine Ablehnung noch bedanke.
Klaus Schütte hält eine Neuorganisation der Gemeindeverwaltung auf Teambasis und mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter für erforderlich. Die volle Verantwortung trage der hauptamtliche Bürgermeister.
Die Arbeit der Verwaltung sei ein Mannschaftssport, erklärt Henning Kaars, und im Rathaus arbeite ein gutes und leistungsfähiges Team. Er möchte dafür sorgen, dass das so bleibt.
Für Hans-Joachim Janßen ist die Stärkung des Wir-Gefühls in der Verwaltung wichtig. Dazu gehören für ihn klare Zuständigkeiten und ein hohes Maß an Fortbildung.
Keine Illusionen machen sich die Kandidaten über die Finanzen der Gemeinde. Alle sehen das Einsparpotenzial ausgeschöpft und in Steuererhöhungen kein Allheilmittel.
Um die Einnahmesituation zu verbessern, müsse die Vermarktung der Gewerbeflächen verbessert werden, so Tina Janßen. Das schaffe Arbeitsplätze und stoppe die Abwanderung. Die Gemeinde könne vom Jade-Weser-Port und von der A 22 profitieren. Bei Verbesserungen in der Infrastruktur (Jugendtreff, Bahnhaltepunkt) setzt sie auf die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden.
Für Redelf Ennen gibt es im sanften Tourismus noch viele Ressourcen. Auch aus seiner Sicht kann die Gemeinde von der A 22 profitieren. Mit der Vorzugsvariante ist er nicht einverstanden.
Auch Hans-Joachim Janßen sieht im Tourismus noch Potenzial. Für die bessere Vermarktung der Gewerbeflächen sei ein guter Kontakt zu den Wirtschaftsförderungsgesellschaften Friesland und Wesermarsch erforderlich. Gestoppt werden müsse die Abwanderung durch Investitionen in die Infrastruktur (Bahnhaltepunkt, Jugendtreff). Die A 22 werde keine wirtschaftliche Vorteile für die Gemeinde bringen.
Für Klaus Schütte ist die Gemeinde gut beraten, sich für die Vermarktung seiner Gewerbeflächen am geplanten Industrie- und Gewerbecampus der Stadt Varel zu beteiligen. Auch er sieht in der A 22 einen Standortvorteil für die Gemeinde, der Bahnhaltepunkt ist für Schütte ein Muss.
Beim Bahnhaltepunkt müssten alle am Ball bleiben, fordert Henning Kaars. Bei der Vermarktung der Gewerbegebiete will er enger mit der Wirtschaftsförderung Wesermarsch zusammenarbeiten. Skeptisch ist er, dass die A 22 mehr Gewerbe in die Gemeinde bringt, sie werde aber die Bundes- und Landesstraßen im Gemeindegebiet entlasten.
Für die Kandidaten geht ein langer Wahlkampf zu Ende. Tina Janßen hat ihn über weite Strecken zu Fuß bewältigt. „Ich habe viele offene und interessierte Menschen getroffen. Mein Wünschebuch ist prall gefüllt und ein guter Fundus für die Arbeit als Bürgermeisterin.“
Redelf Ennen fühlt sich in der Gemeinde wohl und würde ebenso gerne Bürgermeister werden. „Ich pass‘ hier her und mit mir kann man auch Platt schnacken.“
Als Bürgermeister kämen der Gemeinde seine guten Kontakte zu vielen Behörden zugute, glaubt Hans-Joachim Janßen. „Ich will mich mit Herz und Verstand einsetzen.“
Klaus Schütte führt seine 30-jährige Verwaltungserfahrung ins Feld. „Ich will einer von Ihnen werden. Es ist die Chance und Herausforderung meines Lebens.“
Als Bürgermeister werde er bürgernah, sachorientiert und transparent arbeiten, verspricht Henning Kaars. „Ich habe ein offenes Ohr für jeden und jedes Problem.“
